Lade Inhalte...

Mietpreise Frankfurt Frankfurt wird unbezahlbar

Eine Studie zum Armutsrisiko durch zu hohe Mieten sorgt für Wirbel. Jeden zweiten Euro muss manche Familie fürs Wohnen ausgeben - für alles andere bleibt wenig übrig.

Der knappe Wohnraum treibt auch Demonstranten auf die Straße. Foto: Martin Weis

Alarmierend nennen sie die einen, die anderen sprechen von „methodischen Mängeln“. Die Studie der Bertelsmann Stiftung zum Armutsrisiko durch hohe Mieten sorgt in Frankfurt für Aufregung. Die Stiftung hatte in 100 großen deutschen Städten untersuchen lassen, wie viel Geld den Menschen noch bleibt, wenn sie ihre Miete bezahlt haben. Die Ergebnisse für Frankfurt lassen aufhorchen. Einkommensschwache Familien müssten in der Stadt jeden zweiten Euro ihres Einkommens für die Miete ausgeben.

Und wenn die Miete bezahlt sei, bleibe den armen Familien monatlich nur eine Summe, die 37 Prozent unter dem Niveau von Hartz IV liege. Überhaupt könnten sich arme Familien in Frankfurt nur jede hundertste Wohnung leisten, die auf dem freien Markt angeboten werde.

Die Fachleute von Bürgermeister und Planungsdezernent Olaf Cunitz (Grüne) haben die Studie ausgewertet. Sie sehen bei der Arbeit „ein methodisches Problem“, so Mark Gellert, der Sprecher des Bürgermeisters. In die Arbeit seien nur Daten aus Wohnungsinseraten auf dem freien Markt eingeflossen. Nicht berücksichtigt werde das große Angebot der öffentlichen Wohnungsgesellschaften.

Gesellschaften haben günstigere Angebote

Gellert nennt explizit die Bestände der städtischen Wohnungs-Holding ABG mit ihren 50.000 Unterkünften und der Nassauischen Heimstätte, an der Stadt und Land beteiligt sind. Diese verfügt in Frankfurt über 16.000 Wohnungen.

Diese 66.000 Wohnungen lägen mit ihren Mieten sehr deutlich unter dem Durchschnitt in Frankfurt. Nach den Daten der ABG betrug ihre Durchschnittsmiete im Jahre 2012 genau 7,10 Euro pro Quadratmeter. In Frankfurt insgesamt lag die Durchschnittsmiete bei 10,29 Euro pro Quadratmeter.

Weil die Studie der Bertelsmann Stiftung all diese Wohnungen nicht berücksichtige, werde das Ergebnis „deutlich verzerrt“, so Mark Gellert, der Sprecher des Bürgermeisters. Cunitz und sein Team leugnen aber nicht, dass es auf dem Wohnungsmarkt in Frankfurt ein erhebliches Problem gibt: „Die Nachfrage nach preiswertem Wohnraum ist deutlich höher als das Angebot.“ Besorgt beobachten die Fachleute der Stadt nicht nur den Mietmarkt, sondern auch die Entwicklung bei den Eigentumswohnungen.

Kaufpreise explodieren

Gerade sind die jüngsten Zahlen für das erste Halbjahr 2013 auf dem Schreibtisch des Bürgermeisters gelandet. Danach lag der Kaufpreis für eine neu gebaute Eigentumswohnung in Frankfurt bei durchschnittlich 4200 Euro pro Quadratmeter. Ein rasanter Anstieg: Vor einem Jahr waren es noch 3500 Euro gewesen.

„In der Innenstadt werden Spitzenpreise von 6750 Euro erzielt, am Riedberg sind es 7000 Euro“, sagt Gellert. Die höchsten Preise überhaupt werden bei Eigentumswohnungen auf dem „Main Tor"- Areal verlangt. Diese Einheiten des Konzerns Deutsche Immoblien Chancen (DIC), die 2014 bezugsfertig sein sollen, kosten bis zu 10.000 Euro je Quadratmeter.

Viele Bedarfsgemeinschaften

Hier entstehe eine große Kluft zur Welt der einkommensschwachen Familien. Die Leiterin des Jugend- und Sozialamtes, Christiane van den Borg, umreißt mit Zahlen dieses Frankfurt. Im Januar 2013 gab es 36.500 sogenannte „Bedarfsgemeinschaften“, die eine Grundsicherung für Arbeitssuchende bezogen. Die Zahl sei nahezu stabil geblieben: 2012 waren es 36.400. Hinter jeder „Bedarfsgemeinschaft“ steckten im Durchschnitt zwei Personen. „Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Mieten eine hohe Belastung sind“, so van den Borg.

Die Frankfurter SPD zieht ein härteres Fazit: „Frankfurt droht für Normalverdiener und Menschen mit niedrigem Einkommen unbezahlbar zu werden“, so Vorstandsmitglied Jürgen Gasper. Es drohe eine „soziale Spaltung“ der Stadt.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen