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Moses Pelham From Frankfurt with Love

Die Stadt Frankfurt ehrt den Rapper und Musikproduzenten Moses Pelham mit der Goetheplakette.

Peter Feldmann und Moses Pelham
Oberbürgermeister Peter Feldmann (mit Blingbling-Amtskette) übergibt die Goetheplakette an Moses Pelham. Christoph Boeckheler Foto: Christoph Boeckheler

Das Römerprotokoll im Kaisersaal und ein Hip-Hop-Konzert haben mehr gemeinsam, als man gemeinhin vermutet. Es muss wohl erst Rapper und Musikproduzent Moses Pelham mit der Goetheplakette der Stadt geehrt werden, um zu bemerken, dass das immergleiche Aufzählen der anwesenden Kommunalpolitik-Prominenz durch Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) eigentlich auch nichts anderes ist, als „Shoutouts“ und „Props“ an die „Posse“ zu verteilen, Grüße und Respektbekundungen für Wegbereiter und -begleiter also, die zum guten Benehmen eines jeden MCs gehören (in der Regel mit mitreißenderem Flow vorgetragen als die Feldmann’sche Begrüßung von Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler). Feldmanns massivgoldene Amtskette hat jedenfalls selten so gut ins Bild gepasst wie an diesem Montagmittag, da deutscher Hip-Hop made in Rödelheim Einzug ins Rathaus hält - auch wenn Pelham seinerseits ganz ohne Blingbling-Statussymbole auskommt.

Feldmanns und Pelhams Posse sind gleichermaßen zahlreich vertreten. Stadtverordnete wie Clubbetreiber erheben sich euphorisch von den Sitzen, als das Stadtoberhaupt den angehenden Träger der Goetheplakette in den Saal führt. 

Es wird immer wieder Zwischenapplaus und Jubelrufe zu hören geben, als Feldmann die Verdienste des 1971 in der Nordweststadt geborenen Musikers vorträgt, der Frankfurt in den frühen Neunzigern mit dem „Rödelheim Hartreim Projekt“ (RHP) fest auf der deutschen Hip-Hop-Landkarte verankerte und als Produzent und Gründer des Labels 3P anderen Musikerinnen und Musikern den Weg in die deutschen Charts ebnete - allen voran Rapperin Sabrina Setlur und Soulsänger Xavier Naidoo. „Sie haben Ihrer Heimatstadt ein musikalisches Denkmal gesetzt“, sagte Feldmann, der einst schon als Jugendhausleiter RHP-Zeilen zu hören bekam, und zählt Pelhams Erfolge auf: neun Millionen verkaufte Tonträger, Songs, die zusammen 1000 Wochen in den Charts platziert waren, diverse Gold- und Platin-Auszeichnungen. Hätte die Stadt die Verleihung der Goetheplakette besser vermarktet, sinniert Feldmann, hätte man die Eintrittskarten sicher gut vergolden können. 

Aufmerksamkeit ist dem Event aber auch so sicher. Als Feldmann Pelham die Plakette übergibt, klickt es nicht nur aus dem Pulk der zahlreich erschienenen Pressefotografen und Kamerateams, auch einige geladene Gäste steigen auf ihre Stühle und zücken ihre Smartphones. 

Pelham selbst, groß, bärtig, dauerlächelnd, bedankt sich zunächst geradezu schüchtern für die Ehrung. „Das ist gut fürs Herz“, sagt er mit weicher Stimme, „eine Ermunterung“ auf seinem Weg fortzufahren, auch wenn es mal nicht so gut laufe. „Herz“, so heißt auch sein neuestes Soloalbum. Und das Herz verbindet Pelham auch mit dem Namensgeber der Auszeichnung: Goethes Zeilen „es muss von Herzen kommen, was auf Herzen wirken soll“ dienten ihm als Leitsatz, sagt er. „Vielleicht sind diese Worte auch ein Weg, mir selbst zu erklären, dass ich hier heute stehen darf.“

Danach ist es aber genug mit der Bescheidenheit: Pelham klopft auf das hölzerne Rednerpult und ruft mit dem Nachdruck des geübten Rappers: „Aber hier stehe ich mit der Ehrung von meiner Stadt in meiner Stadt!“ Seine Stadt, an deren subkulturelle Orte er gebührend erinnert, jenen Skateboardladen an der Konstablerwache etwa, von der er einst zu Hip-Hop-Jams im ganzen Bundesgebiet aufbrach; die Stadt und deren Menschen, denen er seinen Erfolg in guten Teilen zuschreibt: „Ich weiß nicht, ob meine Geschichte in einer anderen Stadt möglich gewesen wäre, ich bezweifle es.“ 

Auch wenn die Musik im Kaisersaal sich auf die Interpretation der Pelham’schen Zeilen „Wir sind eins“ durch den Kinderchor des Hessischen Rundfunks beschränkt – ganz ohne Rap kommt auch diese Feierstunde nicht aus. „Ein Hoch auf Frankfurt, meine Stadt, die mich heute erneut beschenkt. From Frankfurt with Love!“, ruft Pelham freudestrahlend in den Saal. Und schließt dann mit Zeilen aus seinem Song „You remember“: 

„Mit perfektionierten Worten weg von Blödsinn und Spaß. Und zwar direkt aus diesem Ort hier, in dem Goethe schon saß.“

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