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Luminale in Frankfurt Einmal selbst Lichtgestalt werden

Die neunte Luminale beginnt am Sonntag. Sie wird schön, kostet aber auch viel Energie.

„Stadtmöbel“ der Technischen Universität München
Das „Stadtmöbel“ der Technischen Universität München wird an der Hauptwache zu sehen sein. Foto: TU München

Im Märzen wird’s in Frankfurt heller, der Menschen Herzen pumpen schneller. Und alle zwei Jahr, mit Karacho, wird auch die Nacht zum Tag gemacho. Oder einfacher ausgedrückt: Nächste Woche ist wieder Luminale, zum neunten Mal schon. Von Sonntag an wird alles hell erleuchtet.

Na, nicht alles. Aber 149 Projekte zählen diesmal zum Lichtspektakel, die wichtigsten Orte sollen erstrahlen, aber auch unerwartete Stellen. Auf der Fassade der Alten Oper zeigt die Mailänder Künstlergruppe Karmachina ihre Arbeit „Changing Times“ jeden Abend. Fünf Kapitel erzählen die Geschichte des Hauses in historischen Bildern, Animationen, Videostreams mit Soundtrack. „Die Installation zeigt, wie es gelang, die Alte Oper wieder aufzubauen“, sagt Iris Jeglitza-Moshage von der Luminale-Gründerin, der Frankfurter Messe-GmbH. Der Zeitraum passt: In der Nacht zum 23. Februar jährt sich die Zerstörung des Opernhauses 1944.

„Eine wahnsinnige Breite“ attestiert Festivalleiterin Isa Rekkab der Luminale, „fast schon eine Bewegung ist das alle zwei Jahre“. Rekkab war schon bei der Premiere 2002 dabei, mit einer künstlichen Wasserwolke. Damals kam der Impuls für ein wiederkehrendes Lichtspektakel von der Messe „Light + Building“, die vorschlug: Man sollte mal zeigen, dass Licht mehr ist als Helligkeit. Ein naheliegendes Interesse für die Hersteller von Beleuchtungsgerätschaft. Aber auch Frankfurts Partnerstadt Lyon gab Impulse; die Franzosen feiern das Licht schon seit mehr als 150 Jahren ausgiebig. 

„Die Luminale ist Teil unseres Bündnisses mit Lyon“, sagt Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), der Schirmherr, und gesteht: „Ich bin begeistert vom Konzept. Uns erwartet etwas sehr Großes – und alle können dabei sein, selbst Lichtgestalt werden.“ Besonders an Feldmanns Arbeitsplatz, dem Römer. Er wird für die sechs Festivaltage der Arbeitsplatz von Lichtkünstler Philipp Geist.

Wie das aussehen wird, zeigen Animationen schon vorab: ein strahlendes und leuchtendes Rathaus, und davor ein Meer aus Wörtern. Seit Wochen schon senden die Leute ihre Begriffe an den Berliner „Videogeist“, wie er sich nennt: Worte und Satzfragmente zu den Themen Frankfurt, Römer, Zeit, Altstadt, Moderne und Menschen. Was kam bisher rein? Viel, darunter „Ehrfurcht“, „Brüderlichkeit“, „Freundlichkeit“, aber auch „Wildsau“, „Hoffnung“, „Liebe“ und „Handkäs“. Man lerne viel bei solch einem Projekt, sagt Geist: „Man lernt auch Frankfurterisch.“

Sich selbst sieht er eher als Maler, und die Projektion sieht er als eine spannende Form der Umsetzung. Anderswo fand man das so spannend, dass Geists Werke etwa den Kölner Domplatz erhellten, die Christusstatue in Rio, und sogar in Teheran rief eine seiner Lichtinstallationen zu Frieden und Freiheit auf.

Was geschieht konkret? Die Begriffe, die man bis zum Festivalende, also bis zum 23. März, an frankfurtfades@videogeist.de senden kann – sie werden als buntes Gewimmel aufs Römerbergpflaster projiziert. Auch in einen Nebel, den der Künstler entstehen lassen will. Und nicht zuletzt werden die Wörter auch auf den Menschen zu lesen sein, die sich vorm Rathaus bewegen, womit die Menschen zu jenen Feldmannschen Lichtgestalten werden. Oder wie Geist sagt: „Man hat die Chance, in seinem eigenen Wort zu stehen.“ Philosophisch fürwahr, wenn auch den Ehrbaren aus anderen Zusammenhängen bekannt.

In fünf Kategorien, etwa „Art“ und „Community“, sind die Kunst- und Mitmachwerke eingruppiert, ob am Historischen Museum, am Eisernen Steg oder an der EZB. Es gibt „die größte Popcornmaschine der Welt“, einen „Light Walk“ mit vielen Stationen, und das neue Konzept der „Licht-Biennale“ führt sogar in die Hochhausschluchten des Ben-Gurion-Rings, um dort neun dunkle Orte zu erhellen. 

Das Ganze endet abrupt am Tag vor der „Earth Hour“, 24. März, die weltweit zum Energiesparen aufruft. Frankfurt will ja Vorreiter sein und das Klima schützen. Wie passt das mit solch einem Lichtspektakel zusammen? „Wir haben auch viele Umweltaspekte im Programm“, sagt Messesprecherin Jeglitza-Moshage. „Es geht nicht um viel Licht, sondern um das richtige Licht – auch mal darum, das Licht auszumachen.“

„Für uns ist das ein Spagat“, sagt Florian Unger vom Frankfurter Energiereferat. „Wir schreiben jede Menge Unternehmen an, sie sollen zur Earth Hour das Licht ausmachen, aber wir haben auch schon bei der Luminale mitgemacht“ – einer Veranstaltung, die nächtelang Lichter einschaltet. Das waren natürlich Nachhaltigkeitsprojekte, mit denen sich das Energiereferat beteiligte. Ein Problem: Je effizienter die Beleuchtung wird, je mehr Strom sie spart, desto mehr Lampen stellen die Leute auf. Ob die Luminale also Fluch oder Segen für Frankfurt ist? Der Energiesparmann möchte sich da nicht gern festlegen. Immerhin: Es ist ja nur alle zwei Jahre. 

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