Lade Inhalte...

Mord Prozess Geständnis mit Fragezeichen

Mord aus Habgier - dafür muss sich Dirk B. vor Gericht verantworten. Er versucht, die Tötung der 69-jährigen Witwe im August 2011 als Verkettung unglücklicher Zufälle darzustellen.

Der Prozess wird im August fortgesetzt. Foto: imago stock&people

Das Geständnis des Angeklagten sorgt für Kopfschütteln und fragende Gesichter im Gerichtssaal. Er habe den Tod der älteren Dame nicht gewollt, lässt Dirk B. am Mittwoch im Landgericht über seine Verteidigerin ausrichten. Der 51-Jährige sieht die Ereignisse in der Nacht des 14. August 2011 in einer Villa in Kelkheim-Eppenhain eher als eine Verkettung unglücklicher Umstände, die Staatsanwaltschaft ist da ganz anderer Meinung.

Sie wirft dem Frankfurter Mord aus Habgier vor. Er soll bei der Witwe ins Haus eingedrungen sein, sie um Geld erpresst, gefesselt, geknebelt und schließlich erstickt haben, um seine eigene Identifizierung zu verhindern.

Beruflicher Abstieg

Das will B. so nicht stehen lassen, und deswegen beginnt sein Geständnis auch nicht in der Tatnacht, sondern einige Jahre vorher. Das Leben des EDV-Experten ist nach eigener Darstellung aus den Fugen geraten, nachdem ihn seine Frau wegen seines außerehelichen Verhältnisses verlassen hat. Auch die beiden Töchter sind deswegen nicht gut auf ihren Vater zu sprechen. Beruflich geht es für B. ebenfalls bergab - teils weil sein Arbeitgeber umstrukturiert und ihn nicht mehr wirklich braucht, teils weil B. seine private Situation zu schaffen macht.

2009 macht sich B. selbstständig, seine mittlerweile von ihm getrennt lebende Frau steigt mit ins Unternehmen ein. Doch B. ist laut eigener Aussage viel mehr an einer Versöhnung mit seiner Frau, als an seinem beruflichen Fortkommen interessiert. Die Tage verbringt er meist mit Computerspielen, Fernsehen und Warten auf die Besuche seiner Frau.

Als er von einer regelmäßigen Bridge-Runde seiner Frau erfährt, nimmt das Drama seinen Anfang. Er könne nicht mehr sagen, warum er mit dem Fahrrad nach Eppenhain gefahren sei, wo er doch eigentlich nach Niedernhausen wollte. Auch warum er sich in den Garten der wohlhabenden Witwe schleicht, die Bridge-Runde beobachtet, später ins Haus eindringt und die 69-Jährige überwältigt, weiß er nicht mehr. Als die Frau bewusstlos am Boden liegt, will er fliehen, findet aber den Ausgang nicht, sondern stattdessen Textilklebeband.

"Selbstachtung verloren"

Damit verklebt er seinem Opfer das komplette Gesicht. Die schweren Schläge gegen Kopf und Hals tun ein Übriges, alles ist voller Blut. „Als ich die Bilder in der Akte sah, habe ich das letzte Stück Selbstachtung vor mir verloren“, lässt B. ausrichten.

Den beabsichtigten Suizid in Spanien führt er nicht aus, weil die Ferienwohnung der Frau vermietet ist. Dafür genießt er dann einen Aufenthalt an der französischen Atlantikküste. Als seine Frau ihn fragt, warum er den von der Polizei angeforderten DNA-Abgleich ablehnt, gesteht er ihr die Tat und stellt sich knapp neun Monate später bei der Staatsanwaltschaft. Erbeutet hatte er übrigens nur ein paar Euro Bargeld. Der Prozess wird im August fortgesetzt.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen