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Mieten Eine Stadt für alle

Bürgerinitiativen kritisieren, die Stadtplanung folge nur noch Profitinteressen der Investoren. Der Kritik versucht die schwarz-grüne Stadtregierung mit dem Versprechen eines „integrierten Stadtentwicklungskonzepts“ zu begegnen.

Eine Stadt für Alle: Die Forderung ist auf Mauern in der ganzen Stadt zu lesen. Foto: Andreas Arnold

Die Parole ist überall in Frankfurt zu lesen, an Kaimauern des Mains, an Häuserwänden und Bauzäunen: „Stadt für alle“. Im November 2015 hatten Bürgerinitiativen im Internet dazu aufgerufen, „öffentlichkeitswirksam“ Gebäude in Frankfurt mit diesem Motto zu markieren. In dem Aufruf wird ein tiefes Misstrauen gegen die Stadtplanung formuliert: Der Kapitalismus dringe „in alle Lebensbereiche“ ein und übernehme die Stadt. Die städtischen Planer folgten vor allem den wirtschaftlichen Interessen der Investoren. Deshalb sähen sich die Initiativen „gezwungen, die Stadt zurückzuerobern“.

Bereits im Juli 2015 hatte die Stadtforscherin Susanne Heeg, Professorin am Institut für Humangeografie der Frankfurter Goethe-Universität, im Interview mit der FR die These aufgestellt, die Innenstadt sei nur noch dem Konsum vorbehalten – es lasse sich kaum noch verweilen, ohne Geld auszugeben.

Der harschen Kritik versucht die schwarz-grüne Stadtregierung mit dem Versprechen eines „integrierten Stadtentwicklungskonzepts“ zu begegnen: Bis 2017 soll in diesem Papier formuliert werden, wie sich Deutschlands fünftgrößte Kommune bis zum Jahre 2030 entwickeln soll. Dabei wollen CDU und Grüne dem raschen Wachstum der Stadt ebenso Rechnung tragen wie dem Klimawandel: In Frankfurt gibt es immer mehr Hochsommertage, die Stadt heizt sich auch durch zunehmend dichtere Bebauung immer mehr auf.

Bürgermeister Olaf Cunitz (Grüne) verspricht für 2016 und 2017 „breite Diskussionen mit der Stadtgesellschaft und der Fachöffentlichkeit“. Gerade ist die Agentur Imorde Projekt- und Kulturberatung beauftragt worden, diese Öffentlichkeitsbeteiligung zu organisieren. Der Bürgermeister verweist darauf, dass Imorde schon für das Entwicklungskonzept Berlin 2030 tätig gewesen sei. Cunitz hält den Kritikern auch entgegen, das Wachstum der Frankfurter Skyline, des Wahrzeichens der Stadt, verlaufe durchaus kontrolliert. Die Investoren könnten keineswegs einfach bauen, was sie wollten. So ist die Baugenehmigung für jedes neue Bürohochhaus seit einiger Zeit mit der Auflage verbunden, 30 Prozent der Fläche als Wohnraum zu schaffen. Dies gelte etwa für das neueste Projekt im Bankenviertel: Auf dem früheren Areal der Metzler-Bank, Große Gallusstraße 16–18, Ecke Neue Mainzer Straße, will der Projektentwickler Tishman Speyer einen Turm von 185 Metern Höhe errichten. Er soll bis zu 120 Wohnungen, Bars, Restaurant und Büros unter einem Dach vereinen. Bei einem zweiten großen Entwicklungsvorhaben im Bankenviertel verspricht Cunitz ebenfalls mehr öffentliche Nutzungen, mehr Grün und Wohnungen. Die Deutsche Bank hat zum Teil lange leerstehende Gebäude zwischen Großer Gallusstraße und Junghofstraße an den Projektentwickler Groß und Partner verkauft. Mehrere Bürohochhäuser sollen auf dem Filetareal entstehen.

Auf vielen Flächen wachsen neue Quartiere: am Güterplatz im Gallus, auf dem Siemens-Gelände in Bockenheim, auf dem Avaya-Areal im Gallus, auf dem Honsell-Dreieck nahe des Osthafens. Es wird eine zentrale Aufgabe der Stadtplanung sein, dass sich lebenswerte Viertel entwickeln.

Großen Protest der Anwohner rufen auch immer wieder etliche der 4500 Baustellen in Frankfurt hervor. Die Menschen haben den Eindruck, dass die Bauaufsicht gar nicht mehr in der Lage ist, die Einhaltung der Vorschriften beim Baulärm zu kontrollieren. Bürgermeister Cunitz widerspricht. Und verweist auf die Pflicht jedes Investors, für seine Baustelle ein „Lärmkonzept“ vorzulegen.

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