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March for Science in Frankfurt Demo für freie Forschung

1. UpdateBeim March for Science in Frankfurt wird für die Freiheit der Forschung und die Anerkennung wissenschaftlicher Erkenntnisse demonstriert.

March for Science in Frankfurt
Beim March for Science in Frankfurt wird für die Freiheit der Forschung und die Anerkennung wissenschaftlicher Erkenntnisse demonstriert. Foto: Arne Dedert (dpa)

Es ist ein langer Marsch der schweigenden Minderheit, der sich am Samstagmittag durch die Bockenheimer Landstraße zieht. Mehrere Hundert Wissenschaftler und solche, die es werden wollen oder gerne wären, haben sich zum „March for Science“ zusammengefunden, der weltweit, also auch in Frankfurt begangen wird. Es ist eine eher ungewöhnliche Demo: Keine Parolen werden skandiert, keine Polizisten beleidigt, alles sehr friedlich und wissenschaftlich. Lediglich ein halbes Dutzend Kinder hält die Ruhe nicht mehr aus, die Kleinen haken sich am Ende des Zuges aneinander und skandieren mehrfach: „Wir sind alle gaga!“ Das ist überraschend, denn diese tiefe Erkenntnis ist es auch, die zwingend am Ende eines jeden wissenschaftlichen Prozesses stehen muss.

Viele Wege führen zur Wissenschaft. Das beweisen schon die mitgeführten Transparente. „Fake-News ist gleich Wurzel aus minus Eins“, steht formelhaft auf einem – um das zu verstehen, braucht man Abitur. Ein anderes zeigt die Frau der Zeichentrickfigur Homer Simpson im Laborkittel, „Marge for science“ steht darunter. Um das zu verstehen, braucht man Privatfernsehen. Frankfurt sei „tolerant und weltoffen“, gibt OB Peter Feldmann den Protestierern zum Marsch als Wegzehrung mit, es gebe hier „keinen Platz für Rassismus, Ausgrenzung, Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus, Islamophobie und und und“. Um das zu verstehen, braucht man keine Wissenschaft.

Ohne Ausreizung des akademischen Viertels trifft der Protestzug fast pünktlich um 13 Uhr auf dem Römerberg ein, die zahllosen Junggesellenabschiede dort lösen sich angesichts der intellektuellen Übermacht sofort in nichts auf. Stadtverordnetenvorsteher Stefan Siegler begrüßt die Teilnehmer. Eins plus eins mache weiterhin zwei, auch in Frankfurt, rechnet er vor, und solange er Stadtverordnetenvorsteher sei, werde sich daran auch nichts ändern, da könne „dieser Amerikaner mit den gefärbten blonden Haaren“ twittern, was er wolle.

Eine andere Rednerin beklagt das weitgehende Fehlen von Kindern. Zwar habe man vor der Demo alle weiterführenden Schulen angeschrieben, aber keine habe geantwortet oder mitgemacht. Sie hofft auf stärkeres Interesse des wissenschaftlichen Nachwuchses in den nächsten Jahren. Zu Recht, denn wie in der Bockenheimer Landstraße bewiesen, kommen Kinder oft spontan zu Erkenntnissen, für die die Wissenschaft Jahre braucht.

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