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Kulturcampus Philosophicum-Kauf geplatzt

Rückschlag für das geplante alternative Wohnmodell im Philosophicum am ehemaligen Campus Bockenheim: Die Projektgruppe kann zum Stichtag die Finanzierung nicht auf die Beine stellen und verlangt von der städtischen ABG Holding mehr Zeit.

Wenn das alternative Wohnmodell aus dem Rennen wäre, stehen drei private Immobilienunternehmen bereit, das denkmalgeschützte Philosophicum zu übernehmen. Foto: peter-juelich.com

Der Verkauf des denkmalgeschützten Philosophicums in Bockenheim ist gescheitert. Die Projektgruppe, die ein alternatives Wohnmodell verwirklichen wollte, konnte zum vereinbarten Stichtag 30. Juni keine Finanzierungszusicherung oder Bürgschaft für die geforderte Kaufsumme von 8,1 Millionen Euro vorlegen.

Beide Seiten, die städtische Wohnungs Holding ABG als Eigentümer und die Projektgruppe, stritten am Montag über die Ursachen für das Scheitern. Die ABG habe die Verhandlungen bereits am vergangenen Freitag abgebrochen und wolle das alternative Wohnmodell „offenbar scheitern lassen“, klagte Sprecherin Anette Mönich.

ABG-Chef Frank Junker bestritt den Abbruch der Gespräche. Er nannte das Scheitern „sehr bedauerlich“. Aber ohne Finanzierung seien „die Voraussetzungen für eine Vertragsunterzeichnung leider nicht gegeben.“ Das sei der Initiative seit zwei Jahren immer wieder verdeutlicht worden.

„Wir geben nicht auf“

Die Projektgruppe verlangte mehr Zeit, um die Finanzierung auf die Beine zu stellen. Fünf Monate brauche man, so Mönich. „Wir geben nicht auf.“ Die Gruppe appellierte an Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), den ABG-Aufsichtsratschef, aber auch an Bürgermeister Olaf Cunitz (Grüne), sie weiter zu unterstützen. Der 30. Juni als Vertragsabschluss sei „ein politischer Termin“ gewesen, so Mönich, der jeder sachlichen Begründung entbehre.

Doch in der schwarz-grünen Römer-Koalition ist es umstritten, ob die Initiative noch einmal eine Fristverlängerung erhält. Manuel Stock, Fraktionschef der Grünen im Römer, erinnerte daran, „dass die ursprünglich gesetzte Frist schon Ende Oktober 2013 endete und immer wieder verlängert wurde“. Die Grünen begegneten dem Projekt grundsätzlich mit viel Sympathie „und ich finde es schade, dass es nicht zustandekam“. Aber andererseits seien durch mehr Zeit „keine neuen Fakten“ zu erwarten.

Der Stadtverordnete Uli Baier (Grüne) betonte dagegen: „Das ist noch nicht das endgültige Aus.“ Man wolle jetzt prüfen, was genau die Banken von der Projektgruppe für die Finanzierung verlangten. Der CDU-Fraktionsvorsitzende im Römer, Michael zu Löwenstein, erteilte einer Fristverlängerung eine klare Absage: „Ich sehe da keinen Spielraum.“ Bereits am heutigen Dienstagmorgen diskutiert die schwarz-grüne Koalitionsrunde im Römer die Lage. Wenn das alternative Wohnmodell aus dem Rennen wäre, stehen drei private Immobilienunternehmen bereit, das Philosophicum zu übernehmen. Auch sie böten 8,1 Millionen Euro, so ABG-Chef Junker.

Drei Monate reichten niemals aus

Er bestätigte, dass eine der Immobilienfirmen bereits über einen Entwurf des Frankfurter Planungs- und Architekturbüros Albert Speer &Partner zum Umbau des Philosophicum verfügt. Dabei geht es offenbar um den Bau von Luxuswohnungen. Der ABG-Manager will am heutigen Dienstag das Gespräch mit den Unternehmen aufnehmen.

Junker erinnerte daran, dass die Stadt die Projektgruppe ursprünglich aufgefordert hatte, bis zum Ende Oktober 2013 ein Angebot für das Philosophicum vorzulegen. Ende März 2014 hatten sich ABG und Initiative schließlich auf einen Kauf geeinigt.

Die Projektgruppe gestand ein: „Die ultimative Bedingung der ABG Holding, eine Finanzierungszusicherung beziehungsweise eine Bürgschaft für den kompletten Kaufpreis sofort zu erbringen, kann nicht erfüllt werden.“ Drei Monate reichten niemals aus, um für ein Vorhaben dieser Größenordnung Geld zu beschaffen. Leider hätten weder „die Regierung dieser Stadt“ noch der Aufsichtsrat der ABG Holding verstanden, „wie dringlich Antworten auf die in Frankfurt herrschende Wohnungsnot gefunden werden müssen und was das Philosophicum dabei für eine Rolle spielen könnte“. Frankfurt bleibe „soziale Provinz“. Die Stadtregierung gehe einen Weg weiter, „der Ausschluss und Verdrängung zementiert“. Gebaut werde nur für die „hochwillkommenen Besserverdienenden“.

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