Lade Inhalte...

Museen Frankfurt Freier Eintritt für Kinder in alle Frankfurter Museen?

In Frankfurt müssen Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre in 16 städtischen Museen keinen Eintritt zahlen. Kulturdezernentin Ina Hartwig möchte das Angebot auf alle Frankfurter Museen ausweiten.

Städel Museum
Das Städel in Frankfurt. Foto: Michael Schick

Am Ende dieses Vormittags im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt steht ein Appell der Kulturdezernentin. „Ich fände es großartig, wenn es in allen Häusern den freien Eintritt für Kinder und Jugendliche geben würde.“ Und Ina Hartwig bezieht das keineswegs nur auf die Museen in Frankfurt am Main. Aus ihrer Sicht steht der kostenlose Besuch junger Menschen in Kultureinrichtungen „kulturpolitisch an“ – und zwar bundesweit.

Am 1. Januar 2017 hatte die Stadt Frankfurt einen durchaus historischen Schritt getan. Zum ersten Mal seit knapp 25 Jahren hatte die Kommune in ihren 16 rein städtischen Museen für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre freien Einlass gewährt. 

Vor 1993 war in Frankfurt die kulturpolitische Devise: kostenloser Zugang für alle, auch erwachsene Besucher, in städtischen Museen. Als Ina Hartwig jetzt Bilanz zieht für das Jahr 2017, fällt diese sehr positiv aus. „Die Annahme dieses Angebots ist überwältigend.“ 69 503 Kinder und Jugendliche besuchten im zurückliegenden Jahr die kommunalen Museen, das waren 47 Prozent mehr als im Vorjahr (47 394).

„Unsere Erwartungen sind übertroffen worden, gerade die Familien haben darauf gewartet“, so die Einschätzung der Kulturdezernentin. Und da taucht das alte Motto des früheren Kulturdezernenten Hilmar Hoffmann (SPD) wieder auf, das der heute 92-Jährige 1979 formuliert hatte: „Kultur für alle“. Also die Forderung, dass kulturelle Einrichtungen für alle Menschen zugänglich sein müssen. Gerade „bildungsfernen Schichten“ müsse das ermöglicht werden, so Hoffmann damals.

„Kultur für alle ist für mich eine Verpflichtung“, sagt die heutige Kulturdezernentin. Und sie bettet die Frankfurter Situation in einen gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang ein. Der freie Zugang zu den Museen sei besonders wichtig in einer Zeit, da „der Populismus auf dem Vormarsch“ sei. In der es gelte, „Angriffe auf die Demokratie, auf die offene Gesellschaft, abzuwehren“.

Hartwig ist überzeugt: „Museen leisten Aufklärungsarbeit“, sie stellten in dieser Hinsicht „Zusatzorte zu Schulen“ dar. Gerade die Frankfurter Museen zeigten sich als Vorreiter in der „Verzahnung von analogen und digitalen Techniken“ in ihrer Vermittlungsarbeit.

Die Kulturdezernentin hebt hervor, dass die Lebenswirklichkeit für viele junge Menschen in Frankfurt keineswegs rosig ist. „Fast 17 Prozent der unter 18-Jährigen in Frankfurt leben unterhalb der Armutsgrenze“, sagt sie. Gerade für diesen Teil der Jugend gelte es, „die Schwellenangst“ vor Kultureinrichtungen zu überwinden.

Angelika Totzer, die Leiterin des Internationalen Kinderhauses im Bahnhofsviertel, beschreibt ganz plastisch, was der freie Museums-Eintritt für die von ihr betreuten Kinder bedeutet. „Das Bahnhofsviertel ist ein kinderfeindliches Ambiente, es gibt einen großen Kontrast zwischen Arm und Reich, viele Kinder leben in Hotels.“ Viele Kinder nämlich, die in der Einrichtung des Evangelischen Vereins für Jugendsozialarbeit Aufnahme finden, sind Geflüchtete.

Für diese jungen Menschen, die „normalerweise nicht in Museen gehen“, bedeute der Besuch einer solchen Kultureinrichtung sehr viel. „Sie lernen dabei soziales Verhalten, sie haben aber auch einfach Spaß.“

Mit Gruppen von acht bis zehn Mädchen und Jungen läuft Totzer oft „ganz spontan“ aus dem Bahnhofsviertel über den Main zum Museumsufer. „Die Kinder machen das sehr gerne.“ Aber natürlich besitzt der freie Eintritt auch eine Kehrseite. Da ist der Einnahmeausfall, der den Museen entsteht. Für die 16 städtischen Häuser liegt er bei etwa 135 000 Euro im Jahr. Dieses Defizit wird von der Stadt ausgeglichen.

Würde man den freien Eintritt für junge Menschen auf alle Museen in Frankfurt einschließlich des Zoos erweitern, würde das etwa ein Defizit von 1,5 Millionen Euro im Jahr bedeuten – es müsste von der Stadt übernommen werden. Allein die Museen würden mit einer Million zu Buche schlagen. Prominente Häuser, die nicht von der Stadt getragen werden, sind bisher nicht beim freien Eintritt dabei: das Deutsche Filmmuseum, das Senckenberg-Museum, das Städel, das Museum für Kommunikation zum Beispiel.

An der Hanauer Landstraße kämpft das private Dialogmuseum, in dem sechs absolut lichtlose Räume die Sinne herausfordern, ums wirtschaftliche Überleben. „Der freie Eintritt für städtische Museen ist eine gute Idee, aber sie ist nicht zu Ende gedacht“, sagt ein Sprecher. Im Jahr 2017 habe es bei insgesamt 60 000 Besuchern im Dialogmuseum „5000 Kinder und Jugendliche weniger“ gegeben. Bis zu 25 Schulen und ihre Klassen hätten sich umorientiert – hin zu den kostenfreien städtischen Museen.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen