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Lohnatlas Hessen Frauen verdienen 14 Prozent weniger als Männer

Besonders groß ist die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen auf dem Land. Der hessische Lohnatlas zeigt auch, dass die Ungleichheit unter Akademikern am höchsten ist.

Zwei Männer und eine Frau bei einer Hauptversammlung eines Unternehmens
Frauen erhalten für die gleiche Arbeit sehr häufig nicht denselben Lohn wie ihre männlichen Kollegen. Foto: dpa

Vollzeit arbeitende Frauen in Hessen verdienen im Schnitt 14,1 Prozent weniger als Männer. Dies geht aus dem Hessischen Lohnatlas hervor, den Sozial- und Arbeitsminister Stefan Grüttner (CDU) am Mittwoch in Frankfurt vorstellte. Demnach ist die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern regional sehr unterschiedlich ausgeprägt und tendenziell auf dem Land deutlich größer als in den kreisfreien Städten. Sie reicht von 2,3 Prozent in der Stadt Offenbach, bis zu 23,4 Prozent im Kreis Hersfeld-Rotenburg. Immerhin hat sie sich aber seit 2012 um 1,7 Prozent verringert.

In den Lohnatlas sind die Bruttomonatsentgelte aller sozialversicherungspflichtig in Vollzeit Beschäftigten im Jahr 2015 eingeflossen, basierend auf Daten des Statistischen Landesamtes und der Bundesagentur für Arbeit. Anders als beim sogenannten Gender Pay Gap seien keine Teilzeitverdienste einbezogen worden, sagte Sozial- und Arbeitsminister Stefan Grüttner (CDU), der für die Studie das Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) an der Frankfurter Goethe-Universität beauftragt hatte. Auch Honorare oder Gagen seien nicht berücksichtigt worden, ergänzte IWAK-Geschäftsführerin Christa Larsen.

Einzeln betrachtet wurden indes neben dem Geschlecht auch die Berufssektoren, die Staatsangehörigkeit und das Qualifikationsniveau der Beschäftigten. So zeigt die Studie sehr deutlich, dass die Lohnlücke mit wachsender Qualifikation rasant wächst: Während Frauen ohne Berufsabschluss im Landesschnitt neun Prozent weniger verdienen als Männer, beträgt der Unterschied bei Beschäftigten mit anerkanntem Berufsabschluss bereits 13,7 Prozent und mit akademischem Abschluss sogar 27,7 Prozent.

„Frauen steigen nicht so gut auf wie Männer“, erläuterte Forscherin Christa Larsen mit Verweis auf die oft zitierte „gläserne Decke“, an die Frauen auf der Karriereleiter stießen. Minister Grüttner verwies zudem darauf, dass akademisch Gebildete „häufig außerhalb der Tarifbindung“ arbeiteten und Gehälter frei verhandelten – möglicherweise wirke sich hier anerzogenes Verhalten zuungunsten der Frauen aus. Bei Tätigkeiten ohne Berufsabschluss wiederum seien die Gehälter ohnehin so niedrig, dass es weniger starke Lohnunterschiede gebe.

Regionale Unterschiede

In welchen Branchen die Lohnungleichheit am größten ist, lässt sich aus dem Atlas nicht ohne weiteres ablesen, da die regionalen Ergebnisse sehr stark variierten, so Larsen. So sind zwar im Landesschnitt die Lohnlücken bei den kaufmännischen und wirtschaftlichen Dienstleistungsberufen höher als in personenbezogenen Dienstleistungsberufen oder den mathematisch-technisch-naturwissenschaftlichen(Mint)- und Produktionsberufen. Zugleich können Frauen dem Lohnatlas zufolge aber gerade in den kaufmännischen und wirtschaftlichen Dienstleistungsberufen die höchsten Entgelte erzielen und erreichen dort in den meisten Städten des Rhein-Main-Gebietes annähernd Entgeltgleichheit.

Dass insgesamt die Lohnlücke auf dem Land höher sei als in den Städten, liege vermutlich an der unterschiedlichen Wirtschaftsstruktur, sagte Larsen. So gebe es in den Städten mehr größere Unternehmen, in denen auch durch höhere Fluktuation der Ein- und Aufstieg für Frauen einfacher sei. Auf dem Land könnten aber in Zukunft viele Stellen frei werden. „Hier könnte der demografische Wandel eine Chance für Frauen sein.“

Minister Grüttner sagte, der Lohnatlas liefere als „bundesweit einmalige“ Erhebung eine transparente Datengrundlage zur Förderung der Entgeltgleichheit im Land. „Die Bewertung von Arbeit muss sich an der Leistung und nicht am Geschlecht orientieren.“ Die Landesregierung sei dabei jedoch an bundesgesetzliche Vorgaben gebunden und der Tarifautonomie verpflichtet.

Der DGB Hessen-Thüringen kritisierte in einer Mitteilung, die Landesregierung dürfe sich nicht nur auf „Symbolpolitik“ beschränken. Es brauche konkrete und verbindliche Schritte zur Beseitigung der Lohnungleichheit. „Dazu gehört beispielsweise der vehemente Einsatz der Landesregierung für ein Rückkehrrecht aus Teilzeit in Vollzeit, und auch beim Lohngleichheitsgesetz besteht Nachbesserungsbedarf“, so der Leiter der Abteilung Haushalts-, Wirtschafts- und Lohnpolitik des DGB Hessen-Thüringen, Kai Eicker-Wolf. Dass der Lohnatlas sich auf Vollzeitbeschäftigte konzentriere, schmälere zudem seine Aussagekraft.

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