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Mäzenin gestorben Dagmar Westberg ist tot

Die Frankfurter Mäzenin Dagmar Westberg ist im Alter von 102 Jahren gestorben. Sie gehörte zu den bedeutendsten Unterstützern des Kunstmuseums Städel.

Dagmar Westberg mit dem damaligen Städel-Direktor Max Hollein und ihrem Altarbild. Foto: Andreas Arnold

Mit der Frankfurter Mäzenin Dagmar Westberg hatte der frühere Städel-Direktor Max Hollein genau die richtige Frau an seiner Seite. Wenn das Frankfurter Museum auf dem internationalen Kunstmarkt einen bedeutenden Alten Meister sichtete, der besonders gut zur Komplettierung der Sammlung hätte beitragen können, stand die Frau, deren Großonkel Oscar Troplowitz unter anderem mit der Erfindung der Nivea-Creme und des Tesafilms ein Vermögen gemacht hatte, bereit.

Dagmar Westberg schenkte außergewöhnlich großzügig, gerne zu ihrem Geburtstag. Als wohl mit Abstand großzügigstes Geschenk der letzten Jahrzehnte konnte Hollein so 2008 einen altniederländischen Flügelaltar erwerben, der jahrzehntelang als verschollen gegolten hatte und die Sammlung nun glanzvoll ergänzt. Von einer gehobenen siebenstelligen Kaufsumme war damals die Rede, Dagmar Westberg schenkte es dem Städel zu ihrem 94. Geburtstag, „damit ich selbst noch etwas davon habe“, wie die Mäzenin damals verriet. Es war bei weitem nicht ihr letztes Geschenk.

Am Samstag ist Dagmar Westberg im Alter von 102 Jahren gestorben. Die gebürtige Hamburgerin, 2009 mit der Georg-August-Zinn-Medaille des Landes Hessen ausgezeichnet, zählte zu den wichtigsten Unterstützern des Städels, förderte mit ihrer Stiftung auch in Not geratene Menschen oder vergab Stipendien an Studenten.

Besonders am Herzen lag ihr aber das Frankfurter Kunstmuseum. Dem schenkte sie beispielsweise zu ihrem 100. Geburtstag das prachtvolle Gemälde „Der Heilige Jacobus der Ältere“ des spanischen Malers Jusepe de Ribera. Bilder von solcher Qualität sind auf dem Kunstmarkt heute sehr selten geworden, normalerweise sprengt ihr Ankauf jeden deutschen Museumsetat. Im Städel schließt der Heilige eine große Lücke.

„Wir verlieren eine enge Freundin des Hauses“

Dort sprach man am Montag von einem großen Verlust. „Wir verlieren eine enge Freundin des Hauses“, sagte Pressesprecher Axel Braun der Frankfurter Rundschau. Dagmar Westberg sei sehr gerne und häufig zu Gast im Städel gewesen, berichtet Braun, habe sich neue Kunstwerke zeigen lassen, sich auch sehr für die Grafische Sammlung des Hauses interessiert, der sie ebenfalls wichtige Werke finanzierte. Das Museum zeigte sich am Montag zutiefst dankbar für das langjährige Engagement und den Enthusiasmus, mit dem die Mäzenin die Entwicklung des Museums unterstützte und begleitete.

Schon Dagmar Westbergs Großonkel Oscar Troplowitz, Besitzer der Firma Beiersdorf und erster deutscher Kunstsammler, der ein Werk von Picasso besaß, war ein berühmter Mäzen gewesen. Ihm verdankt etwa die Hamburger Kunsthalle zahlreiche Schenkungen.

Dagmar Westberg war nach dem Zweiten Weltkrieg nach Frankfurt gekommen, wo sie für das US-amerikanische Generalkonsulat arbeitete. Im Jahr 2000 gründete die Mäzenin eine eigene Stiftung. 2010 wurde zum ersten Mal der Dagmar-Westberg-Preis für herausragende geisteswissenschaftliche Arbeiten an der Goethe-Universität verliehen.

Besonders hervorgehoben wurden immer wieder ihre Liebenswürdigkeit und ihre Großzügigkeit, mit der sie vielen Museumsbesuchern eine dauerhafte Freude bereitet hat – über ihren Tod hinaus.

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