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Mandelbar Die Frau im bunten Mandelmeer

Monika Eiserloh verkauft auf dem Weihnachtsmarkt Süßes mit Tradition.

Mandelstand
Monika Eiserloh hat 65 Sorten Mandeln im Angebot. Foto: Rolf Oeser

Mandel ist ja nicht gleich Mandel. „Eine Mandel“, sagt Monika Eiserloh, „muss klein und appetitlich aussehen. Auch die Glasur darf nicht zu dick sein.“ Largueta 36/40 heißt die Zauberformel, das ist die spanische Mandelsorte ihrer Wahl, das ist die Basis. „Die Largueta schmeckt nach mehr. Die hat so einen feinen Nachgeschmack.“ Aber der wahre Zauber ist das Drumherum. Manchmal ist es sogar aus Gold.

Seit 17 Jahren führt Monika Eiserloh zusammen mit ihrem Mann Markus die „Süße Mandelbar“. Sie tingeln von Marktplatz zu Marktplatz; vom Frankfurter Weihnachtsmarkt ist ihr Geschäft gar nicht wegzudenken. Der Stand mit den akribisch sortierten Naschereien steht, vom Römer aus gesehen, ganz links vor dem Haus des Kunstvereins. Jedes Jahr. Das muss so sein, sagt Monika Eiserloh: „Sonst finden uns die Stammkunden ja nicht.“

Schon die Eltern und Schwiegereltern waren Reisende aus Tradition: Mandeln, Popcorn, Zuckerwatte, Los- und Schießbuden, Pfeilwerfen. 1998 dann, bei einer Party des Schaustellernachwuchses in Düsseldorf, traf Amors süßer Wurfpfeil Monika und Markus. Drei Jahre später übernahmen sie den Mandelbetrieb.

„Wir sind unheimlich flexibel“, sagt sie. Die Eiserlohs reisen kreuz und quer durch die Gegend, sind auf dem Vilbeler Markt, auf der Dippemess, auf dem Bad Homburger Laternenfest und dann wieder beim Winterzauber im Kloster Dalheim. Und immer ist der Wohnwagen dabei, denn auch das hat Tradition: Vor Ort sind die Schausteller eine große Familie, alle übernachten dort. „Ich liebe das. Ein richtiger Freundeskreis trifft sich da.“

Obwohl es ein Leichtes wäre, etwa aus Bad Vilbel oder vom Frankfurter Dippemess-Festplatz abends heim nach Hanau zu fahren, wo die Eiserlohs leben, wenn sie nicht gerade auf Tour sind. „Wir könnten nach Hause fahren, aber wir wollen nicht“, sagt Monika Eiserloh, „wir freuen uns auf die Zeit draußen.“ Wo auch immer die Familie ist – jeden Morgen fährt sie die Kinder Marie (11) und Max (13) in die Schule nach Bruchköbel.

„Das Leben als Schausteller prägt“, sagt die 37-Jährige. „Schausteller sind offener, temperamentvoller. Meine Kinder sind aufgeschlossener als andere, das merkt man schon.“ Und kreativ: Marie hat die Sorte „Weihnachtsbaum-Mandeln“ erfunden, die sind grün. Und von Max stammen die Nikolaus-Mandeln, rot und weiß.

Mit 50 verschiedenen Mandel-Leckereien werben die Eiserlohs – aber das stimmt so nicht. Es sind viel mehr. Auf etwa 65 kommt die Chefin, wenn sie nachzählt. „Die Leute lieben die Vielfalt.“ Dennoch geht die klassische gebrannte Mandel nach altem Rezept mit karamellisiertem Zucker nach wie vor mit Abstand am besten. Es gibt Chili-Sorten, so scharf, dass sie die Kunden davor warnt: „Wir haben die schärfsten Mandeln der Welt, damit ist nicht spaßen.“ Neu im Angebot sind diesmal die Sorten Zitronen-Baiser-Törtchen, Cheesecake, Karottenkuchen – und die Altstadtmandel. Großes Thema.

„Sieben Jahre standen wir auf dem Weihnachtsmarkt vor der Baustelle“, erinnert sich Monika Eiserloh. „Es war trotzdem gut, aber jetzt wird vermutlich die Besucherfrequenz viel höher, weil man vorbeilaufen kann.“ Der Betrieb hat extra zwei Leute mehr dabei, acht statt sechs Mitarbeiter, um dem Ansturm zu begegnen. „Die Altstadt ist jetzt so einladend – ich bin unglaublich gespannt.“

Tragetaschen mit Altstadtmotiv wird die Familie am Stand verkaufen, und als Schmankerl hat sie 5000 Kronen aus Pappe bedrucken lassen, um sie an die Kundschaft zu verschenken. Wegen des Krönungswegs, auf dem die Mandelbar jetzt steht. Die Idee kam beim Fest zur Altstadt-Eröffnung, bei dem die Eiserlohs natürlich auch dabei waren.

Mit Blattgold umhüllte Mandeln

Die erste „Mandel des Tages“ ist in diesem Jahr die Spessart-Mandel, weil dort der Weihnachtsbaum herkommt. Wer sich etwas Edles gönnen will, kann mit Blattgold umhüllte Mandeln kaufen, drei Stück im Etui für zehn Euro. „Wir verbinden alte Tradition mit neumodischem Firlefanz“, sagt sie und lacht, „das mit dem Firlefanz stammt von der Schwiegermama.“

Monika Eiserloh öffnet einen Briefumschlag, der auf dem Tisch liegt, und zieht einige weiße Blätter heraus: alle Mandelsorten in Brailleschrift für die Kundschaft mit Sehbehinderung. Für jede einzelne Sorte gibt es auch die Angaben, ob sie Allergene enthält, Gluten, Lactose, ob sie vegan ist. „Die Leute ernähren sich heute bewusst.“ Sogar bei den Süßigkeiten. Und selbst? Isst die Mandelchefin persönlich viele Mandeln? „Jaaaa …“, seufzt sie, „es geht gar nicht anders.“

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