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„Lovewalk“ in Frankfurt Frankfurt zeigt die Regenbogenflagge

Am Tag gegen Homo- und Transphobie treten in der Frankfurter Innenstadt viele für Vielfalt ein. Dabei gedenken sie auch den Menschen, die in der NS-Zeit wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgt wurden.

Homosexuelle Community in Frankfurt
Ein von der „Regenbogencrew“ angeführter „Lovewalk“ führte von der Hauptwache . Foto: Michael Schick

Die Regenbogenfahne ist am Römer gehisst. Sie liegt über Schultern und ist auf T-Shirts gedruckt, ihre Farben zieren Sonnenbrillen, Socken und natürlich die Haut der „Regenbogencrew“. Mit ihren auffällig bemalten Oberkörpern tragen die beiden jungen Männer aus dem Team der Aidshilfe Frankfurt am Donnerstagnachmittag einen Kranz über die Zeil - auch die darin gebundenen Blumen blühen in den Farben der queeren Community. 

Dem „Lovewalk“, der von der Hauptwache bis zum Klaus-Mann-Platz führt, haben sich rund 60 Menschen angeschlossen. Weitere, alte und junge, warten am Mahnmal Frankfurter Engel, an dem die Regenbogen-Crew ihren Kranz niederlegt. „Niemals vergessen“ steht auf den Schleifen im Namen des Bündnisses Akzeptanz und Vielfalt Frankfurt, das in der Innenstadt bis in den Abend hinein ein breites Programm zum Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit ausgerichtet hat.

Während auf der Bühne an der Hauptwache Dragqueens, Slam-Poeten und Comedians auftreten, wollen die Versammelten am Klaus-Mann-Platz jener Menschen gedenken, die der NS-Staat wegen ihrer sexuellen Orientierung und Identität verfolgte und ermordete – der Frankfurter Engel erinnert seit 1994 daran. Das Unrecht, sagte der Hessische Bevollmächtigte für Integration und Antidiskriminierung, Staatssekretär Kai Klose (Grüne), habe über die NS-Zeit hinaus fortgedauert – erst 1994 war der Strafrechtsparagraf 175, der sexuelle Handlungen zwischen Männern kriminalisierte, ersatzlos gestrichen worden. Die rechtliche Diskriminierung habe bürgerliche Existenzen ganzer Generationen zerstört und auch feindliche Haltungen gegenüber lesbischen Frauen befördert. 

„Die meisten Opfer wurden zeitlebens nicht entschädigt“, sagte Klose und gedachte auch namentlich Wolfgang Lauingers, der für die Rehabilitierung der verurteilten Homosexuellen gekämpft hatte, für selbst erlittene Haft bis zu seinem Tod im vergangenen Dezember aber nie entschädigt wurde. 

Mit der Öffnung der Ehe für alle im vergangenen Sommer, sagte Integrationsdezernentin Sylvia Weber (SPD), sei das Recht ein weiteres „Stückchen an die gesellschaftliche Normalität herangerückt“. Noch immer aber gebe es viel zu tun, sagte sie mit Verweis auf die Situation transgeschlechtlicher Menschen, die sich psychologischer Untersuchungen unterziehen müssen, ehe sie – auf eigene Kosten – eine Geschlechtsangleichung vornehmen lassen dürfen. Neben Rechtsreformen bedürfe es aber auch des Respekts und der Solidarität der Gesellschaft, die selbstbestimmte Geschlechtsidentitäten anerkennen und Haltung gegen Hass beweisen müsse, so Weber. 

So, wie es die Menschen, die am Donnerstag (Regenbogen-)Flagge zeigten, tun.

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