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Museumsuferfest in Frankfurt Ein Fest für alle Sinne

Nach drei Tagen endet das Museumsuferfest in Frankfurt. Hier konnte man essen, tanzen, basteln und vor allen Dingen gucken, was das Zeug hält - eine permanente Reizüberflutung.

Museumsuferfest
Komm unter meine Fittiche! Anselm Kiefers „Palette mit Flügeln“ von 1985 im Städel-Museum. Foto: Michael Schick

Ein Besuch auf dem Museumsuferfest stellt einen vor entscheidende Fragen. Worauf soll man sich nur konzentrieren? Kultur, Musik oder doch auf die kulinarische Vielfalt? Oder vielleicht einfach ein bisschen von allem?

Noch schnell ein Selfie mit der Skyline im Hintergrund, dann geht es für die Besuchertruppen weiter. Langsam trotten die Massen über den Eisernen Steg zum Sachsenhausener Ufer. Es ist Samstagmittag, der Himmel klart sich langsam auf, die Sonne kommt raus, eine leichte Brise weht  – optimale Bedingungen für einen Besuch auf dem Museumsuferfest. Der Schaumainkai füllt sich.

Tausende Besucher schon am Mittag da

Am letzten Augustwochenende wird die Ufermeile zu einer Reise durch Kulturen, die alle Sinne beansprucht. Jeder Schritt hält neue Eindrücke bereit. Schon die ersten Minuten gleichen einer Reizüberflutung. Der Duft von verschiedensten orientalischen Gewürzen vermischt sich mit dem Geruch von Pommes. Dazu dröhnen Bässe elektronischer Musik, lateinamerikanische Klänge und Charthits aus den Boxen an Ständen und von den Bühnen. Der Blick wandert zwischen dem liebevoll angerichteten Essen, dem Kunsthandwerk der Stände und den vorbeilaufenden Besuchermassen hin und her.

Auf das meiste lässt sich nur ein kurzer Blick erhaschen. Bereits am Mittag reihen sich Tausende Besucher um die Stände am Schaumainkai. Der erste Weg führt deshalb erst einmal aus dem Trubel heraus in das Museum für Angewandte Kunst. Hier herrscht eine beinahe angenehme Ruhe. Die Fotoausstellung „Extreme Bodies“ widmet sich der Darstellung von Körper und Identität unter Aspekten wie Gender, Drogenexzessen, randständigen Lebensweisen und Armut. Keine leichte Kost, aber sehenswert. Die Blicke der Besucher reichen von Irritation bis Interesse.

Genug gestaunt, es wird Zeit, etwas selbst auszuprobieren. Wie wäre es mit einem Fächer-Workshop? Am Stand des koreanischen Generalkonsulats im Innenhof des Museums für Angewandte Kunst können eigene Bambusfächer verschönert werden. Mit bunten Stempeln werden „typisch koreanische“ Motive wie Kirschblüten und Schriftzeichen auf die weißen Fächer gedruckt. „Wer weiß, ob wir hier nicht gerade ‚Ente süßsauer‘ draufstempeln“, scherzt eine Workshop-Teilnehmerin. Wer etwas mehr gefordert werden mag, kann sich auch an koreanischen Schriftzeichen versuchen. Lee Jihee und ihr Team des koreanischen Generalkonsulats zeigen geduldig, wie sich der eigene Name vom lateinischen in das koreanische Alphabet übersetzen lässt. „Sehr gut, das ist ein guter Anfang“, lächeln die Frauen und schreiben die Namen der Teilnehmer dann doch fast noch einmal neu. Gar nicht so einfach. „Ich bekomme Knoten im Kopf“, kommentiert ein Teilnehmer lachend. Am Ende haben es alle Teilnehmer geschafft und ihren Namen auf dem Fächer verewigt. Stolz wird das Souvenir eingepackt.

So viel denken macht hungrig und deshalb bleibt der ein oder andere Teilnehmer einfach am Tisch sitzen. Denn im Anschluss wartet der Gimbap-Workshop, bei dem Reisrollen selbst gemacht und natürlich verköstigt werden dürfen. Der Andrang ist groß. Nach wenigen Minuten hat jeder Teilnehmer eine Rolle in der Hand. Das war deutlich einfacher. Und macht auch noch satt. Für eine Portion Bibimbap am gegenüberliegenden Korea-Pavillon reicht es trotzdem noch.

Gut gestärkt geht es wieder Richtung Main. Der Bass der We-love-Frankfurt-Bühne ist mit jedem Schritt intensiver zu spüren. Mit einem Wein in der Hand wärmen sich die ersten Tanzfreudigen vor dem DJ-Pult auf und stimmen sich auf die Party am Abend ein. Ruo Shen und zwei Kommilitonen haben es sich etwas weiter am Mainufer gemütlich gemacht. Die Architektur-Studenten haben bereits das Deutsche Architekturmuseum besichtigt. Nun genießen sie noch ein wenig die Atmosphäre am Fluss, obwohl die Party am Main für sie eher Nebensache ist. Das Ehepaar Hiller ist hingegen vor allem für das Drumherum gekommen: „Die Museen sind uns am Festwochenende zu voll“, so Sigrid Hiller. Vor allem die große kulinarische Vielfalt gefällt ihr. „Wir essen aber trotzdem jedes Jahr Flammkuchen hier“, erklärt sie lachend.

Am späten Nachmittag wird das Gedränge größer. Körperkontakt mit anderen Besuchern lässt sich nur noch schwer vermeiden. Felix Durchholz, Ralf Durchholz und Michelle Brommer sind extra deshalb nach Frankfurt gekommen. Mit Free-Hugs-Schildern (also freie Umarmung) laufen sie über das Fest. „Wir wollen Freude teilen und Leute inspirieren“, erklärt Brommer. Diesen Sommer haben sie eine Deutschlandtour mit ihrem Projekt gestartet. Nun mischt sich die Gruppe voller Vorfreude unter die Festbesucher am Main.

Nach dem Holbeinsteg wird es ruhiger. Kunst- und Literaturinteressierte widmen sich den Ständen der Antiquariatsmeile. Eine Gelegenheit, um kurz durchzuatmen bevor es wieder zurückgeht. Der Abend naht, Zeit zum Tanzen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Museumsuferfest 2018

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