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Literatur Voll historisch

Mit „Buffalo Bill im Palmengarten“ liefert Christoph Jenisch eine so satirische wie wahre Frankfurt-Betrachtung ab. Also ziemlich genau das, was diese Stadt braucht.

22.10.2010 17:45
Melanie Luke
Autor Christoph Jenisch. Foto: FR/Hartung

"Mir wolle Batzebier!“ skandiert eine aufgebrachte Menge, während sie lärmend durch Frankfurt zieht. Man schreibt das Jahr 1873, Frankfurt gehört zu Preußen, und genauso preußisch wird auch gegen die Aufständischen vorgegangen. Aber was war passiert? Drei Wochen zuvor waren die Bierpreise von einem Batzen auf viereinhalb Kreutzer erhöht worden. Der Aufstand hatte übrigens seine Wirkung, Binding und Henninger machten die Bierpreise rückgängig.

Auch zu kleine Brötchen können Frankfurter zuweilen auf die Barrikaden bringen, so geschehen beim Brötchenkrieg 1848, als ein Sachsenhäuser Bäcker aus der Stadt vertrieben wurde. Wenn es um Essen und Trinken geht, versteht der traditionsbewusste Frankfurter keinen Spaß. Das hat zumindest der Autor Christoph Jenisch festgestellt als er sich auf die Suche nach historischen Geschichten aus der Stadt am Main gemacht hat. „Ich finde es wichtig, etwas über früher zu wissen“, sagt der 1967 in Frankfurt geborene Jenisch. Geschichte, vor allem die Zusammenhänge zwischen Gegenwart und Vergangenheit, hat den promovierten Physiker schon immer fasziniert. Deshalb hat er auch „nur zum Spaß“ noch Geschichte studiert.

Bei seiner Recherche ist er auf skurrile und lustige Ereignisse in der Stadtgeschichte gestoßen. Diese Geschichten hat er gesammelt und in einem kleinen Band veröffentlicht. Sein neues Buch „Buffalo Bill im Palmengarten und andere Frankfurter Unglaublichkeiten“ erzählt bunte und unterhaltsame Begebenheiten rund um die nackten Fakten und Daten. Um Anekdoten ging es ihm nicht, auch nicht um „erzähltes Volkstheater“, sondern um Ereignisse, die wirklich passiert sind.

„Ich wollte eine historisch-satirische Frankfurtbetrachtung schreiben“, erklärt Jenisch sein Anliegen. Aber sein Buch ist viel mehr. Es ist eine Liebeserklärung an seine Heimatstadt. Bis auf wenige Aufenthalte im Ausland wegen seines Jobs als IT-Projektleiter, lebt Jenisch hier. Und das aus tiefster Überzeugung. „Frankfurt ist eine offene Stadt“, so Jenisch. Das sei sie schon immer gewesen, als unabhängige und reiche Handelsstadt hieß sie früh schon Zugezogene wie zum Beispiel die italienischen Familien Brentano und Bolongaro willkommen. Das mag er genauso wie die etwas ruppige Herzlichkeit seiner Einwohner. Und natürlich gehören Apfelwein, Handkäs„ und Grüne Soße dazu. Und ein manchmal etwas schroffer Humor.

"Wie im Gallus, nur am Meer"

Dass Jenisch ein humorvoller Zeitgenosse ist, merkt man sofort, wenn man sich mit ihm unterhält. Hemdsärmelig sitzt er in seiner gemütlichen Wohnung, ein Wandregal voller Bücher, an den Wänden selbstaufgenommene Urlaubsfotos. So wie das über dem Sofa, eine etwas trist wirkende Stadt am Meer. Wo das gewesen sei? Galizien, sagt er und dann: „Sieht aus wie im Gallus, nur am Meer“. Dann streicht er sich leicht amüsiert über das Kinn.

Sein Buch ist nicht das erste, wohl aber das erste, das er allein geschrieben hat. Zwei unterhaltsame Geschichten hat er bereits mit seinem Schul- und Jugendfreund Martin Beer, mit dem er mittlerweile sogar in einem Haus wohnt, gemeinsam geschrieben. Und zehn Jahre lang, bis 2001, hat er mit ihm Kabarett gemacht. Als „Die Nasen von Nauru“ waren sie in Deutschland unterwegs, parodierten bekannte Personen oder klampften auf ihren Gitarren gemeinsam den „Nonnen-Tonnen-Blues“. Frankfurt irgendwann den Rücken zu kehren, kann sich Jenisch nicht vorstellen: „Ich habe hier alles, was ich brauche“.

Am 26. Oktober, 19 Uhr, im Palmengarten, stellt Christoph Jenisch sein Buch der Öffentlichkeit mit einer Lesung vor. Am 30. Oktober, 20 Uhr, liest der Autor im Jazz-Café in Sachsenhausen, Walter-Kolb-Straße 1-7.

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