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Landesticket für Landesbedienstete Ungleichheit am Uniklinikum

Das kostenfreie Landesticket für Landesbedienstete kommt Ärzten und Wissenschaftlern an der Uniklinik Frankfurt zugute. Die wahren Bedürftigen gehen leer aus und beklagen die fehlende Anerkennung ihrer Arbeit.

Infosäule
An einer Infosäule erklären die Klinikmitarbeiter, was schief läuft mit dem Landesticket. Foto: Christoph Boeckheler

Einige Patienten gucken verwundert ob der Menschentraube, die sich unweit des Haupteingangs zum Universitätsklinikum gebildet hat. Es wird angeregt diskutiert und oft auch gestikuliert. Viele der Krankenhausmitarbeiter tragen sich in Listen ein. Mit dieser sogenannten Aktiven Mittagspause möchten die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und der Personalrat der Uniklinikums auf die aktuellen Missstände bei der Vergabe des Landestickets im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) an Landesbedienstete aufmerksam machen.

Seit dem 1. Januar bekommen rund 90.000 Beamte, mehr als 45.000 Tarifbeschäftigte und etwa 10.000 Auszubildende das Landesticket zur Verfügung gestellt. Damit können sie den gesamten ÖPNV in Hessen an allen Tagen kostenfrei nutzen. Zu den Begünstigten zählen am Uniklinikum Frankfurt auch das wissenschaftliche Personal und die Ärzte. Beide Gruppen sind bei der Goethe-Universität angestellt, und die Uni hat einen anderen Tarifvertrag als die Klinik. „Eine historisch gewachsene Tarifkonstellation“, konstatiert Uwe Richtmann, Verdi-Mitglied und Personalratsvorsitzender an der Uniklinik. Das Krankenhaus habe einen Haustarifvertrag, der sich an dem Tarifvertrag der Länder orientiert.

4000 Beschäftigte gehen leer aus

Deshalb bekommen fast 2000 Mitarbeiter aufseiten der Uni das Ticket, während etwa 4000 Mitarbeiter der Klinik und Tochterfirmen leer ausgehen. „Das sind aber die, die es finanziell bräuchten und denen damit die Anerkennung zukommen würde, die sie verdienen“, sagt Richtmann. Das Ziel sei nun, politischen Druck auf die Landesregierung aufzubauen, da die Klinik dem Land gehöre. Bereits im Vorfeld der Aktiven Mittagspause hatten die Klinikmitarbeiter eine Unterschriftenaktion gestartet. Damals kamen rund 4500 Unterschriften zusammen, die an den Aufsichtsrat des Klinikums weitergeleitet wurden.

Doch eine Lösung zeichnet sich nicht ab. Zwar überlege der Vorstand, die Situation durch ein Jobticket zu entschärfen, doch dabei zahlen die Mitarbeiter immer noch ein lediglich verbilligtes Ticket. Das sei aber nicht dasselbe wie das kostenfreie Landesticket. Zudem bekäme man wohl gar nicht so viele Mitarbeiter zusammen, die das Jobticket nutzen würden, da ja bereits viele mit dem anderen Ticket fahren – wenn sie denn damit fahren.

Bei der Vorstellung, dass ein Chefarzt mit der Straßenbahn statt mit dem Auto zur Klinik kommt, müssen bei der Protestveranstaltung einige lachen. „Es ist einfach eine Ungleichbehandlung zwischen Ärzten und der Pflege“, sagt eine Klinikmitarbeiterin, die wie ihre Kollegen anonym bleiben möchte.

Diese Ungleichheit drücke auf die Stimmung in der Belegschaft. Ein anderer Mitarbeiter spricht von Betriebsunruhe.

Welche Dimensionen das Fehlen des Tickets haben kann, erklärt eine Mitarbeiterin aus Flieden bei Fulda. Eine mehr als 80 Kilometer lange Autofahrt sei es bis Frankfurt. Doch das Auto nutze sie nur bis zum Fliedener Bahnhof. Danach steigt sie in den Zug – und zahlt monatlich 275 Euro für ihre Fahrkarte, „Wenn ich zusammenrechne, was ich da schon gezahlt habe, gehört mir wahrscheinlich schon so ein Waggon“, sagt sie und schüttelt den Kopf.

Ihr Kollege wohnt in Steinau an der Straße und hat täglich eine kaum kürzere Strecke, die er seit 30 Jahren mit der Bahn bewältige. Ein Mann aus Babenhausen schaltet sich in die Diskussion ein und erklärt, dass er mit dem Landesticket viel flexibler fahren könne. „Ich darf in meiner Preisstufe nur eine bestimmte Verbindungsstrecke nutzen; wenn ich meinen Anschluss verpasse, muss ich immer warten“, sagt er. Was ihm so ein Ticket wert wäre? „Dafür würde ich auf fünf Jahre Lohnerhöhung verzichten“, antwortet er mit ernster Miene.

Verdi-Mitglied Uwe Richtmann hofft auf eine Lösung, die auf den bestehenden Tarif einen Zusatz draufsetzt. Eine Art Mobilitätstarif könnte eine passende Ergänzung sein.

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