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Medizin Vier Brennpunkte gegen den Grauen Star

Die Uniklinik Frankfurt setzt die weltweit erste Kunstlinse mit vierfachem Brennpunkt ein. Sie hilft Patienten mit der häufigsten Augenkrankheit: dem Grauen Star. Einen kleinen Nachteil gibt es aber doch noch.

Ursula Badnjevac (74) ist weltweit die zweite Patientin, die mit ihren neuen Kunstlinsen schärfer gucken kann, als andere Patienten, die wegen der häufigsten Augenkrankheit, dem Grauen Star, operiert wurden. Schon 1949 wurde die erste künstliche Linse – damals noch aus Plexiglas – eingesetzt, erläuterte der Direktor der Augenklinik des Universitätsklinikums, Thomas Kohnen am Dienstag auf einer Pressekonferenz. Damals musste man sich noch auf einen einzigen Brennpunkt festlegen. Das bedeutete, dass nach der Operation die Sehfähigkeit zumeist in der Ferne wieder funktionierte, für alle anderen Distanzen aber, etwa das Lesen, eine Brille benötigt wurde.

Derzeit verfügen Kunstlinsen über drei Brennpunkte: 40 Zentimeter, 80 Zentimeter und die Endlos-Distanz. Jetzt aber wurde aus einem besonders weichen, faltbaren Kunststoff eine Kunstlinse mit vier Brennpunkten entwickelt. Dadurch, dass die Entfernungen bei dieser Linse auf 40, 60, 120 Zentimeter und die Ferne festgelegt wurden, habe die Sehschärfe insgesamt erheblich zugenommen, sagte Kohnen. Außerdem würden viele Tätigkeiten in Armlänge, also den justierten 60 Zentimetern, erledigt.

„Als Sie gesagt haben, die Linse ist raus, habe ich Sie schon gesehen“, sagte Badnjevac zum Doktor. Betäubt wird bei dem Eingriff nur die Oberfläche des Auges, erklärte Kohnen. „Wir reden mit den Patienten.“ Sie habe keine Schmerzen verspürt, weder während noch nach der Operation, berichtete die 74-Jährige. Eine Woche nach der ersten Operation sei dann die zweite Linse ausgetauscht worden. Das Ergebnis: „Ich habe gleich wunderbar gesehen.“ Lesen, die Arbeit am Computer, Autofahren – immer ist Badnjevac jetzt mit scharfem Blick bei der Sache.

Bessere Lichtausbeute

Dazu tragen nicht nur die vier Brennpunkte der Linse bei, sondern auch eine bessere Lichtausbeute. Einen kleinen Nachteil gibt es aber doch noch: Vor allem nachts, wenn eine Lichtquelle blendet, etwa die Scheinwerfer eines Flugzeugs – Badnjevac wohnt in Oberrad – sieht sie so etwas wie Kreise. Aber alles kein Vergleich zu dem Leben vor der Operation, als sie sich beim Fernsehen darüber wunderte, dass sie Menschen nur wie durch „einen Schleier“ sah.

Der Graue Star ist eine typische Alterserscheinung. Die Linsen im Auge werden nicht nur härter, sondern auch trüb. Bei einer Operation werden sie zertrümmert und abgesaugt, bevor eine „Neue“ eingesetzt wird.

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