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LSBTIQ*-Geflüchtete Unterkunft für queere Flüchtlinge

Die Stadt Frankfurt richtet im neuen Jahr eine geschützte Bleibe für rund 20 queere Menschen ein. Die Geflüchteten sollen so vor Diskriminierung geschützt werden.

Flüchtlingsunterkunft am Sportcampus Bockenheim
In Gemeinschaftsunterkünften befürchten und erleben queere Geflüchtete verbale und körperliche Übergriffe. Foto: Michael Schick

Die Stadt Frankfurt richtet eine spezielle Unterkunft für LSBTIQ-Geflüchtete ein, also für schwule, lesbische, bisexuelle, transgender, intersexuelle oder queere Menschen. Das geht aus der Antwort von Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) auf eine Frage des Grünen-Stadtverordneten Dimitrios Bakakis hervor, die dieser im November im Stadtparlament gestellt hatte und die der FR nun vorliegt. 

Demnach plant der Frankfurter Verein für soziale Heimstätten, im Laufe des ersten Quartals 2018 eine entsprechende Einrichtung für bis zu 20 Personen zu öffnen. Betroffene sollen ihre Verlegung beantragen können, wenn sie sich in ihrer bisherigen Bleibe aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität bedroht fühlen. Wie Birkenfelds Sprecherin Manuela Skotnik der FR bestätigte, sei eine Liegenschaft bereits gefunden und voraussichtlich Anfang Februar bezugsfertig. Details zu Art und Lage des Gebäudes würden aber ähnlich wie bei Frauenhäusern nicht öffentlich gemacht – zum Schutz der Betroffenen. 

„LSBTIQ*-Geflüchtete sind in den bestehenden Unterkünften nicht selten Diskriminierungen und homophober sowie transfeindlicher Gewalt ausgesetzt“, äußerte Bakakis, der queerpolitischer Sprecher seiner Fraktion ist. Es bedürfe geeigneter Mittel, um die Rechte der Betroffenen in Unterkünften zu wahren. „Wir begrüßen es, dass der Magistrat diese besondere Schutzbedürftigkeit anerkennt und entsprechende Maßnahmen veranlasst.“

Wie viele queere Geflüchtete in Frankfurt leben, lässt sich nur schätzen. Der Verein Rainbow Refugees Frankfurt, der die städtische Stabsstelle Flüchtlingsmanagement zum Thema berät, erhält Anfragen von Menschen aus ganz Hessen und umliegenden Bundesländern, sagt Vereinsvorstand Knud Wechterstein. In Frankfurt selbst hätten sie regelmäßig mit rund 25 Menschen zu tun, für die der Umzug in die neue Unterkunft eine Hilfe sein könnte. 

Das Gründungsmitglied des kürzlich mit dem neuen Preis für Flüchtlingshilfe ausgezeichneten Vereins begrüßte die Pläne ausdrücklich. „Ich bin unheimlich froh, dass es dieses Haus geben wird, in denen die Menschen ihre Sexualität endlich frei zeigen können.“ Viele homosexuelle Geflüchtete hielten ihre Sexualität geheim, wenn sie in eine Gemeinschaftsunterkunft kämen, „weil ihr Umfeld dort überwiegend sehr ablehnend reagiert, sobald es öffentlich wird“. Trans-Menschen könnten ihre Geschlechtsidentität meist gar nicht geheim halten. Auch unter ihnen sei die Angst vor Übergriffen groß. Allerdings habe die Stadt Frankfurt auf entsprechende Bedrohungslagen auch in der Vergangenheit bereits gut reagiert und Betroffene etwa in vornehmlich von Familien bewohnte Unterkünfte verlegt. 

Wechterstein hat kürzlich auch eine vierstündige Schulung für Sozialberaterinnen und -berater in Frankfurter Flüchtlingsunterkünften durchgeführt, um diese für die Lage von LSBTIQ-Geflüchteten zu sensibilisieren. Zudem erprobt die Stadt, so Manuela Skotnik, derzeit mit dem Verein für soziale Heimstätten und dem Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes ein neues übergreifendes Gewaltschutzkonzept für alle Flüchtlingsunterkünfte, das neben vielen weiteren Aspekten auch den Schutz queerer Menschen enthalten soll.

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