Lade Inhalte...

Morgenlicht-Prozess am Horizont Staatsanwaltschaft klagt 50-jährigen Ingenieur an

Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen den 50 Jahre alten Diplom-Betriebswirt erhoben, der über Monate hinweg die Ermittlungsbehörden unter dem Kampfnamen „Bewegung Morgenlicht“ auf Trab gehalten hatte.

Bekennerschreiben der „Bewegung Morgenlicht“. Foto: dpa

Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen den 50 Jahre alten Diplom-Betriebswirt erhoben, der über Monate hinweg die Ermittlungsbehörden unter dem Kampfnamen „Bewegung Morgenlicht“ auf Trab gehalten hatte. Ihm wird Brandstiftung in fünf Fällen – zwei davon an von Menschen bewohnten Häusern –, Störung des öffentlichen Friedens und Bedrohung vorgeworfen.

Ende Oktober 2009 war der selbsternannte Rächer der Zukurzgekommenen erstmals in Aktion getreten. Ein Brandsatz in einer Filiale der Dresdner Bank richtete einen Schaden von etwa 24000 Euro an. Tags darauf ging eine Bekenner-E-Mail bei der FAZ ein, in dem der damals noch Anonyme den Stellenabbau bei der Commerzbank geißelte.

Im November brannte eine Filiale der Deutschen Bank in Bockenheim: Protest gegen die Personalpolitik des Finanzriesen. Im Monat darauf brannten an der Georg-Voigt-Straße dann drei Autos, im Namen der „Antikapitalistischen Zellen“ und den Einkommensunterschieden in diesem unseren Lande.

Im Januar 2010 schickte der Mann dem hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch eine Rohrbombenattrappe, verbunden mit der Drohung, solle Koch sich weiterhin vermeintlich arbeitnehmerfeindlich äußern, werde die nächste Bombe scharf sein. Es folgten ein Brandanschlag auf die Räume einer Zeitarbeitsfirma an der Stiftstraße und einer Filiale der Drogeriekette Schlecker. In beiden Fällen kritisierte der Mann den Umgang der Unternehmen mit ihren Beschäftigten.

Gefasst wurde der Mann aufgrund eines Phantombildes, das auf Überwachungskameras basierte – und aus Zufall. Zwei Polizeibeamten vermeinten in ihm den Täter zu erkennen, als er nahe seiner Wohnung am Riederwald spazieren ging. Er verweigerte zunächst die Aussage, schrieb aber aus der U-Haft mehrere Bekennerbriefe an Zeitungen, die natürlich geöffnet wurden und schließlich dafür sorgten, dass der Mann alles zugab.

Laut Doris Möller-Scheu, Sprecherin der Staatsanwaltschaft, handelt es sich bei dem Diplom-Ingenieur „um einen gut ausgebildeten Mann, der beruflich seit Jahren kein Bein mehr auf den Boden bekommen“ hat und sich am Ende mit Ein-Euro-Jobs über Wasser halten musste. Ein Prozesstermin steht noch nicht fest.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen