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Luxusimmobilien in Frankfurt Aktivisten kapern Haus im Westend

Rund 15 Aktivisten nutzen einen Tag der offenen Tür eines Immobilienunternehmens, um auf teure Wohnungen im Westend aufmerksam zu machen. Die Polizei rückt mit einem Großaufgebot an. Zu Handgreiflichkeiten kommt es aber nicht.

Ein besonderer Tag der Offenen Tür: Die "Westend Suites" der Franconofurt-Tochter Opera One im Westend. Foto: OperaOne

Samstag, 13.30 Uhr: Zwei Polizeiautos sperren die Bockenheimer Landstraße zwischen dem Odina-Bott-Platz und der Mendelssohnstraße für den Verkehr, rund 15 weitere Einsatzwagen parken rund um die exklusive Wohnanlage "Westend Suites" der Franconofurt-Tochter Opera One. Dort hat eine Gruppe von Aktivisten der „Initiative Gemeinsames Leben“ einen Tag der Offenen Tür –genutzt, um mit Hüten, Perücken und Clownsnasen verkleidet, das Haus zu kapern.

Anwältin verhandelt mit Polizei

Die "Westend Suites" und vor allem das verantwortliche Immobilienunternehmen Franconofurt stehen in den Augen der Aktivisten zwischen 20 und 61 Jahren für vieles, wogegen sie zum Teil seit Jahrzehnten kämpfen: Mietervertreibungen, Umwandlung in Eigentumswohnungen, astronomische Quadratmeterpreise, kurz: zur Entwicklung, „Wohnraum als Ware zur Profitmaximierung“ zu nutzen, wie es auf einem Flugblatt der Gruppe heißt. Darauf wollen sie mit ihrer Aktion aufmerksam machen.

Vor der Tür steht Wiebke Otto-Hanschmann, die Anwältin der Gruppe und diskutiert mit einem der Polizisten. Beide wirken ruhig und sachlich, der Beamte sagt, die Leute kämen ihm „vernünftig“ vor. Sie sollten doch bitte freiwillig gehen, schließlich hätten sie die Aufmerksamkeit erreicht, die sie wollten – im Gegenzug würde die Polizei das Filmen und Fotografieren einstellen.

Schnell wird klar, dass es an diesem Samstag keine Hausbesetzung geben wird, keine Handgreiflichkeiten, kein Tränengas oder Bilder von Polizeibeamten, die Aktivisten über den Boden schleifen. Nachdem die Gruppe eineinhalb Stunden im Haus war und dort mit Polizisten und Franconofurt-Chef Christian Wolf verhandelt hat, kommt die erste Aktivistin raus – alleine und unbehelligt von den Beamten in Kampfmontur, die um den Eingang herumstehen.

Konfetti und Sekt

Sie hält ein Schild in die Höhe: „Diese Wohnungen sind zu teuer – Luxus für alle“, steht darauf. Draußen erzählt sie, wie sie mit ihren rund 15 Mitstreitern das Gebäude betreten habe – „schließlich war ja Tag der Offenen Tür“. Sie hätten Sekt getrunken, der Empfangsdame Blumen in die Hand gedrückt und Konfetti geworfen. Als sie sich eine der Wohnungen angesehen und wieder hätten gehen wollen, sei die Tür verschlossen gewesen: „Wir kamen nicht mehr raus.“

Volker Schmitt, als Polizeiführer vom Dienst für den Einsatz verantwortlich, erklärt, die erste Meldung von der Störung in den „Westend Suites“ habe vermuten lassen, dass es sich um eine Besetzung handele. Außerdem habe es kleinere Sachbeschädigungen und „Körperkontakt“ mit Angestellten gegeben. „Man konnte nichts ausschließen.“ Deswegen sei auch ein so großes Aufgebot losgeschickt worden.

Vorerst seien die Personalien aller Aktivisten aufgenommen worden, nun müsse geprüft werden, „inwieweit das strafrechtlich relevant ist“, etwa ob die Gruppe Hausfriedensbruch begangen habe. Dies sei auch an einem Tag der Offenen Tür möglich, denn wenn der Hausrechtinhaber bestimmte Personen nicht in seinem Eigentum dulden wolle, sei das sein Recht. Ob Wolf Strafanzeige gestellt habe, kann Schmitt am späten Samstagnachmittag noch nicht sagen.

Es bleibt friedlich

Auch die Anwältin der Aktivisten erklärt, den Vorfall juristisch noch überprüfen zu müssen, hofft aber darauf, dass Wolf von Anzeigen absieht. In jedem Fall bescheinigt sie aber sowohl ihren Mandanten als auch der Polizei ein angemessenes Verhalten: „Es ist zu keinen Auseinandersetzungen gekommen – weder verbal noch körperlich.“

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