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Museum für Kochkunst Warmes Essen aus der Kiste

Frankfurt hatte schon einmal ein Museum für Kochkunst. Im Zweiten Weltkrieg musste es schließen. Jetzt öffnet ein neues Museum auf der Zeil. Das Thema der ersten Ausstellung lautet: „Es ist angerichtet“.

Museumsleiter Mikael Horstmann mit einem Schnellkochtopf aus dem 19. Jahrhundert. Foto: Andreas Arnold

Nach jahrelanger Planung hat Frankfurt wieder ein Museum für Kochkunst und Tafelkultur. Mit 300 Quadratmetern Ausstellungsfläche im fünften Stock an der Zeil gelegen, wollen die Initiatoren die Tradition der Stadt als Feinschmecker-Adresse fortsetzen. Schon 1909 hatte es nämlich am Mainufer ein Kochkunstmuseum gegeben, dessen Bestände jedoch im Zweiten Weltkrieg verloren gingen.

1988 schlossen sich dann eine Handvoll Liebhaber guten und stilvollen Essens zum „Verein zur Förderung der Tafelkultur“ zusammen, um das Museum wiederzubeleben. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten Sammler, der Verband der Köche Deutschlands und finanzstarke Unternehmer, wie etwa Moritz Landgraf von Hessen und der inzwischen verstorbene Brauerei-Unternehmer Bruno H. Schubert. Um die Finanzierung abzusichern wurde 1995 eine Stiftung gegründet, die inzwischen eine umfangreiche Sammlung zusammengetragen hat. Dazu zählen etwa 12.000 Titel zum Thema Tafelkultur, rund 100 handgeschriebene Kochbücher und rund 16.000 Menu- und Speisekarten vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Ein Großteil des Bestandes hat die Stiftung an die Johann Christian Senckenberg Bibliothek der Goethe-Universität übergeben, wo sie öffentlich zugänglich sind. Objekte wie etwa Glas, Porzellan, Bestecke und historische Küchengeräte lagern in einem Depot.

Eine kleine Auswahl ist in der ersten Ausstellung zum Thema „Es ist angerichtet“ zu sehen. Wie Mikael Horstmann, Kurator der Schau, erklärt, soll sie in vier Bereichen zeigen, wie vielfältig die kunsthistorischen und zeitgeschichtlichen Bezüge zur Kochkunst und Tafelkultur sind.

Ein Druckkochtopf aus dem Jahr 1880 veranschaulicht zum Beispiel, das sparsam kochen zu allen Zeiten ein Thema war. Auch die Idee der Kochkiste, die in Kriegs- und Mangelzeiten Ende des 19. Jahrhunderts aufkam ist wieder aktuell. Die Technik, bei der Speisen nur kurz angekocht werden und dann lange in der Eigenhitze in einem isolierten Behälter garen, erlebt heute als Kochsack aus Südafrika eine Renaissance. Zu den Geräten sind in Vitrinen auch passende, teils historische Kochbücher ausgestellt.

Menükarte der Queen

Lokalen Bezug bietet die Geschichte des Frankfurter Marzipans, zu der Bethmännchen und deren seit dem Mittelalter bekannte Vorläufer, die Brenten, gehören. Zu sehen sind Hohlformen mit Motiven, so genannte Model, in denen Brenten zu kleinen Plätzchen geformt wurden, dazu ein frühes Marzipanrezept von 1581 und eine aktuelle Form aus der Höchster Porzellanmanufaktur, die für eine Frankfurter Confisserie hergestellt wurde.

Auch Menükarten, die mit Fotos und Tischkarten gezeigt werden, veranschaulichen Geschichte. Lammcarrée mit Zuckererbsen gab es zum Beispiel, als die Queen das letzte Mal Gäste auf der Royal Yacht Britannia bewirtete. Helmut Schmidt aß an seinem 80. Geburtstag Tournedos vom Rinderfilet und beim G7-Gipfel in diesem Jahr in Elmau wurde Karwendel Rehrücken serviert. Sammler Wolfgang Gross aus Hamburg besitzt allein 1000 Menükarten von Staatsempfängen, insgesamt hat der 82-Jährige 45000 Speise- und Menükarten zusammengetragen, die Stiftung will die Sammlung übernehmen. Stoff für weitere Ausstellungen in Frankfurt gibt es also mehr als genug.

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