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Kulturcampus Bockenheim Ringen um Bockenheims Mitte

Die Frankfurter Musikhochschule fürchtet, den Anschluss an die Entwicklung des alten Uni-Geländes zu verlieren. Es ist jetzt nicht mehr so ganz klar, wo sie auf dem "Kulturcampus" hin soll. Derweil plant die Stadt fünf Hochhäuser in dem Gebiet.

Blick über den alten Campus. Foto: Michael Schick

Die Frankfurter Musikhochschule fürchtet, den Anschluss an die Entwicklung des alten Uni-Geländes zu verlieren. Es ist jetzt nicht mehr so ganz klar, wo sie auf dem "Kulturcampus" hin soll. Derweil plant die Stadt fünf Hochhäuser in dem Gebiet.

Über den Ort der geplanten Hochschule für Musik und Darstellende Kunst auf dem geplanten Kulturcampus in Bockenheim kommt es zum Streit. Hochschul-Präsident Thomas Rietschel sagt, der Neubau der Hochschule solle zu einem Drittel südlich der Bockenheimer Landstraße realisiert werden. Für die Abteilungen der Darstellenden Künste ergäben sich dort „Synergieeffekte“ mit dem „Frankfurt Lab“ und anderen Kultureinrichtungen. „Wo ist das Problem?“, fragt Rietschel.

Bürgermeister und Planungsdezernent Olaf Cunitz (Grüne) und Frank Junker, Chef der städtischen ABG Holding, widersprechen. Im städtischen „Strukturplan Kulturcampus Frankfurt“, den Cunitz am 5. November im Römer-Planungsausschuss vorstellt, bleibe die Hochschule auf das Gebiet nördlich der Bockenheimer Landstraße, nahe dem Bockenheimer Depot, beschränkt. „Wir sind der Meinung, dass die Hochschule dort über ausreichend Raum verfügt“, sagt Cunitz-Sprecher Mark Gellert.

Vermarktung so bald als möglich

Dies habe der Bürgermeister dem Hochschul-Präsidenten auch in einem Gespräch verdeutlicht. Gellert sagte weiter, die ABG Holding wolle so bald wie möglich mit der Vermarktung von Flächen südlich der Bockenheimer Landstraße beginnen, die als Mischgebiet ausgewiesen werden.

Der jetzt veröffentlichte Strukturplan legt fest, dass an der Senckenberganlage zwei Hochhäuser gebaut werden dürfen. Nicht weit davon, nahe dem Theodor.-W-Adorno-Platz, soll ein Wohnhochhaus entstehen. Auch oben an der Zeppelinallee stellt sich das Planungsdezernat „als markanten Blickfang“ zwei Hochhäuser vor, die dort das Gebäude der ehemaligen Dondorfschen Druckerei „flankieren“.

Keine Mittel, kein Plan

ABG-Chef Junker bestätigt Gespräche mit potenziellen Bauherren für das Mischgebiet, das zwischen Bockenheimer Landstraße und Mertonstraße liegt. „Es gibt Interessenten und wir beginnen mit der Vermarktung, sobald sich die Universität dort endgültig zurückgezogen hat.“ Junker beruft sich auch auf das Hessische Finanzministerium, das ihm gegenüber eindeutig erklärt habe, die neue Musikhochschule werde ausschließlich nördlich der Bockenheimer Landstraße errichtet. Am Platz der heutigen Stadt- und Universitätsbibliothek, die an die Hansaallee umziehen soll.

Thomas Rietschels Problem ist, dass das Land Hessen weder Geld noch einen Zeitplan für den Bau der 120 Millionen Euro teuren neuen Hochschule hat. Beim FR-Stadtgespräch zum Kulturcampus am Mittwoch äußerte er die Sorge, die Universitätsbibliothek könne „als Bücherspeicher“ das Grundstück weiter nutzen. Auch für deren Umzug und Neubau gibt es beim Land bisher keine Haushaltsmittel. Im Strukturplan zum Kulturcampus legt sich das Planungsdezernat fest: „Das Gebäude der Universitätsbibliothek steht unter Denkmalschutz.“ Der Bau aus den 50er Jahren, von Ferdinand Kramer errichtet, werde „auch planungsrechtlich weiterhin gesichert“.

Rochade mit Geld und Grund

„Ich bin kein Traumtänzer“, sagt Hochschul-Präsident Rietschel im Interview mit der FR. Er müsse zur Kenntnis nehmen, dass die Unibibliothek so schnell nicht umziehe. Deshalb der Plan, mit Teilen der neuen Hochschule nach Süden auszuweichen. Er schlägt vor, Grundstücke des Landes nördlich des Bockenheimer Depots zu veräußern. Mit dem Geld könne sich das Land wiederum südlich der Bockenheimer Landstraße einkaufen.

Der Strukturplan zum Campus ist Grundlage des künftigen Bebauungsplans für Bockenheims neue Mitte. Sicher ist, dass sich Senckenberg-Museum und -Forschungsinstitut erweitern; mit einem „Museumspark“ soll das Naturkundemuseum der Stiftung eine zweite Schauseite bekommen. Auch das Gebäude des Studierendenhauses samt Uni-Kita soll erhalten bleiben. Beim FR-Stadtgespräch am Mittwoch nannte Kulturdezernent Semmelroth die Institution, die zum „Offenen Haus der Kulturen“ werden soll, „einen Nukleus des Campus“. Offen ist die Zukunft des denkmalgeschützten „Philosophicums“.

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