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Lichter-Filmfest Völlig umgeben von Bildern

Das Lichter-Filmfest in Frankfurt zeigt erstmals Virtual-Reality-Filme. Zuschauer tauchen mitten ins Geschehen ein.

„Sergeant James“
Sieht halluzinogen aus und wirkt auch recht eindringlich: VR-Filme wie der Wettbewerbsgewinner ?Sergeant James?. Foto: Lichter Filmfest

Völlig irre fühlt es sich an, eine Virtual-Reality-Brille zum ersten Mal zu tragen. Nicht das Gefühl, dass ein klobiger Kasten, in dem ein Smartphone steckt, auf der Nase sitzt. Sondern der Eindruck der Bilder, rund um einen herum, oben, unten, an den Seiten. Der Betrachter hockt mitten im Geschehen, schwimmt mit Nixen, fliegt im Heißluftballon oder liegt unterm Bett eines Kindes, das nicht einschlafen kann, weil es sich vor dem Monster unterm Bett fürchtet.

Das Lichter Filmfest hat erstmals Virtuelle-Realitäts-Filme ins Programm aufgenommen. Unter 50 Einsendungen kamen fünf auf die Shortlist, die besten drei wurden prämiert. „Sergeant James“ von Alexandre Perez, der siebenminütige Streifen über das Bett-Monster, hat im Wettbewerb den ersten Preis gewonnen (1000 Euro Preisgeld).

Platz zwei ging an „Dublin in the Dark“ von Henry Stuart (Preisgeld: 500 Euro), mit dokumentarischen Aufnahmen der irischen Hauptstadt. Den dritten Platz erzielte „Tankstelle des Glücks“ von Uwe Flade (Preisgeld: 500 Euro), in dem der Unterhaltungskünstler Friedrich Liechtenstein die Betrachter auf eine Autofahrt durch Berlin mitnimmt. „Wir haben Filme gesucht, die sich nicht nur an der Technik berauschen, sondern sich in den Dienst der Geschichte stellen“, sagte Festivalleiter Gregor Maria Schubert. Der Rausch der Technik stellte sich ohnehin nur langsam ein. Denn die Vorführung der Kurzfilme brach im Studio Naxos mehrfach ab: Technikprobleme.

„Die Technologie steht noch am Anfang“, sagte Astrid Kahmke vom Bayerischen Filmzentrum, die als Jurymitglied die Filme bewerte. Erst vor zwei Jahren seien die VR-Brillen entwickelt worden, erklärte sie, der Spielehersteller Sony habe mittlerweile eine VR-Playstation herausgebracht. In den Niederlanden gebe es Kinos, in den VR-Filme gezeigt würden. Passenderweise auf Drehstühlen, denn Zuschauer bewegen sich viel, um den Überblick nicht zu verlieren.

Zu viel Bewegung kann aber auch schaden, zumindest in der virtuellen Realität. „Manche werden seekrank“, sagte Philipp Mehler vom Lichter Filmfest. Dann, wenn eine Bewegung in der virtuellen Realität zu schnell beschleunige oder verlangsame. „Bewegungsübelkeit“, heißt das Phänomen. Kommt beim Gebrauch von VR-Flugsimulatoren vor.

Technisch funktionieren die Aufnahmen so: Bei 360-Grad-Filmen nehmen Kameras gleichzeitig in alle Richtungen auf. Eine Software fasst die Daten zusammen. Eine VR-Brille mit speziellen Linsen vermittelt dem Gehirn den Eindruck des stereoskopischen Sehens, der sich auch beim normalen Sehen einstellt.

Genutzt wird die Technologie für virtuelle Schulungen in der Industrie, Yoga-Anleitungen, Ballerspiele, Zombiefilme. „Es ist kein reines Filmmedium, sondern eine neue Kunstform“, sagte Astrid Kahmke. So neu wie die Serienfotografie des galoppierenden Pferdes von Eadweard Muybridge (1872), die einst die Ära des Bewegtfilms einleitete.

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