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Mittendrin Flughafen Frankfurt Hartes Training für den Ernstfall

Die Feuerwehr am Frankfurter Flughafen stellt hohe Anforderungen an ihre Mitarbeiter und an die Technik. Die Ausbildungsplätze sind begehrt, doch nur wenige sind auch geeignet.

Ein hohes Anforderungsprofil haben die Feuerwehrleute am Frankfurter Flughafen. Foto: Imago

Der Frankfurter Flughafen hat die Größe einer mittleren Stadt. Das stellt seine Feuerwehr vor vielfältige Herausforderungen. Innerhalb kürzester Zeit steht sie für den Ernstfall bereit – von den Passagieren meist unbemerkt. Im Ernstfall ist es für die Retter ein Wettlauf gegen die Zeit. In weniger als drei Minuten muss die Flughafenfeuerwehr in Frankfurt jeden Punkt des riesigen Start- und Landebahnsystems erreicht haben – mit schwerem Gerät und mehr als 32 000 Litern Löschwasser. Diese Anforderung stellt die Internationale Zivilluftfahrt-Organisation (ICAO) an den Betreiber des größten deutschen Flughafens, die Fraport. „Die Vorgaben der ICAO erfüllen wir größtenteils sogar in zwei Minuten“, berichtet der Ausbildungsleiter bei der Flughafenfeuerwehr, Henri Lachmann.

Um das zu erfüllen, trainieren die Mitarbeiter hart – und auf den vier Wachen ist alles auf Zeitersparnis getrimmt. Wie auf der Feuerwache 1: Viele der Gänge in dem Containergebäude führen direkt in die Garage zu den Fahrzeugen. Neben den Feuerwehrautos hängt die Schutzuniform am Kleiderständer. Die Hose steckt bereits in den schweren Stiefeln – so können die Feuerwehrleute im Ernstfall mit nur einem Handgriff Stiefel und Hose anziehen. Ein zweiter Handgriff – und Jacke und Schutzhelm sitzen. Eingepackt in die ockerfarbene Uniform eilen die Männer und Frauen zum Fahrzeug. Ein Knopfdruck an der Fahrertür genügt: Die Tür schiebt sich auf, der Motor startet, und das Blaulicht geht an. Das Garagentor öffnet sich, der Löschzug kann ausrücken.

Männer in der Überzahl

Doch nicht nur an die Technik, auch an seine Mitarbeiter stellt die Flughafenfeuerwehr hohe Anforderungen. Wer hier eine Ausbildung absolvieren möchte, muss körperlich und geistig topfit sein. Viele junge Leute bewerben sich jedes Jahr um eine Ausbildung. Nur wenige, zwischen zehn und 15 Prozent der Bewerber, werden genommen. Immer noch sind die Männer in der 330-köpfigen Belegschaft der Flughafenfeuerwehr bei weitem in der Überzahl. Drei Frauen sind regelmäßig bei Einsätzen dabei, eine vierte ist in der Ausbildung. „Wir wünschen uns viel mehr Bewerbungen von Frauen“, sagt Ausbildungsleiter Lachmann. Denn sie hätten einen positiven Einfluss auf das Miteinander im Team.

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Der Flughafenbetreiber Fraport ist eines von 57 hessischen Unternehmen, die eine betriebseigene Werkfeuerwehr haben. Nach Angaben von Holger Schönfeld, Sprecher des Landesfeuerwehrverbands, gibt es rund 4900 hauptberufliche Feuerwehrleute in Hessen. 3000 von ihnen arbeiten bei Werkfeuerwehren, die restlichen 1900 sind bei den kommunalen Berufsfeuerwehren angestellt. So verschieden wie die Unternehmen selbst sind auch die Spezialgebiete ihrer Werkfeuerwehren. Während die Flughafenfeuerwehr das Löschen von Flugzeugen beherrschen müsse, sei die Werkfeuerwehr des Industrieparks Frankfurt-Höchst auf Chemieunfälle spezialisiert, sagt Jürgen Seitz, Pressesprecher des Werkfeuerwehrverbands Hessen. Im Kohlekraftwerk Staudinger im Main-Kinzig-Kreis wiederum muss nach Angaben des Leiters der Werkfeuerwehr, Ulrich Fischer, auch die Brandbekämpfung auf Schiffen trainiert werden, da die Kohle häufig mit Lastkähnen angeliefert wird.

Bis zu 20 Einsätze pro Tag

Die Flughafenfeuerwehr wird nach Angaben von Lachmann innerhalb von 24 Stunden zu 15 bis 20 Einsätzen gerufen. Häufig sind das kleinere Einsätze wie ein Wasserrohrbruch oder Fehler im Umgang mit Gefahrgütern. Dennoch kommt es auch vor, dass die Flughafenfeuerwehr mit dem ganz schwerem Gerät ausrückt. „Der Pilot muss uns bei der kleinsten Unregelmäßigkeit informieren“, berichtet Lachmann. In einem solchen Fall setzt die Maschine zu einer sogenannten Sicherheitslandung an. Die Feuerwehr positioniert ihre Löschfahrzeuge vorab nahe der Landebahn – um im Ernstfall sofort zur Stelle zu sein. Pro Woche rücke die Feuerwehr zu zwei bis drei solcher sogenannten Stand-by-Einsätze aus, schätzt Lachmann. „Geht alles gut, bekommt der Passagier nichts von unserem Einsatz mit“, sagt er. Dann ziehen sich die Feuerwehrleute mit ihren tonnenschweren Löschfahrzeugen wieder zurück auf die Wache – und sind froh, nicht wirklich gefordert gewesen zu sein.

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