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Medizintechnik Roboter bringen Patienten zum Lächeln

Tiere als Freunde und Helfer des Menschen - künstliche Robben und echte Hunde sollen bei Demenz und Behinderungen helfen, Mobilität und Erinnerungsvermögen zu verbessern.

05.01.2016 18:38
Von Esther Bednorz
Barbara Klein präsentiert die Robbe im Gesundheitsamt. Foto: christoph boeckheler*

Auf den ersten Blick sieht Plüschrobbe Paro aus wie ein gewöhnliches Stofftier. Flauschig weich mit dunklen Kulleraugen und einem Schleifchen um den kurzen Hals gebunden.

Doch hinter dem weißen Kunsthaarmantel steckt ein Roboterkern aus zwei Computern, der mit Berührungssensoren unter dem Fell verbunden ist. Krault man oder streichelt die 60 Zentimeter lange Robbe, wiegt sie den Kopf, zwinkert mit den Augen und quiekt zufrieden. Außerdem reagiert sie auf Licht, Dunkelheit Temperaturen und ihren Namen.

„Paro ist ein Roboter, der therapeutisch bei Demenzkranken und Senioren in Pflegeeinrichtungen eingesetzt wird“, erklärt Barbara Klein, Professorin an der University of Applied Sciences. Am Mittwochabend stellte sie die Robbe bei einer Infoveranstaltung zum Einsatz von Tieren bei der Demenzpflege im Gesundheitsamt Frankfurt vor.

Paro ist Teil eines Forschungsprojekts zu emotionaler und sozialer Robotik, einer auf Interaktivität zwischen Mensch und Maschine basierenden Technik. Weltweit sind mehr als 2000 Paro-Roboter im Einsatz, davon 500 in Pflegeeinrichtungen in Deutschland. „Durch die lebensechten Geräusche, Bewegungen und Reaktionen auf seine Umgebung löst das Stofftier Schlüsselreize bei Menschen aus“, erklärt Klein.

So würden Senioren, die sonst kaum oder gar nicht sprechen, wieder anfangen zu kommunizieren, mit oder über die Robbe. Auch rege sie zum Austausch zwischen den sich oft fremden Bewohnern und zum Ausdruck von Emotionen, wie etwa einem Lächeln, an.

Wie die Senioren im Einzelfall auf das Kunsttier reagieren, hängt jedoch von den persönlichen Vorerfahrungen mit Tieren ab. „Einige unserer demenziell erkrankten Bewohner reagieren skeptisch, andere spricht die Robbe wiederum an“, weiß Alexander Gebhardt, Mitarbeiter im Johanna-Kirchner-Pflegeheim.

Gut auch für die Seele

Weitere Einsatzbereiche des persönlichen Roboters liegen in der Betreuung und Förderung von schwerbehinderten Kindern; in den USA gibt es Projekte mit krebskranken Frauen.

Fast schon klassisch wirken neben der interaktiven Robo-Robbe der lebendige Golden Retriever Valentin und Labradorlehrling Buela. Die Hündin ist in Ausbildung zum Assistenzhund. Mit zwei Jahren wird sie auf ihr neues Herrchen treffen, einem Menschen in Rollstuhl, und diesen rund um die Uhr helfend begleiten. Ein Video des Vereins „Vita Assistenzhunde“ zeigt konkret wie: Die Hunde helfen ihrem Herrchen beim Ausziehen von Jacke und Schuhen, heben Gegenstände auf oder bringen sie und öffnen Türen.

„Hunde sind Eisbrecher und bringen Menschen ins Gespräch“, sagt Ariane Volpert, Tierärztin und Vorsitzende des Vereins, der die Helfer auf Pfoten ausbildet. Jugendliche im Rollstuhl würden durch den Begleiter insbesondere während der Pubertät profitieren und an Selbstbewusstsein gewinnen, erläutert Volpert.

Im Gegensatz zu Buela lebt Therapiehund Valentin bei einem Führer, mit dem er Einrichtungen für Senioren, Menschen mit Behinderungen und Hospizen besucht. Seit 13 Jahren versprüht der Rüde Lebensfreude.
Zukünftig möchte der gemeinnützige Verein sein Ausbildungszentrum im Westerwald ausbauen und hofft auf viele Unterstützer und Spender. Auf diese ist der Verein angewiesen, da ihm keine öffentlichen Fördermittel zustehen.

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