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„Mehr Bock auf Politik“ Projekt macht Migranten Lust auf Politik

Ein Mentorenprojekt motiviert in Frankfurt bereits seit drei Jahren junge Migranten, sich auch politisch einzubringen.

Mentoringprojekt
Miteinander sprechen beim Mentoringprojekt: Teilnehmer Fabrice Kamwa. Foto: Sophie Schüler

Studien bestätigen es seit Jahren: Migrantinnen und Migranten sind in Deutschland politisch unterdurchschnittlich repräsentiert. Und auch vor der Bundestagswahl wurde wie schon all die Jahre zuvor vor allem über sie gesprochen statt mit ihnen.

In Frankfurt versucht eine Initiative seit drei Jahren, dieser Tendenz etwas entgegenzusetzen: „Mehr Bock auf Politik – mehr Mut zum Gestalten“, unter diesem Motto haben die Frankfurter Vereine Beramí und Infrau ein Bildungsprogramm entwickelt, mit dem sie junge Menschen mit Migrationshintergrund ermutigen und in die Lage versetzen möchten, politisch mitzumischen. Fast 50 junge Frauen und Männer aus ganz unterschiedlichen Ländern haben das Programm seit 2014 durchlaufen.

An diesem Samstag blickt im Saalbau Bornheim schon die dritte „Generation“ auf ihre Erfahrungen in den vergangenen Monaten zurück. Die jungen Leute, von denen einige in Deutschland aufgewachsen sind, andere erst seit wenigen Jahren hier leben, hatten politisch erfahrene Mentoren, oft Kommunalpolitiker, an der Seite. Sie berichten von Ortsbeirats- und Ausschusssitzungen, von Diskussionen über das politische System Deutschlands oder von Besuchen bei Vereinen und Bürgerinitiativen.

Der 24-jährige Sebastián Cárdenas aus Ecuador, der mit Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler (CDU) ein Tandem gebildet hat, glaubt, er habe in den Monaten „verstanden, wie Politik in Frankfurt tickt“. In eine Partei eintreten möchte er erst einmal nicht, aber ein Ziel hat er sich doch gesetzt: „Ich will die Initiative ‚Pfand gehört daneben‘ wiederbeleben.“ Pfandsammler sollten nicht in Mülleimern wühlen müssen. „Und ich weiß jetzt auch, wie ich es anpacken kann.“

Die Kolumbianerin Catalina Ramirez steht neben ihrem Mentor Thomas Schlimm. Ein ungleiches Paar: die junge Frau, geschminkt und im modernen Outfit, und der langjährige Grünen-Ortsbeirat mit Zottel-Bart. Doch die beiden scheinen sich prächtig zu verstehen: „Sie ist einfach klasse“, schwärmt Schlimm: „So interessiert und engagiert – und das, obwohl sie mit Job und Studium eigentlich schon genug zu tun hat.“

Azubis haben zeitliche Probleme

Ramirez ist nicht die Einzige, der es so ging. Fast alle Teilnehmer mussten ihr Engagement zwischen Studium, Job und Sprachkursen unterbringen. Projektleiterin Gabriele Molinar von Beramí glaubt, diese Belastungen seien ein Grund dafür, dass es ihr seit drei Jahren nicht gelinge, auch junge Azubis für das Programm zu gewinnen: „Die kriegen das vermutlich einfach nicht unter einen Hut.“

Tatsächlich hat Catalina Ramirez, die in Mainz Soziale Arbeit studiert, anfangs gezweifelt, ob sie sich die regelmäßigen Fahrten nach Frankfurt noch zusätzlich aufbürden soll. „Aber dann habe ich beschlossen, dass ich diese Chance unbedingt nutzen will.“ Schon in Kolumbien sei sie sozial engagiert gewesen. Aber in der dortigen Gesellschaft sei es sehr schwer, politisch Einfluss zu nehmen: „Das können eigentlich fast nur die Reichen“, sagt sie. In Deutschland gebe es mehr Chancen, sich einzubringen.

Ihr Langfrist-Ziel ist es, mehr Kinder und Jugendliche für Politik zu interessieren. Und was ist nach ihrer Erfahrung der vergangenen Monate der Schlüssel? Ramirez überlegt: „Ich glaube, man muss sich klarmachen, dass es ein Prozess ist. Das geht nicht von jetzt auf gleich, man muss Geduld haben und dranbleiben.“

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Zuwanderung Rhein-Main

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