Lade Inhalte...

Museen in Frankfurt Die Schirn ist eine Baustelle

Die Kunsthalle Schirn in Frankfurt wird seit 1986 von Millionen Menschen besucht - jetzt wird das Museum für fünf Millionen Euro aufwendig saniert. Besuch auf einer ganz speziellen Baustelle.

Schirn in Frankfurt
Das Parkett aus Pinienholz, das seit der Eröffnung 1986 lag, wird komplett ausgetauscht. Foto: Christoph Boeckheler

Die unförmigen Gestalten in den weißen Schutzanzügen scheinen hinter dem Vorhang zu verschwimmen. Aus den Öffnungen im Boden bergen sie vorsichtig die Mineralwolle, die als Dämmstoff eingesetzt wurde. Die Kunsthalle Schirn im Herzen von Frankfurt am Main kehrt in diesen Tagen ihr Innerstes nach außen, zeigt sich so, wie sie noch nie zu sehen war: Das im Februar 1986 eröffnete Gebäude wird erstmals umfassend saniert. 

Neue Klimatechnik, neues Parkett, neue Elektroverkabelung, neuer Brandschutz. Das Splittern von Balken ist zu hören, Männer stapeln Holz. „Die Klimaanlage hat eindeutig die Altersgrenze überschritten“, sagt Gabriele Schuster, Fachbereichsleiterin im Kulturamt: „Es ist noch die erste.“ Auch das Parkett stammt aus dem Jahr 1986, „ist schon mindestens zweimal abgeschliffen worden“. Jetzt geht nichts mehr. Das Pinienholz kommt einfach auf eine Deponie, die giftigen Mineralfasern aber müssen in einem ganz besonderen Verfahren entsorgt werden. 

Die Fenster in den Wänden der langen, schmalen Halle lassen Tageslicht herein – ungewöhnlich: Sonst sind sie verschlossen, um Ausstellungsfläche zu schaffen. An den verschiedenen Farbschichten der Wände lassen sich die unterschiedlichen Ausstellungen ablesen wie an Jahresringen: Dieses Dunkel hier stammt noch aus „Basquiat Boom for real“ über den US-Ausnahmekünstler, der letzten Schau vor der Schließung Anfang Juni. 

Es ist ein eigenartiges Gefühl, das langgestreckte Gebäude erstmals so nackt, so offen zu erleben. 140 Meter lang, „aber nur achteinhalb Meter breit“, sagt Ronald Kammer, seit der Eröffnung im Jahre 1986 der Technische Leiter des Hauses. In den 80er Jahren hatten „Fachleute“ schlicht behauptet, in einem Haus mit einem solchen Grundriss ließen sich keine sinnvollen Ausstellungen entwickeln. „Wir haben es trotzdem immer wieder geschafft“, brummt der 63-jährige Kammer. „Es kommt auf die Fantasie der Ausstellungs-Architekten an, die immer wieder neue Räume entstehen lassen“, sagt Pamela Rohde, die Sprecherin der Schirn. 

Auch die Klimatechnik ist ganz entscheidend für die Präsentation der Kunst. Zwei Zahlen kann Kammer nennen, ohne auch nur eine Sekunde nachzudenken: „20 Grad“ und „50 Prozent“. 20 Grad: Das ist die Temperatur, die in den Ausstellungen gemeinhin herrschen muss, damit die Exponate keinen Schaden nehmen. Und 50 Prozent: Das ist die zulässige Luftfeuchtigkeit. Diese Bedingungen werden in Protokollen mit den Leihgebern garantiert, also etwa Museen, aber auch privaten Sammlern. 

Das Problem: Jede zusätzliche Besucherin, jeder Besucher mehr lassen die Temperatur weiter ansteigen. Da müssen die Techniker dann mit der Klimaanlage gegenhalten. Bei großen Publikumserfolgen, die von Hunderttausenden von Menschen besucht werden, eine echte Herausforderung. 

Es geht hinab in die Katakomben des Gebäudes. Vieles erinnert hier an die Unterwelt der Städtischen Bühnen am Willy-Brandt-Platz. Uralte Leitungen und Heizungsrohre. Männer, die in fensterlosen Räumen um einen Resopaltisch hocken und in ihr Frühstücksbrot beißen. 

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen