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Mieterfest in Ginnheim ABG verteidigt dichte Bebauung

Der Protest beim Mieterfest der ABG in Ginnheim hat ein politisches Nachspiel: Die Kritik an den Mieterhöhungen in der Hügelsiedlung führen zu kontroversen Debatten im Römer. Der Chef der städtischen Wohnungsbaugesellschaft konkretisiert die Pläne für die Nachverdichtung in der Platensiedlung - trotz des Protests.

Wird künftig „gar nicht“ mit der Initiative umgehen: ABG-Chef Frank Junker. Foto: peter-juelich.com

Nach den Protesten beim Mieterfest der ABG in Ginnheim hat der Chef der städtischen Wohnungsbaugesellschaft, Frank Junker, die Kritik der Demonstranten zurückgewiesen. Zugleich konkretisierte er Pläne für die Nachverdichtung in der Platensiedlung, gegen die sich der Protest gerichtet hatte.

Bei dem Fest am Samstagmittag hatte es einen Eklat gegeben. Nach der Rede von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) war eine Gruppe junger Leute auf die Bühne gestiegen. Die Mitglieder der Kampagne „Eine Stadt für alle! Wem gehört die ABG?“ kritisierten die Mieterhöhungen in der Hügelsiedlung in Ginnheim. Zudem forderten sie, auf die geplante Nachverdichtung in der ebenfalls in Ginnheim gelegenen Platensiedlung zu verzichten.

Die Gruppe wollte Junker ein aus Pappkartons gebasteltes „Häuschen aus Betongold“ überreichen, doch der ABG-Chef lehnte ab – „weil ich die Forderungen dieser Leute für vollkommen absurd halte“, wie Junker am Montag im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau erklärte.

Tatsächlich seien die Mieten in der Hügelsiedlung erhöht worden: „Allerdings um maximal zehn Prozent.“ Wer vorher 6,31 Euro pro Quadratmeter gezahlt habe, müsse nun 6,91 Euro aufbringen. „Mir ist nicht klar, wie man sich darüber beschweren kann“, so der ABG-Chef.

Die Pläne für die Nachverdichtung nehmen derweil weiter Gestalt an. In der Platensiedlung könnten bis zu 300 neue Wohnungen entstehen, sagte Junker. Nach den Sommerferien möchte die ABG den vorhandenen Mietern die Pläne vorstellen.

In der Tat sollten Grünflächen überbaut werden. Dabei handele es sich aber nicht um Parks, sondern um „plane, platte Flächen“. In dem Gebiet, in dem bis in die 90er Jahre US-Soldaten wohnten, stünden die Häuser in großem Abstand zueinander. Bis 2016 sei die ABG, die das Gelände vom Bund gekauft hatte, vertraglich verpflichtet, keine Veränderungen in dem Gebiet vorzunehmen. Danach gebe es die Chance, Wohnraum zu schaffen, „und die wollen wir nutzen“, so Junker. Der Ortsbeirat 9 (Dornbusch, Eschersheim, Ginnheim) sei informiert und begrüße die Pläne.

Unterdessen wirken die Proteste beim Stadtteilfest auch politisch nach. Die CDU erhebt Vorwürfe gegen den Oberbürgermeister. Nachdem die Demonstranten auf die Bühne gestiegen waren und es ein kurzes Handgemenge mit Moderator Roland Frischkorn gegeben hatte, hatte Feldmann die Forderungen der Initiative vorgetragen. „Aber nicht, weil er sich damit identifizieren würde“, wie OB-Sprecher Ralph Klinkenborg erklärte. Feldmann sei es darum gegangen, „die Situation zu entspannen“.

Das sieht die CDU völlig anders. Kreisgeschäftsführer Michael Stöter schimpfte, der OB habe „das Pamphlet der Aktivisten per Mikrofon von der Bühne herab verlesen und sich somit zum Sprachrohr des linken Protestes gemacht“. Als Aufsichtsratsvorsitzender der ABG könne er nicht „Schmähungen, Beleidigungen und massive Kritik“ kommentarlos verlesen. Statt der Initiative seinen Respekt auszusprechen, hätte sich der Oberbürgermeister vor die Mitarbeiter der ABG stellen müssen, kritisierte Stöter.

Für Junker steht derweil fest, dass er auch in Zukunft keine „Häuschen aus Betongold“ annehmen wird. Auf die Frage, wie er künftig mit der Initiative umgehen werde, antwortete er knapp: „gar nicht“.

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