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Makler Mieter Makler wollen klagen

Mietervertreter loben die neue Regelung: Wer bestellt, bezahlt. Gerade in einem Markt wie in Frankfurt, wo Wohnungen ein knappes Gut sind, sei es widersinnig, zwei Monatsmieten für die Vermittlung zu zahlen.

Viele ärgern sich über die Maklergebühren, die den Umzug verteuern. Foto: imago stock&people

Die Maklerin ist freundlich und still. Bis kurz vor Ende des Besichtigungstermins glaubt der Familienvater, eine Konkurrentin vor sich zu haben. Durch die kleine Vier-Zimmer-Wohnung führt der Eigentümer selbst. Wieso er als Mieter der Maklerin zwei Monatsmieten Courtage zu zahlen hat, erschließt sich dem Lehrer nicht. Die hat zwar bei der Schlüsselübergabe eine Flasche Sekt dabei – viel getan, um die Wohnung zu vermitteln, hat sie aber nach seiner Ansicht nicht.

Der Mann hat Pech gehabt. In ein paar Monaten hätte er die Wohnung vielleicht auch ohne Courtage bekommen. Denn vom kommenden Jahr an gilt das Bestellerprinzip. Dann bezahlt den Makler, wer ihn beauftragt hat – in diesem Fall der Eigentümer. Die Neuregelung ist Teil der Mietpreisbremse, die das Kabinett jüngst beschlossen hat.

Deutliche Verbesserung

„Für viele Menschen ist das eine deutliche Verbesserung“, sagt Sieghard Pawlik, Vorsitzender des Mietervereins Höchster Wohnen und wohnungspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Römer. Die Neuregelung sei längst überfällig gewesen. Schließlich gelte auch sonst überall in der Wirtschaft: „Wer bestellt, bezahlt“.

Gerade in einem Markt wie in Frankfurt, wo Wohnungen ein knappes Gut sind, sei es widersinnig, zwei Monatsmieten für die Vermittlung zu zahlen, sagt Pawlik im Gespräch mit der FR. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) hat die Neuregelung jüngst ebenfalls begrüßt. Von einer großen Verbesserung spricht auch Jürgen Lutz, Geschäftsführer des Vereins Mieter helfen Mietern.

Es gebe aber auch weiterhin Hintertürchen, um die Mieter Courtage zahlen zu lassen, sagt er. So gebe es etwa Eigentümer, die nur mit einem Makler zusammenarbeiteten. Der werde Interessenten wohl Maklerverträge vorlegen. Nur wer diese unterschreibe, komme an eine der offerierten Wohnungen.

Eingriff in die Berufsfreiheit

Stephan Schlocker, Vorstandsmitglied beim Immobilienverband Deutschland, Region Mitte, kritisiert die neue Regelung dagegen scharf. Sie werde den Mietern schaden, weil sich die professionellen Makler aus dem Markt verabschiedeten. Er warnt gar vor einem Rückfall in Zeiten, als Hausmeister Geld mit der Vermittlung von Wohnungen verdient und in denen Vermieter weit überhöhte Abstandszahlungen verlangt hätten.

Der Immobilienverband, in dem etwa 6000 Makler organisiert sind, hat bereits angekündigt, gegen das Gesetz zu klagen, und stützt dies auf ein Gutachten des Mainzer Staatsrechtlers Friedhelm Hufen, der die Regelung für einen schwerwiegenden Eingriff in die Berufsfreiheit hält. Weil im Wohnraumvermittlungsgesetz geregelt sei, dass ein Makler stets die Genehmigung des Eigentümers brauche, führe das Bestellerprinzip dazu, dass immer der Vermieter zahlen müsse, argumentiert Schlocker. Aufträge von Wohnungssuchenden seien dann nicht mehr möglich.

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