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Loretta Napoleoni Mit dem „Islamischen Staat“ verhandeln?

Soll man die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) im Irak und in Syrien weiter militärisch bekämpfen – oder das sogenannte Kalifat des Anführers der Dschihadisten, Abu Bakr al-Baghdadi, als eigenen Staat anerkennen? Diese Frage soll auf einer Veranstaltung im Haus am Dom diskutiert werden.

Russian airsrike in Syria
Eine Aufnahme des russischen Verteidigungsministeriums zeigt einen Luftangriff auf Stellungen des IS. Foto: dpa

Gemeinsam mit der katholischen Organisation Pax Christi und der Frankfurter Ortsgruppe der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) hat das Haus am Dom die italienische Journalistin Loretta Napoleoni eingeladen, die in ihrem Anfang des Jahres erschienenen Buch „Die Rückkehr des Kalifats“ die Geschichte und die Struktur der Terrororganisation beschreibt – und dafür plädiert, mit dem IS zu verhandeln.

Die derzeitigen Luftangriffe der US-geführten Militärkoalition könnten, so Napoleoni, die Gruppe nicht stoppen – sie sei die erste dschihadistische Organisation, die tatsächlich dabei sei, einen Staat aufzubauen. Der Journalist und Nahost-Experte Andreas Zumach soll mit Napoleoni diskutieren, moderiert wird die Debatte vom Leiter des Hauses am Dom, Thomas Wagner.

Auf Nachfrage sagte Wagner der Frankfurter Rundschau, die Veranstaltung sei auf Anregung der DFG-VK zustande gekommen, er selbst habe lange gezögert, Napoleoni einzuladen. Ihre Analyse halte er für „zu undifferenziert“, sie vertrete zudem „eine sehr gewagte These, die ich persönlich nicht teile“, sagte Wagner. Dennoch hoffe er, dass eine gute Debatte über die aktuelle Entwicklung im Nahen Osten zustande kommen werde.

Der Frankfurter Bundestagsabgeordnete Omid Nouripour, außenpolitischer Sprecher der Fraktion der Grünen, erteilte gegenüber der FR der Idee von Verhandlungen mit dem IS eine klare Absage. „Wer auf die Idee kommt, dass die Barbaren von ISIS ernsthaft ein Staat wären, hat den Gong nicht gehört“, sagte Nouripour. Mit jeder diplomatischen Anerkennung würden die „furchtbaren Menschenrechtsverletzungen“, für die der IS verantwortlich sei, noch belohnt: „ISIS schickt man keine Diplomaten, ISIS muss man bekämpfen.“

Leider gebe es in der Friedensbewegung Leute, „die sich nicht um Lösungen kümmern, sondern um Schuldzuweisungen“, sagte Nouripour. Die These, der von den USA 2003 begonnene Irakkrieg sei der Grund für den Aufstieg des IS, helfe nicht weiter. Er habe „einen Riesenrespekt vor Pazifisten“, so Nouripour – aber mit dem IS zu reden, „das ist kein Pazifismus, das ist schlicht irre.“

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