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Menschen aus Frankfurt Im Land der Illusionen

Die Österreicherin Julia Kröhn, alias Carla Federico oder Leah Cohn, schreibt erfolgreich Unterhaltungsromane

Findet die strenge Trennung von Belletristik und Unterhaltung „typisch deutsch“: Julia Kröhn. Foto: Alex Kraus

Sie lebt „direkt an der Niddaaue“, am Rande von Nied. Doch wenn sie dort sitzt jetzt im Sommer, hat Julia Kröhn oft keine Augen für die sanft geschwungenen Flussufer. „Ich hab meinen Laptop überall dabei, immer“, sagt die 35-Jährige: „Ich kann überall schreiben, im Zug, im Wartezimmer beim Arzt, im Stau auf der Autobahn.“ Die gebürtige Linzerin, deren Sprachmelodie noch immer die Herkunft bezeugt, schätzt ihr „Tagespensum“ auf 1500 Wörter – und unterwirft sich dabei einem strengen System von Strafe und Belohnung: „Bevor ich den ersten Kaffee bekomme, muss ich was geschrieben haben.“

Als Autorin skizziert sie , die Theologie, Geschichte und Philosophie studiert hat, eine Welt der Illusionen, aber sie selbst macht sich keine. „Es gibt eine Sehnsucht nach dem ganz anderen – je grauer die Wirklichkeit ist, desto größer ist dieser Drang, aus dem eigenen Leben auszusteigen.“ Nüchtern spricht Kröhn vom „Eskapismus“, von der „gewissen Faszination“ der „anderen Welt“.

In dieser Sphäre der Unterhaltungsliteratur zählt sie zu den Erfolgreichen: Ihr jüngstes, fast 800 Seiten starkes Werk „Im Land der Feuerblume“ hat sich schon 80000 mal verkauft, steht auf der „Spiegel“-Bestsellerliste – gerade gewann Carla Federico, so ihr Autorinnen-Pseudonym, den internationalen Buchpreis Corine, in der Sparte des von den Lesern gekürten Publikumspreises.

Eine steile Karriere für die Tochter eines Lehrer-Ehepaares. Das Mädchen Julia verschlang die klassischen Mädchen-Bücher, die „Heidi“-Romane von Johanna Spyri natürlich und Werke von Enid Blyton, der britischen Kinderbuch-Autorin („Fünf Freunde“). Aber sie spann diese Geschichten weiter. Die 14-Jährige hockte schon vor einer alten mechanischen Schreibmaschine. Erinnerungen: „Ich war damals sehr Außenseiterin, ich habe mich unverstanden gefühlt – ich habe nicht geraucht, mich nicht für den ersten Freund interessiert und fürs Shoppen auch nicht.“ In der Welt der Phantasie fand sie „Sicherheit“. Heute beschreibt sie sich selbst als „unglaublich naiv“ in dieser Zeit. Sie begann als junge Frau, Verlage mit Manuskripten einzudecken – und handelte sich nur Absagen ein. „Ich habe jahrelang nur für die Schublade geschrieben.“ Bei den Eltern, leidenschaftlichen Sportlern, wuchs die Skepsis: „Vor allem mein Vater glaubte nicht, dass sich so Geld verdienen lässt.“ Sie lacht.

Aber ein kleiner oberösterreichischer Verlag brachte erste Texte von ihr heraus, mit Anfang 20 las Kröhn zum ersten Mal vor Publikum. Der Durchbruch kam mit dem Manuskript von „Engelsblut“, das die Lektorin eines größeren Verlagshauses begeisterte. Die fiktive Geschichte des Malers Samuel Alt, der im 19. Jahrhundert seine Bilder am Ende mit Kinderblut malt, provozierte harsche Kritik: „Billige Schleudermystik“, so ein männlicher (!) Rezensent.

Kröhn, die unter dem Pseudonym Leah Cohn auch Fantasy-Romane verfasst, ficht das nicht an: „Das ist mein Weg und meine Art zu schreiben.“ Die strenge Trennung zwischen ernstzunehmender Belletristik und Unterhaltung sei „typisch deutsch“, dass die Literaturkritik sie schneidet, erträgt sie gelassen: „Dafür finden meine Bücher bei den Lesern mehr Beachtung.“ Die Historikerin greift auf die Erfahrung ihrer Reisen zurück – etwa nach Chile. „Im Land der Feuerblume“ beschreibt die leidenschaftliche Liebe von Elisa und Cornelius vor dem Hintergrund der wirklichen Auswandererwelle, die im 19. Jahrhundert Tausende von Deutschen nach Chile spülte: „Ich habe mich auf Originalquellen gestützt, etwa auf Festschriften.“

Neun Bücher schrieb sie bisher. Fast nur Frauen kommen zu ihren Lesungen, „Männer sitzen im Publikum wie ein seltenes Tier.“ Seit 2001 lebt sie in Frankfurt, möchte bleiben, in der „Kleinstadt mit Großstadt-Flair“. 2011 erscheint der zweite Teil der „Feuerblume“.

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