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Mousonturm-Leiter Niels Ewerbeck tot aufgefunden Der Tod des Intendanten Ewerbeck

Niels Ewerbeck, Intendant des Frankfurter Künstlerhauses Mousonturm, ist tot. Der 50-Jährige beging offenbar Suizid. Polizei und Feuerwehr fanden ihn in seiner Wohnung, nachdem er durch offenes Gas erstickt war.

04.10.2012 09:54
Erst in diesem Jahr übernahm Niels Ewerbeck die Intendanz des Mousonturms. Foto: Andreas Arnold

Niels Ewerbeck, Intendant des Frankfurter Künstlerhauses Mousonturm, ist tot. Der 50-Jährige beging offenbar Suizid. Polizei und Feuerwehr fanden ihn in seiner Wohnung, nachdem er durch offenes Gas erstickt war.

Der Intendant des Künstlerhauses Mousonturm, Niels Ewerbeck, ist tot in seiner Wohnung aufgefunden worden. Alle bisherigen Anzeichen deuten auf einen Suizid hin, wie Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) am Donnerstagmorgen der FR bestätigte.

Der 50-jährige Ewerbeck hatte erst in diesem Jahr die Leitung des Mousonturms übernommen. Semmelroth würdigte ihn als Mann von großer Leidenschaft, der mit außerordentlichem Engagement seiner Arbeit nachgegangen sei. Dem Vernehmen nach war der Kulturmanager bereits am Dienstag von Mitarbeitern des Mousonturmes in seiner Wohnung entdeckt worden, nachdem er zuvor nicht zu einem wichtigen Termin erschienen war.

"Latent überfordert"

Ewererbeck hatte vor dem Mousonturm das Künstlerhaus Gessnerallee in Zürich geleitet. Zum Auftakt seiner Frankfurter Intendanz hatte er im Sommer das große Festival „Lüften“ rund um die Jahrhunderthalle initiiert. Es galt als künstlerischer Erfolg, war aber vom Publikum viel weniger wahrgenommen worden als Ewerbeck gehofft hatte. Daraus entstand eine finanzielle Belastung für den Etat des Mousonturmes. Viel Lob von der Kritik gab es auch für das Programm zur Wiedereröffnung des Mousonturmes vom 6. bis 9. September.

Für das Musik/Performance/Bildende-Kunst-Festival "Lüften" hatte Ewerbeck in nur wenigen Monaten mit Hilfe des Konzertveranstalters Markus Gardian ein namhaftes Line-up aus dem Boden gestampft. Unter den fast 40 Bands und Interpreten waren Maximo Park, Jan Delay, The Whitest Boy Alive, The Notwist, The Low Anthem, Jochen Distelmeyer, Gravenhurst, Get Well Soon, Andromeda Mega Express Orchestra - vielfältiger ging es kaum. Ewerbeck wollte mit dem Festival - umbaubedingt meist im Freien und deshalb auch der Name - ein programmatisches Signal an alle Mousonturm-Gänger und die internationale Kulturszene senden: So verschränkt und interessant und neu gewendet sollte es künftig in dem Haus an der Waldschmidtstraße im Ostend zugehen.

Dass dem "Lüften" der große Publikumserfolg versagt blieb, nahm Ewerbeck wie schon manche andere Hürde - mit Arbeit fast ohne Pause, von Termin zu Termin hetzend. Bei einem Gespräch mit der FR im März 2012sagte Ewerbeck: „Ich mag so einen Zustand der latenten Überforderung.“

Zettel an der Tür

Er wollte die Jugend an die Kunst heranführen, etwa mit seinem Ensemble gleich ins Occupy-Camp überwechseln. Genauso aber wollte er den für das Künstlerhaus zu schmalen Etat von 3,9 Millionen Euro durch eigene Sponsorengänge bei den Bankiers von Frankfurt aufstocken. Das war alles in einem Arbeitstag drin für Niels Ewerbeck.

Am Ende war es aber wohl ein Arbeitstag zu viel. Als die Mouson-Mitarbeiter am Dienstag vor seiner Wohnung an der Rhönstraße ankamen, sollen sie laut "Bild"-Zeitung an der Tür einen Zettel vorgefunden haben, der vor Gas warnte. Polizei und Feuerwehr drangen dann in die Wohnung ein, wo sie - wieder laut "Bild" den Leichnam Ewerbecks fanden. (jg./FR/dpa)

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