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Malteser-Paten „Ein Gefährte geworden“

Seit zwei Jahren engagieren sich Malteser-Paten ehrenamtlich und bieten Hilfe für Geflüchtete im Alltag.

Malteser Integrationslotsen Integration leben
Maltester Patin Marion Dörner mit Hashmat aus Afghanistan. Er sei wie ein Enkel. Foto: Monika Müller

Als Marion Dörner nach dem Grund gefragt wird, warum die Rentnerin und ihr Mann denn nicht einfach schön die Welt bereisen, sondern sich als ehrenamtliche Malteser-Paten um einen afghanischen Geflüchteten kümmern, sagt die 74-Jährige, ohne eine Sekunde zu zögern: „Das ist unsere persönliche Demo gegen Fremdenfeindlichkeit.“ 

Sie sind zwei der 121 ehrenamtlichen Malteser-Paten, die über 200 Frankfurter Geflüchtete in ihrem Alltag begleiten. Ihnen helfen in Deutschland, in Frankfurt anzukommen. Vor zwei Jahren war der Start des Projekts. Seit 19 Monaten trifft sich das Ehepaar Dörner an einem festen Wochentag mit dem 20-jährigen Hashmat, dessen Eltern und Geschwister in Afghanistan geblieben sind. „Wir reden viel, machen kleine Ausflüge zusammen, gehen ins Kino oder ins Museum“, erzählt Dörner am Montagabend. Kurz bevor es für die Ehrenamtlichen und ihre geflüchteten Tandempartner einen Dankes-Konzertabend, ausgerichtet vom Verein „Yehudi Menuhin Live Music Now Frankfurt“ gibt. 

Hashmat sei so etwas wie ein Enkelsohn für sie geworden. „Ich habe eine richtige Familie gefunden“, sagt auch Hashmat, der seit dreieinhalb Jahren hier lebt. Er steckt mitten in einer Ausbildung zum Konstruktionsmechaniker. „Ich kann Frau und Herrn Dörner meine Probleme erzählen, und sie helfen mir mit dieser schwierigen Sprache“, sagt Hashmat. Tanja Lennert, die Koordinatorin der Malteser-Integrationslotsen, sagt: „Es gibt einen großen Bedarf, wir suchen weiter Paten.“ Simone Pohontsch ist eine der Malteser-Paten. 

Die 40-jährige Projektmanagerin einer Mobilfunkfirma hat ihren Paten in einem Alphabetisierungskurs kennengelernt, da habe sie sich ehrenamtlich engagiert, bevor sie Malteser-Patin wurde. „Ich fand es toll, dass wir Vorbereitungskurse bekommen haben. Dort wurden wir über Asylrecht bis Traumatisierung aufgeklärt.“ 

Sie seien nicht ins kalte Wasser geschmissen worden. „Uns wurde gesagt, dass wir uns nicht überfordern sollten. Dass wir nicht denken, dass Kaffeetrinken nicht reiche und wir die Welt retten müssten.“ Es ist eine kleine Weltrettung. Ihrem 21-jährigen Paten aus Afghanistan helfe sie zwei Stunden in der Woche bei den Deutsch-Hausaufgaben. Sie gingen aber auch aus. Gerade habe sie ihm im Park den Sankt-Martins-Brauch erklärt. Das habe ihn sehr gefreut. „Aber auch mir gibt das viel Freude zurück. Er ist ein Gefährte geworden. Wenn ich es mal aus Zeitgründen nicht schaffe, habe ich sofort ein schlechtes Gewissen. 

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