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Kultur Karikaturen in der Paulskirche

Eine Ausstellung in der Paulskirche würdigt die 68er karikierend.

Ausstellung
Chlodwig Poths Apo-Veteranentreffen: ein bisschen Hieronymus Bosch, ein bisschen Ali Mitgutsch. Foto: Michael Schick

Von sattsam gehörten Kalauern sagt man ja gerne, die hätten „so’n Bart“. Und will damit andeuten, dass sie nicht komisch sind. Nicht wenige beteuern komischerweise, beides treffe gleichsam auf die 68er zu.

Das ist natürlich ungerecht. Und so tut Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig am Freitagabend in der Paulskirche gut daran, daran zu erinnern, dass es ohne 68er wohl keine Neue Frankfurter Schule (Gernhardt, Waechter, Bernstein & Co.) gegeben hätte, umgekehrt aber schon. Auch wenn Hartwig einräumt, dass es mitunter vorkomme, dass vereinzelte „68er sich ein wenig zu ernst nehmen“. Zustimmendes Gemurmel im Publikum. Es sind einige ernstzunehmende Dutzend, die zur Eröffnung der Ausstellung „68 wird 50! Cartoons und Karikaturen“ in die Paulskirche gekommen sind. Nicht wenige tragen so’n Bart.

Werke von 21 Künstlern werden noch bis zum 30. März im Keller der Paulskirche zu sehen sein (täglich von 10 bis 17 Uhr, Eintritt frei), darunter Zeitzeugen wie Chlodwig Poth und Epigonen wie Hauck & Bauer. Im Foyer erinnert Kulturdezernentin Hartwig daran, dass damals in Frankfurt der Deibel los gewesen sei. „In Frankfurt“, der „zweiten Hauptstadt“, seien anno dunnemals „viele Trends vorweggenommen“ worden, was heuer „mit Veranstaltungen aller Art“ gefeiert werde, lässt Oberbürgermeister Peter Feldmann per Amt für Kommunikation und Stadtmarketing mitteilen, bleibt der Eröffnung aber fern.

Es waren andere Zeiten damals. Das bestätigt auch Laudator Gerhard Kromschröder, „Pardon“-Urgestein und Ex-Paulskirchen-Ausgesperrter. Denn 1968, „da stand ich draußen vor der Tür!“ Da hätten sie nicht rein gedurft in die Paulskirche, obwohl Kromschröder und Redaktionskollegen ebendort eine aus dem Fundus der Städtischen Bühnen entliehene Gipsstatue, die als Bundespräsident Heinrich Lübke verkleidet war und deren Nacktheit lediglich von einer Schärpe in Bundesfarben bedeckt ward, hätten aufstellen wollen, untermalt von den aufmunternden Klängen einer mitgeführten Blaskapelle („Das Lied vom alten Kameraden“). Gebracht habe ihnen das damals eine Anzeige wegen Verunglimpfung von diesem und jenem (Verfahren eingestellt), verärgerte Städtische Bühnen (Gipsbüste futsch) und einen Artikel im „Spiegel“ („Treue in Gips“). Heute hingegen: freier Einlass in die Paulskirche, freundliche Begrüßung, Brezeln, Kulturdezernentin. Allerdings: auch kein Artikel im „Spiegel“.

Man habe damals jedem über 30 misstraut, erinnert sich Kromschröder. „Jetzt richtet sich das juvenile Misstrauensvotum gegen die 68er selbst.“ Juvenile Misstrauensvoten können furchtbar sein. Kromschröder erinnert an eine Bildergeschichte seines auch im Keller vertretenen Kollegen Chlodwig Poth. In der benimmt sich der halbstarke Sohn der Familie gegenüber dem Besuch schamlos sittsam. Da habe er die Eltern ja schön bloßgestellt, staucht ihn der Vater anschließend zusammen, sich trotz antiautoritärer Erziehung wie der letzte Spießer aufzuführen. „Leck mich doch am Arsch, du alter Scheißer!“, antwortet der Sohn, doch der Vater kennt kein Verzeihen und spricht erhobenen Zeigefingers: „Zu spät!“ „Es ist nie zu spät!“, sagt Gerhard Kromschröder, der sich zu seligen „Pardon“-Zeiten die Redaktionsstube mit Gerhard Seyfried teilte.

Diesen Seyfried kennt man von früher. Wer gegen die Startbahn West war, der hatte auch einen Aufkleber an der Kinderzimmertür, der drei dümmlich blickende Bullen und den Schriftzug „Wir müssen leider draußen bleiben“ zeigte. Der ist von Seyfried. Wer das komisch findet, dem wird auch Seyfrieds Bild „Berlin“ im Paulskirchenkeller gefallen. Es zeigt im Hintergrund einen umgekippten Bullenwagen, vorne steht ein zufrieden grinsender Typ mit Zwille in der Latzhosentasche. Der Typ mit der Zwille hat so’n Bart.

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