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Kurs Senioren lernen sich zu wehren

Die FR-Altenhilfe unterstützt ein Sicherheitstraining im Bockenheimer Treff. Die Teilnehmer lernen, wie gefährliche Situationen vermieden werden können und wie man sich, zur Wehr setzen kann.

Den 23. Februar 2016 wird Brigitte Juhe (80) nicht vergessen: Sie war im Theater gewesen und an der Haltestelle Lindenbaum gerade aus der U-Bahn gestiegen, als sie von zwei jungen Männern, die ihre Handtasche haben wollten, niedergerissen wurde. Seitdem ist ihre rechte Schulter kaputt. „Da ist jetzt Stahl drin“, erzählt sie der FR im Anschluss an den ersten Kurs „Sicher und selbstbewusst im öffentlichen Raum“.

Bei der FR-Altenhilfe weiß man, dass alte Leute nicht nur oft viele Handicaps haben und auf den Rollstuhl oder Rollator angewiesen sind – auch die Angst, bedroht, bestohlen und verletzt zu werden, sitzt ihnen im Nacken. Deshalb unterstützt die Altenhilfe das Begegnungszentrum des Frankfurter Verbandes für Alten- und Behindertenhilfe in Bockenheim bei diesem Lehrgang, der an insgesamt fünf Vormittagen stattfindet.

Zehn Frauen und ein Mann haben zum Auftakt am Donnerstag im Begegnungszentrum Am Weingarten 18 zusammengefunden, um von Kursleiter Jerome Gravenstein zu lernen, wie gefährliche Situationen vermieden werden können und wie man sich, wenn das einmal nicht gelingt, zur Wehr setzen kann.

Brigitte Juhe zum Beispiel möchte wieder den Mut finden öfter rauszugehen. Eine andere Teilnehmerin erzählt, dass sie heute ausnahmsweise eine Goldkette trägt. „Warum soll die nur immer zu Hause rumliegen.“ Um auf der Straße nicht aufzufallen, bindet sie sich einen Schal um den Hals. „Ich trage doch keinen Schal, wenn es warm ist“, sagt eine andere Teilnehmerin empört. Das wirft die Frage auf, welche Einschränkungen alte Menschen bereit sind hinzunehmen, um nicht zum Ziel für potenzielle Täter zu werden.

„Aufmerksamkeit ist das A und O, um Bedrohungen zu vermeiden“, sagt Kursleiter Gravenstein und verspricht einen „lebendigen Workshop“. Es gehe darum, „alle fünf Sinne zu trainieren“. So wie Brigitte Juhe am Boden liegen – „das will ich allen ersparen“. Aus den zehn Teilnehmern werden fünf Paare, die sich, im Saal stehend, mit Blicken, Körperhaltung, Bewegungen und Stimme den jeweils anderen vom Leib halten sollen. Ganz schön anstrengend. „Mir wird warm“, sagt eine Teilnehmerin und legt die Jacke ab. „Zurück auf die Stühle“, sagt der Übungsleiter, und wieder erzählt eine Teilnehmerin, wie ihr ein geschickter Dieb alle Papiere aus der Handtasche entwendet hat. Den habe sie angeschrien und tatsächlich habe er die Dokumente auf den Boden geworfen.

Der 50-jährige Jerome Gravenstein, der in Bad Homburg eine Wing-Tsun-Schule betreibt, findet genau den richtigen Ton. Auf der einen Seite hat er Verständnis für die Ängste der Teilnehmerinnen, auf der anderen Seite besitzt er jene unaufdringliche Autorität, die alle überzeugt mitzumachen. Nach dem eineinhalbstündigen Training sind alle begeistert und freuen sich schon auf die zweite Runde am nächsten Donnerstag.

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