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Lassa-Patient Gute Chancen auf Genesung

Die Ärzte der Frankfurter Uniklinik gehen davon aus, dass der Patient mit Lassa-Fieber geheilt wird. Der Mitarbeiter eines Bestattungsunternehmens liegt seit Mittwochfrüh auf der Isolierstation und leidet derzeit an den Symptomen einer schweren Infektion.

Dr. Timo Wolf, der behandelnde Oberarzt der Infektiologie an der Uniklinik, spricht bei einer Pressekonferenz über den Zustand des Frankfurter Lassa-Patienten. Foto: Alexander Heinl/dpa

René Gottschalk, der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamtes, wirkte am Donnerstagvormittag auf einer Pressekonferenz des Universitätsklinikums ausgesprochen entspannt. Das „Kompetenzzentrum“, dem das Gesundheitsamt, die Feuerwehr, das Seuchenreferat des Landes Hessen und das Universitätsklinikum angehören, hatte einmal mehr reibungslos funktioniert. Seit Mittwoch, 1.30 Uhr, wird auf der Isolierstation im Haus 68 des Universitätsklinikums ein Mann aus Alzey betreut, der sich als Mitarbeiter eines Bestattungsinstituts an einem toten US-Bürger infiziert hatte, dessen Leichnam für eine Überführung nach Togo vorbereitet worden war.

Nach Angaben von Oberarzt Timo Wolf leidet der Bestattungsfachmann derzeit an „den Symptomen einer schweren Infektion“. Der Patient befinde sich aber „nicht in einem kritischen Zustand“ und benötige keine intensivmedizinische Behandlung. Der Krankheitsverlauf ist aber offenbar wenig berechenbar, so dass sich der Zustand des Patienten „in den nächsten 14 Tagen noch schlagartig ändern“ könne. Da das Lassa-Fieber frühzeitig diagnostiziert und mit dem Medikament Ribavirin behandelt wurde, gehen die Ärzte davon aus, das der Mann gute Chancen hat, wieder gesund zu werden.

Wie Gottschalk mitteilte, habe man vorsichtshalber auch die Familie aufgenommen, bislang aber keinerlei Anhaltspunkte für eine weitere Infektion gefunden. Wie sich der Lassa-Patient angesteckt habe, sei „noch nicht aufgeklärt“. Es handele sich um die weltweit erste Übertragung des Virus von Mensch zu Mensch außerhalb Afrikas. Hochrechnungen zufolge infizieren sich dort jährlich 100 000 bis 300 000 Menschen. Die Krankheit beginnt zunächst ähnlich wie eine Grippe und verläuft häufig mild. In schweren Fällen kann es aber auch zu einem Schockzustand und Organversagen kommen. Bei etwa ein bis zwei Prozent der Fälle endet die Infektion tödlich.

Wegen des Lassa-Patienten seien einige Patienten vom Haus 68 in andere Krankenhäuser verlegt worden, sagte der Direktor der Medizinischen Klinik II, Hubert Serve. Der hessische Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) schloss eine Gefährdung von Mitarbeitern oder der Bevölkerung aus. Er erinnerte an den letzten Patienten, der in der Isolierstation behandelt worden war. Um das Leben des Mannes, der mit Ebola infiziert war, wurde wochenlang gerungen. Ebola gehört wie Lassa zu den sogenannten hämorrhagischen Fiebererkrankungen.

Grüttner wies darauf hin, dass das Kompetenzzentrum länderübergreifend arbeite. Mit dabei sind außer Hessen die Bundesländer Rheinland-Pfalz und das Saarland. Durch regelmäßige Übungen würden sich die Beteiligten immer wieder auf den Ernstfall vorbereiten. Außer Lassa und Ebola seien in der Isolierstation auch Sars-Patienten behandelt worden. Es gebe nur wenige Zentren in Europa, die über so viele Erfahrungen mit hochinfektiösen Krankheiten verfügten. Das Geld für das Kompetenzzentrum sei „gut angelegt“.




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