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„Mohren“-Apotheken „Mohr“ war laut Konfliktforscherin schon immer abwertend gemeint

„Mohr“ oder „Neger“ sind nicht erst seit kurzem negativ besetzt. Die Bedeutung sei schon immer die gleiche gewesen, sagt die Marburger Konfliktforscherin Maria Ketzmerick.

12.02.2018 12:04
Mohren-Apotheke
Eine rassistische Bezeichnung? Mohren-Apotheke in Frankfurt. Foto: Christoph Boeckheler

Die Marburger Konfliktforscherin Maria Ketzmerick hat in der Rassismus-Debatte um „Mohren“-Apotheken in Frankfurt zu einer sensiblen Wortwahl gemahnt. Die Bezeichnungen „Mohr“ oder auch „Neger“ würden nicht erst seit kurzem als verpönt gelten, sondern seien „schon immer abwertend gemeint“ gewesen, sagte sie in einem Interview der „Frankfurter Neuen Presse“ (Montag). Denn damit würden die betreffenden Menschen auf bestimmte Eigenschaften wie „niedlich“ oder „kindlich“ reduziert.

„Momentan verändert sich lediglich die Natürlichkeit das zu sagen, aber die Bedeutung war immer die Gleiche“, sagte die Wissenschaftlerin. Sie befasst sich am Zentrum für Friedens- und Konfliktforschung der Philipps-Universität Marburg vor allem mit dem Thema Kolonialismus.

Verfechter des Apothekennamens „Mohr“ machen geltend, er gehe auf die Verwendung von Medizin aus fernen Ländern zurück und habe zu Entstehungszeiten keinen rassistischen Hintergrund gehabt. Dazu sagte Ketzmerick: „Die Frage ist dann aber auch, welche Symbole dazukommen. Zeigt das Logo etwa einen schwarzen Menschen ähnlich der Sarotti-Figur?“ Das seien „Logos mit großer kultureller Prägnanz und starker Wirkung“. Es gehe also nicht nur um die Worte, sondern auch um die Symbole.

Der kommunale Ausländerbeirat der Stadt Frankfurt hatte im Januar gefordert, dass der „Mohr“ aus dem Namen von zwei Frankfurter Apotheken verschwinden soll. In seinem Antrag an das Stadtparlament bezeichnete der Ausländerbeirat die Namen der „Mohren Apotheke“ und der „Zeil-Apotheke zum Mohren“ als rassistisch und forderte die Stadt auf, sich für die Umbenennung der Apotheken einzusetzen.

Nach Angaben der Zeitung hat inzwischen die „Mohren-Apotheke“ in Eschersheim das Logo, das eine schwarze Frau gezeigt habe, von ihrer Internetseite entfernt. Der Inhaber der „Zeil-Apotheke zum Mohren“, hatte sich zuvor bereits kompromissbereit gezeigt. Allerdings befinde sich seine Apotheke in einem denkmalgeschützten Gebäude, auf dessen Fassade der Begriff „zum Mohren“ eingemeißelt sei. (kna)

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