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Medico Der lange Weg zum Global Player

Die Hilfsorganisation Medico feiert ihr 50-jähriges Bestehen im neuen Domizil am Osthafen.

Anne Blum
Anne Blum, die Vorsitzende von Medico international, im neuen Haus am Osthafen. Foto: Christoph Boeckheler

Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) nennt es am Dienstagabend eine Doppelhochzeit: Dass die Hilfsorganisation Medico International mit ihrem Neujahrsempfang nicht nur ihr 50-jähriges Bestehen feiert, sondern zugleich die Eröffnung eines neuen, eines eigenen Hauses, in dem „dem großen kritischen Potenzial vieler Frankfurter Institutionen Raum gegeben wird“.

Vor wenigen Wochen hat die Frankfurter Menschenrechtsorganisation das Gebäude am Osthafen bezogen. Rings herum in der Lindleystraße sind noch Bauarbeiten im Gange. Im Inneren des Medico-Hauses ist alles frisch gestrichen und durch den erstmals genutzten Veranstaltungssaal im Erdgeschoss erklingen die Melodien eines Musikers von der benachbarten Jungen Philharmonie.

Das Haus, sagt Geschäftsführer Thomas Gebauer, der 1979 als Zivi bei Medico in einer Bonameser „Baracke“ anfing, mache die Organisation nachhaltig handlungsfähig. 2004 gründete sich dafür die Medico-Stiftung, die ihr Kapital nun in das Haus investiert hat. Als Mieter sind andere gemeinnützige Organisationen mit im Haus. Mit den Mieteinnahmen könne Medico nun auch dann „handlungsfähig sein, wenn es gilt, einen langen Atem zu zeigen“, sagte Gebauer.

Den langen Atem, den brauche es. Denn seit Gründung im Jahr 1968 sei zwar Medicos Handlungsspielraum beim Bemühen für das Recht auf Gesundheit zu streiten mit besseren Finanzen und nunmehr 40 Festangestellten deutlich gewachsen – „aber auch Bedarf an Hilfe in Folge einer marktradikalen Umgestaltung der Welt“, so Gebauer. „Wir stehen Menschen solidarisch zur Seite, für die der Fortschritt bislang keine Minderung ihrer Not bedeutet hat.“

Gestartet war Medico einst als studentische Initiative, die Hilfsgüter und Medikamente in kriegsgebeutelte Gebiete Vietnams und in das seine Unabhängigkeit von Nigeria anstrebende Biafra versandten. Von der rein karikativen Katastrophenhilfe habe Medico über die Jahre aber Abstand genommen und strebe heute vielmehr eine kritische Nothilfe an, die sich durch solidarische Kooperation mit Partnern in den Ländern des globalen Südens und politische Öffentlichkeitsarbeit auszeichne, sagte die Erste Vorsitzende Anne Blum.

Den wohl größten Erfolg in der 50-jährigen Geschichte konnte die Organisation mit der Internationalen Kampagne zum Verbot von Landminen erreichen, so Blum. Die von Medico initiierte Kampagne führte 1997 zum geforderten Verbot und wurde mit dem Friedensnobelpreis geehrt.

Heute liege ein Schwerpunkt der Medico-Arbeit auch auf dem Thema Flucht und Migration, sagte Blum. Konkret auf dem „Kampf gegen Fluchtursachen und dem Einsatz für das Recht zu bleiben“. Themenreferentin Ramona Lenz machte dies anhand des Jubiläumsprogramms deutlich, das in den kommenden Wochen zu zahlreichen Veranstaltungen in das neue Medico-Haus einladen wird. So wird am 15. Februar eine Ausstellung mit Fotografien Geflüchteter und Frankfurter Jugendlicher im Medico-Haus eröffnet, die ihren Alltag in der Stadt festgehalten haben.

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