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Kunstverein Lola Montez ist ohne Bleibe

Das Lola Montez muss sein Quartier in der Breiten Gasse räumen. Das Gebäude wurde an eine Investmentfirma verkauft. Doch der Rausschmiss soll nicht das Aus für den Kunstverein bedeuten.

05.04.2012 00:58
Grete Götze
Lola Montez muss das Haus in der Breiten Gasse räumen. Foto: privat

Die Nachricht hat sich über Facebook wie ein Lauffeuer verbreitet: „Das Grundstück in der Breiten Gasse 24 ist verkauft. Wir haben Zeit, bis Ende Mai die Liegenschaft zu räumen. Vielen Dank für die zusammen verbrachte Zeit“, schreibt der ehemalige Städelschüler Mirek Macke, der seit dem Jahr 2000 in unterschiedlichen Konstellationen den Kunstverein Lola Montez leitet. Die Reaktionen reichen von „Waaas?“ über „Oh no!“ hin zu „dislike@stadt“. Der Verein, in dem sich unter anderem die Filmemacherin Anja Czioska und der Designer Lenny Kahlke engagiert haben, war ein ungezwungener Ort der Subkultur, in dem auch bekannte Künstler wie Kasper König, Direktor des Museums Ludwig in Köln, ihre Kunst ausstellten.

Jetzt hat Konrad Pohl, der Besitzer des etwa 2000 Quadratmeter großen Areals, das Gebäude für zwölf Millionen Euro an die im Westend ansässige Firma Quissenz GmbH verkauft. Quissenz wollte sich gestern nicht über Preis und Nutzung äußern. Auch die Stadt hat sich über ein Jahr um das Grundstück beworben, wollte knapp zehn Millionen Euro dafür auf den Tisch legen, um das Viertel aufzuwerten.

Zwölf Millionen waren der Stadt zu viel

„Dort ist ein städtebaulicher Missstand“, sagte Alfred Gangel, Leiter des Liegenschaftsamtes, der FR. Eigentlich gelte es, die Breite Gasse weiter in Richtung Allerheiligentor aufzuwerten. Aber zwölf Millionen Euro waren der Stadt angesichts der Lage und der Tatsache, dass in einen denkmalgeschützten Keller noch Geld investiert werden muss, zu viel. „Wir versuchen, städtebauliche Missstände zu beheben, aber wenn ein privater Investor so viel mehr bietet, können wir nichts tun“, sagte Anne Rückschloss, Büroleiterin von Kämmerer Uwe Becker (CDU), der FR.

Mirek Macke sucht also nach einem neuen Ort für seinen Verein, sein Konzept für die Räume der Disko U 60311, die Ende Juni geschlossen wird, liegt der Stadt vor. Aber allein diese Woche sind vier Nutzungskonzepte eingegangen. Gestern war Macke beim Kulturamt, das sich Anja Runge zufolge „freuen würde, wenn das Lola Montez einen neuen Platz findet. Aber erst mal müssen wir den Bedarf klären.“ Das Kulturamt hatte 15000 Euro beigesteuert, nachdem die Bauaufsicht Ende 2010 die Räume des ehemaligen Supermarktes wegen Brandschutz-Bestimmungen geschlossen hatte. Nach einer Kunstauktion, an der sich auch die Künstler Tobias Rehberger und Heiner Blum beteiligten, konnte im Frühling 2011 wieder geöffnet werden. Damit ist Schluss. Aber erst mal gibt es zur Nacht der Museen am 21. April noch Performances und Party.

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