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Links vom Messestrom Kritische Gedanken auf der „Gegenbuchmasse“

Wo sich eine Gruppe Menschen einig ist, da ist die Kritik, der Dissens nie weit. Und so man sich nicht gleich bekriegt wegen einer Meinungsverschiedenheit,

01.10.2010 18:02
Jochen Pioch

Wo sich eine Gruppe Menschen einig ist, da ist die Kritik, der Dissens nie weit. Und so man sich nicht gleich bekriegt wegen einer Meinungsverschiedenheit, adelt die Kritik das Einverständnis. Und umgekehrt. Die Buchmesse hat das schon seit 14 Jahren, „Gegenbuchmasse“ nennt sich die Veranstaltungsreihe, das ist kein Druckfehler. Gegen die Massen an gedrucktem Papier, die nächste Woche in Frankfurt ausgestellt werden, möchte sie echte, tiefgründige, linke Gedanken stellen.

Seit 1996 veranstalten Verleger und Autoren dieses Forum für kritisches Denken. Sie kooperieren mit dem Apo-, Frauenrechts- und Antifa-Konsortium „Pack“ und bieten kleinen linken Verlagen die Möglichkeit, sich und ihre Bücher vorzustellen. Das Programm geht aber weit darüber hinaus.

So nimmt die Gegenbuchmasse die Messe zum Anlass, sozial- und kulturpolitische Themen zu diskutieren: Wenn die Welt der Denker sich in Frankfurt trifft, soll nicht nur über Geschäfte geredet werden. Stattdessen bieten die Veranstalter ein stramm linkes Gegenprogramm, das sich hinter dem Mainstream-Stundenplan keineswegs verstecken muss. Hier das beste aus dem Programm:

Der braune Alltag in der deutschen Provinz ist das Spezialgebiet des Autors Friedrich Burschel, der das von ihm herausgegebene Buch „Stadt, Land, Rechts“ vorstellt: am 4. Oktober, 19.30 Uhr im Café ExZess, Leipziger Straße 91.

Kapitalismus und Ökologie vereinigen, das ist das Ziel des „Green New Deal“. Der Autor Tadzio Müller liest aus seinem Werk „Grüner Kapitalismus“, das einen kritischen Blick auf die ökologische Modernisierung wirft, am Mittwoch, 6. Oktober, um 19.30 im Café ExZess, Leipziger Straße 91.

Bedürftig oder faul – diese populistischen Spitzen stehen sich in der Sozialstaats-Debatte gegenüber. Schon im 19. Jahrhundert warnte der Theoretikert Paul Lafargue mittels seines „Recht auf Faulheit“ vor der reinen Leistungsgesellschaft. Am Mittwoch, 6. Oktober, um 20 Uhr wird im Club Voltaire, Kleine Hochstraße 5, aus dem Werk gelesen und diskutiert.

Als kulturellen Höhepunkt stellt Mutlu Ergün sein neues Werk vor. „Die geheimen Tagebücher des Sesperados“ ist eine freche politische Satire, die immer wieder die unfreiwillige Komik des Alltagsrassismus entblößt. Freitag, 8. Oktober, 19.30 Uhr, im Café ExZess.

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