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Museum der Romantik Blau steht für Romantik

Beim Bau des Museums der Romantik am Goethehaus sitzen zwei Architekten in einem Boot. Nach den bisherigen Plänen wird der Museumsbau mit der Front in die Gasse neben das Goethehaus gesetzt und nicht in den Hof. Cantatesaal und Rosengarten bleiben unangetastet.

Ein erleuchteter Erker als Hingucker: die Front des geplanten Romantik-Museums. Foto: epd

Zur Romantik immer der blauen Nase nach. Die Nase, einen blau erleuchteten Spitzerker, will Architekt Christoph Mäckler der Putzfassade des geplanten Museums der Romantik aufsetzen.

Der Frankfurter soll das Museum im Großen Hirschgraben bauen – jedoch nach dem städtebaulichen Konzept des Architektenkollegen Michael Landes. Die Jury im Wettbewerb um die Erweiterung der Goethestätte hat den beiden aufgegeben, eine Planungsgemeinschaft zu bilden. Denn keinem von ihnen sei es gelungen, die als „Goethehöfe“ ausgelobte Bauaufgabe als Ganzes zu lösen. Das Grundstück ist mit 2500 Quadratmetern zwar nicht groß, aber es soll viel drauf. Neben dem Museum gehören Wohnungen dazu. Ferner sind die Theater-Spielstätte des Cantatesaals, der Hof und zwei Gartenparzellen zu berücksichtigen.

Michael Landes steckt also den Rahmen ab. Damit wird der Museumsbau mit der Front an die Gasse neben das Goethehaus gesetzt und nicht in den Hof. Dort bleibt der Cantatesaal ebenso unangetastet wie der sogenannte Rosengarten, zu dem sich der Gartensaal von Goethes Elternhaus öffnet. In jenem lichtdurchfluteten Saal hat die Bauherrin ABG Holding auch am Donnerstag zusammen mit Magistrat und Hochstift die Entscheidung in der zweiten Runde des Architektur-Wettbewerbs veröffentlicht.

„Licht und Luft“

Anne Bohnenkamp-Renken, die Direktorin des Freien Deutschen Hochstifts als Träger des Goethehauses, umriss erleichtert den Gewinn der „großzügigen“ städtebaulichen Neuordnung: „Es bleibt ein Hof bestehen, die Gärten bleiben unberührt. Das erhält uns auf dem Grundstück Licht und Luft.“ Am Ende der ersten Auswahlrunde im Juni stand noch zu befürchten, dass man „einen weiteren Gebäuderiegel durch den Hof zieht“, rief Bürgermeister und Baudezernent Olaf Cunitz (Grüne) in Erinnerung. Direktorin Bohnenkamp erinnerte sich im Mäcklerschen Entwurf an „eine Art Hundeknochen“ als Neubautrakt neben dem Garten.

Kern des Projekts ist aber das Deutsche Museum der Romantik, ein Projekt von Bund, Land, Stadt und Bürgerschaft, die insgesamt 6,3 Millionen Euro dafür gespendet hat. Es soll „das Herzstück werden“, sagte Olaf Cunitz, „ein besonderer Ort der kulturellen Ausstrahlung“ und „nicht nur ein Funktionsbau“. Diese Qualitäten werden nur Mäcklers Neubauvorschlag zugeschrieben. Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) traut ihm zu, „die Ausstrahlung der Sammlung nach außen zu tragen“. So dass man sich hineingezogen fühle.

Der Eingang zu dem neuen Museum wird direkt neben die südliche Wand des Goethehauses gesetzt – etwa dahin, wo derzeit lauter Werbeplakate für die Spendensammlung in den Fenstern hängen. Nicht nur den Weg zur „deutschen Romantik als Schlüsselepoche der deutschen und europäischen Geistesgeschichte“ wird das Foyer öffnen. Vielmehr geht es von der Eingangshalle künftig auch direkt ins Goethehaus. Die Hauswand aus Mainsandstein wird zum Ausstellungsstück, sie steht gleich rechter Hand im Raum. „Ein Eingang, eine Kasse“ – das ist nach den Worten der Direktorin ein wesentliches Ziel der Erweiterung. Denn heute, das ist ein Ergebnis des letzten Umbaus, ist Goethes Elternhaus nur auf ganz verschlungenen Wegen und über hinderlich enge Gänge zu erreichen.

Auf 27 Millionen Euro schätzt Frank Junker, Geschäftsführer der ABG Holding, die Kosten der Gesamtinvestition, 3000 Quadratmeter neuen Wohnraum und die Sanierung des Cantatesaals eingeschlossen. Zwölf Millionen Euro entfallen auf das Museum. Im Cantatesaal spielt die Fliegende Volksbühne noch bis zum 31. Mai, dann beginnen die Abbrucharbeiten an den Altbauten des davongezogenen Börsenvereins. Solange gebaut wird, müssen die Volksschauspieler wieder auf Tour gehen, sie haben aber die Zusage der Rückkehr „an einen wunderschönen Innenhof“.

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