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Lafontaine in Frankfurt Gegen die Herren im Frack

Sahra Wagenknecht ist nicht da. Aber auch so hat Oskar Lafontaine beim linken Familienfest auf dem Opernplatz die Menge im Griff.

Wenn er das Mikro in der Hand hält, ist er ganz in seinem Element. Foto: Michael Schick

Am schwarzem Himmel über dem Opernplatz leuchtet silberhell das Signet der Deutschen Bank. Und alle, die sprechen am Freitagabend vor der Alten Oper bei der Kundgebung der Linken, bringen das größte deutsche Kreditinstitut ins Spiel. Diether Dehm, der Moderator auf der Bühne, früher Frankfurter SPD-Linker, heute für die Linke im Bundestag, nennt sie „die größte Verbrecherorganisation“. Zur Nazi-Zeit habe sie sich „an Auschwitz bereichert“, heute sei sie mit zwölf Prozent am japanischen Atomkonzern Tepco beteiligt, dessen Anlage in Fukushima explodierte.

Wenige Meter entfernt strömen die Teilnehmer des „European Banking Congress“ zum festlichen Empfang in die Alte Oper – und die Herren im Frack und die Damen im Abendkleid werden gnadenlos ausgepfiffen und gucken darob völlig irritiert.

Oskar Lafontaine betritt nach mehr als einer Stunde Reden und Musik das Podium, kommt erst mal gar nicht zu Wort, weil die 600 Menschen ihn mit „Oskar! Oskar!“-Rufen willkommen heißen. „Kommt die Sahra auch?“, die Frage wurde viel diskutiert im Publikum – aber Sahra Wagenknecht begleitet Oskar nicht, das neue Traumpaar der Linken bleibt unvollständig. „Wir grüßen die Bankenwelt von diesem Platz“, ruft Lafontaine ironisch. „Ihr seid Marionetten eines Systems, das wir überwinden wollen.“ Großes Hallo.

"Linkes Familientreffen"

Er trifft noch immer den Ton, den die Menschen erwarten, bringt mit dem Mikro in der Hand die Menge binnen Sekunden hinter sich. Lafontaine grüßt auch die Verfassungsschützer im Publikum und bietet ihnen Seminare zur Aufklärung an: „Ihr dient Leuten, die verfassungswidrig handeln.“ Er fordert, das gesamte Geldsystem zu reformieren, es in öffentlich-rechtliche Hände zu überführen. Was derzeit geschehe in Deutschland und in Europa, stelle die Demokratie in Frage: „Die Linke ist die einzige demokratische Erneuerungsbewegung.“

Von einem „linken Familientreffen“ spricht einer unter den Applaudierenden – und das trifft es. Anne Haigis singt ihre Songs der 80er Jahre (Kind der Sterne), die ergrauten Jungs von „Geier Sturzflug“, 1979 schon in Frankfurt bei „Rock gegen Rechts“ dabei, bringen mit ihren Hits die Leute zum Klatschen und Fahnenschwenken: „Besuchen Sie Europa, solange es noch steht.“ Das wirkt sehr aktuell.

Ernster der Bericht der griechischen Publizistin Nadia Walawani von der Lage im Land. „Wir sind in Versuchstiere verwandelt worden“, klagt sie: „Wir wollen nicht mit Gewalt von anderen gerettet werden.“ Korrupte Griechen, „von Siemens mit Schmiergeld bezahlt“ und ein unfähiges politisches System macht sie als Ursachen der Krise aus.

Jochen Nagel, der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Hessen, ruft zur Gedenkminute für die Opfer des rechten Terrors in Deutschland auf – es ist der stillste Moment.

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