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Main bei Frankfurt Der Römerbrücke auf der Spur

Tauchende Forscher entnehmen Proben von Holzpfählen aus dem Main. Sie hoffen Beweise für die Existenz einer Römerbrücke in Frankfurt zu finden.

16.10.2016 19:06
Jan Klauth
Was ist da unten? Forschungstaucher Gerd Knepel im Main. Foto: Monika Müller

Zwischen Griesheim und Schwanheim zeigt sich das Mainufer zugegebenermaßen nicht gerade von seiner schönsten Seite. Im Norden ziehen große Rauchwolken aus den Schloten des Industrieparks über dessen riesiges Gelände, im Süden wird die Landschaft von aschgrauen Betonblocks dominiert. Schwer vorstellbar, dass sich hier einst die Römer niederließen, um eine Brücke zu errichten – doch genau davon ist Gunter Haarstark vom Geschichtsverein Griesheim überzeugt. Seine Vermutung: Von der einstigen Provinzhauptstadt „Nida“ im heutigen Praunheim aus verlief eine Römerstraße, die sich nach Süden dem Main näherte und ihn ins heutige Schwanheim als Brücke überquerte. Von dort führte sie zum Römerkastell bei Groß-Gerau und zum römischen Rheinhafen bei Gernsheim.

Unter der Leitung des Stadthistorikers wurden am Samstagnachmittag mehrere archäologische Tauchgänge in den Main unternommen, genau an der Stelle, wo der 59-Jährige schon seit Längerem die Überreste vermutet. Für die planungsintensive Aktion hat sich Haarstark fachkundige Unterstützung mit ins Boot geholt: Jürgen Reitz, Archäologe aus Hüttenberg, und das Tauchteam der Bayrischen Gesellschaft für Unterwasserarchäologie (BGfU). Erster unter Wasser war bei zwölf Grad Außen- und Wassertemperatur Gerd Knepel, Forschungstaucher und Dozent an der Universität Marburg, der auch schon Expeditionen an der saudi-arabischen Küste leitete.

Holz in Sicht!

Vier bis sechs Meter tief und 120 Meter breit ist der Main bei Schwanheim. Die Stelle unweit der Griesheimer Staustufe hat Haarstark nicht zufällig ausgewählt. Schon als in den 1880er-Jahren der Fluss hier für eine Tieferlegung ausgebaggert wurde, wurden Stücke von Pfählen und vermörteltes Gestein ans Tageslicht geschafft, aus heutiger Sicht ein Fund von unschätzbarem Wert für die Archäologen. Die Pfähle wiesen ein eisenbeschlagenes Fundament auf, eine für die Römer typische Bauweise, wie Haarstark erklärt. „Genau solche Pfähle wurden auch an den Römerbauten rund um Mainz-Kastel gefunden.“ Eine genaue Altersbestimmung fand damals (auch mangels technischer Methoden) allerdings nicht statt; über die Jahre gingen die Fundstücke wohl verloren, das Holz verwitterte, es wurde still um die vermeintliche Römerbrücke.

2012 erhielt Haarstark neue Hinweise vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Aschaffenburg. Die Behörde, die den Main regelmäßig per Echolot abscannt, um mögliche Hindernisse für die Schifffahrt zu erkennen, wies auf eine Wölbung am Grund hin, die auf Spuren einer möglichen Brücke hindeutete – der Römer? Oder von 1945: In den letzten Kriegswochen wurden nach Hitlers „Nero-Befehl“ zahlreiche Brücken vom Volkssturm gesprengt, so auch die Schwanheimer Brücke, die Anfang 1900 an genau dieser Stelle errichtet wurde.

Schon nach dem ersten Tauchgang des Teams heißt es: Holz in Sicht! Im Flussbett sind tief in den Grund gerammte Pfähle zu erkennen. Die Forscher nehmen Proben des Holzes, das per Datierung durch Jahresringe untersucht werden soll. Stellt sich heraus, dass es aus der Römerzeit stammt, gibt es weitere Tauchgänge und Bergungen, hofft Haarstark. Für ihn steht fest: „Wir haben die Brücke gefunden!“

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