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Luminale in Frankfurt Goldmedaille fürs Lichtsparen

Große Ehre für das Luminale-Projekt auf der Rosa-Luxemburg-Straße in Frankfurt: Es erhält den 1. Preis im Wettbewerb des Deutschen Designer-Clubs. Doch eine Fortsetzung der Aktion ist nicht in Sicht.

Luminale in Frankfurt
Die Rosa-Luxemburg-Straße unbeleuchtet. Foto: Jan Jacob Hofmann

Es war eine Aktion, die die Luminale 2018 gewissermaßen auf den Kopf stellte: Statt beeindruckender Leuchteffekte setzten Wolfgang Rang und Jan Jacob Hofmann explizit auf weniger Licht. Für ihr Luminale-Projekt „Licht aus – Klang an“ sind sie nun mit dem 1. Preis (Gold-Award) in der Kategorie „Spaces“ des diesjährigen Wettbewerbs des Deutschen Designer-Clubs ausgezeichnet worden. Ob das Projekt und die Ehrung auch bleibende Auswirkungen auf die nächtliche Stadt haben werden: fraglich.

Autofahrern, aber auch unmotorisierten Verkehrsteilnehmern und Passanten etwa am Niddaufer eröffnete sich in diesem März ein ganz neues Sicht- und Klangerlebnis: Richtung Nordwesten fuhr man plötzlich im Halbdunkel – und wer sein Radio auf einer bestimmten Frequenz laufen ließ, hörte eine Collage aus Kirchenglocken, Vogelstimmen, dem „Du-dumm“ einer Straßenschwelle, über die Autoreifen rollen, und einem Ginnheimer Grundrauschen, das die Rosa-Luxemburg-Straße tagein, tagaus emittiert.

Den Sound hatte Jan Jacob Hofmann komponiert: aus vielen Stunden Originalumgebungsaufnahmen. Die Energie für das zwölf Stunden lange Klangstück, das knapp eine Woche lang nachts während des Lichtfestivals Luminale lief, kam symbolisch aus den Einsparungen, die die reduzierte Straßenbeleuchtung brachte. Nur an den Zu- und Abfahrten strahlten die Lampen hell wie gewohnt, der Sicherheit wegen.

„Der ganz normale Wahnsinn“ war es, der den Fachhochschulprofessor Rang und den Architekten Hofmann antrieb zum Lichtsparen ausgerechnet während des weithin berühmten Lichtspektakels. Dass eine Straße Nacht für Nacht ausgeleuchtet wird, die kein Fuß- oder Radweg säumt, auf der also nur Fahrzeuge unterwegs sind, die ohnehin starke eigene Beleuchtung haben: Das erschien ihnen unlogisch.

Gut für Vogel- und Insektenwelt

Das Projekt wiederum, seine Umsetzung, seine ansprechende Präsentation erschien dem Deutschen Designer-Club so gelungen, dass er es vor wenigen Tagen mit einem goldenen Preis ehrte. Der Vogel- und Insektenwelt dürfte es ebenso gut gefallen haben; nachtaktive Tiere haben es in Großstädten traditionell schwer, weshalb Umweltverbände seit Jahren weniger Straßenbeleuchtung – sprich: Lichtverschmutzung – fordern.

Was sagt das Verkehrsdezernat dazu? „Es gibt keine einfachen Lösungen“, antwortet Stefan Lüdecke, Referent des Dezernenten Klaus Oesterling (SPD). „Wo immer der Wunsch nach Veränderung der Verkehrswegebeleuchtung besteht, müssen wir uns genau anschauen, welche Straßen das sind und gemeinsam mit den Fachämtern prüfen.“ Die Frage sei dann stets: Ist es verkehrssicher? Auch für Fußgänger und Radfahrer? Was ja an der Rosa-Luxemburg-Straße entfiele. Und anderswo staunt man oft darüber, dass Fahrbahnen üppig beleuchtet sind, während die Trottoirs im Dunkeln liegen.

Aus den Ortsbeiräten, sagt Lüdecke, erreichten die Ämter oft sogar Bitten um mehr Beleuchtung, in Grünbereichen gar. Wenn ein Naturschutzgebiet betroffen sei, lehne die Untere Naturschutzbehörde dies in der Regel ab.

Ergo: Würde man die Rosa-Luxemburg-Straße zum Naturschutzgebiet erklären …, aber das wäre dann wieder ein anderes Projekt. Das passt dann sowohl zur Luminale als auch zur Woche der biologischen Vielfalt.

Das Projekt ist in einer Dokumentation unter anderem auf Youtube zu sehen: „Licht aus Klang an – Luminale 2018“.

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