Lade Inhalte...

Müllabfuhr in Frankfurt FES testet neues Müllauto

Die Müllabfuhr in Frankfurt soll klimafreundlicher werden. Deshalb testen der Müllentsorger FES gemeinsam mit der Fachhochschule das mutmaßliche Müllauto der Zukunft.

Müllfahrzeug Silent Green
Leise und sparsam Müll einsammeln. Ein Experiment auf Frankfurts Straßen. Foto: Michael Schick

Kommen wir direkt zum großen Moment – dem direkten Vergleich zwischen einem herkömmlichen Müllfahrzeug (Dieselantrieb) und Silent Green (Erdgas/Strom), dem klimafreundlichen Zukunftsmüllfahrzeug der Hoffnung. Aufdieplätzefertiglos.

Zuerst der Diesel. Fährt langsam an: brummbrumm (laut). Startet den Abfalltrommel-Drehmechanismus: brummbrummbrumm (noch lauter). Leert zwei Mülltonnen hinten rein: badammelbadammel (mittellaut).

Jetzt Silent Green. Fährt langsam an: brummbrumm (ungefähr genauso laut, aber viel sonorer – wie Johnny Cash im Kontrast zu, sagen wir ... Rammstein). Startet den Abfalltrommel-Drehmechanismus: brummbrumm (keine nennenswerte Lautstärke-Zunahme). Leert zwei Mülltonnen hinten rein: badammelbadammel (genauso laut wie beim Diesel).

Dieselbetriebene Müllautos nach Diesel-Urteil ein Problem

Silent Green heißt ja übersetzt Leise Grün – aber sooo viel leiser war das jetzt eigentlich nicht. „Wir sind noch am Anfang“, sagt Reinhold Schäfer, technischer Berater für den Fahrzeugeinkauf beim Frankfurter Müllentsorger FES. „Was wir da hören, ist der Range Extender“, erklärt er. Dabei handelt es sich um einen kleinen Erdgasmotor, der die Abfalltrommel und die Hydraulik für den Leermechanismus antreibt. Was wir nicht hören, ist der 300-PS-Motor, der nur für die Fahrten zum Einsatzort anspringt,

Das nennt man gutes Timing: Es ist der Tag nach dem Diesel-Urteil, das die Frankfurter Luft besser machen soll, und als der Pressetermin für Silent Green losgeht, prasselt der erste Regen seit gefühlten drei Monaten auf die Gäste hernieder. Der hessische Wirtschafts-, Energie- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) strahlt. Es gelte, das Bundesland bis 2050 klimaneutral zu versorgen, sagt er. Wir hätten (unter anderem) ein Problem mit dieselbetriebenen Müllautos, sagt er, weil sie anfahren, bremsen, anfahren, bremsen, dabei Unmengen Sprit verbrauchen und Abgas in die Luft pusten. „Müllentsorgung gehört zu den Dingen, die ich mir nicht mit dem Lastenfahrrad vorstellen kann“, sagt er.

Also brauchen wir umweltfreundlichere Lastwagen. Darum, sagt FES-Geschäftsführer Benjamin Scheffler, testet die Müllabfuhr gemeinsam mit Studierenden der Fachhochschule nun Silent Green und vergleicht Lautstärke, Verbrauch, Schadstoffausstoß mit den herkömmlichen Modellen. Die Hoffnung: Je ein Drittel weniger Lärm, Emissionen und Spritverbrauch soll der leise Grüne verursachen. Fachmann Schäfer nennt Zahlen: Der Diesel schluckt 80 bis 85 Liter am Tag, um zwei Fuhren à zehn bis elf Tonnen Müll wegzubringen. Das könnte der Neue mit Erdgas und Elektrizität  umweltfreundlicher hinkriegen. Und leiser. Aber wie gesagt: Daran arbeitet man noch.

Das Land Hessen fördert die Studie mit 417 000 Euro. Viel Geld, aber nicht so viel, wie Silent Green kostet: 500 000 Euro, mehr als doppelt so viel wie der Diesel. „Schockierend“, gibt FES-Chef Scheffler zu, aber gut angelegtes Geld, wenn es sich im Betrieb rechnet. Wie sagt der ehrenamtliche Stadtrat Claus Möbius (Grüne) voller Überzeugung: „Der Bewusstseinswandel muss kommen.“ Silent Green fährt voraus.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen