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Kultur in Frankfurt Unsichtbare Orte entdecken

Das Jüdische Museum hat eine App entwickelt, die Migrationsgeschichten an mehr als 150 Stellen in der Stadt zeigt.

Fenja Fröhberg ist neu in Frankfurt. Vor drei Wochen habe sie ihr Volontariat beim Jüdischen Museum begonnen. „In dieser Zeit habe ich mit der App ‚Unsichtbare Orte‘ die Stadt besser kennengelernt“, sagt sie.

„Unsichtbare Orte“ – diese App des Jüdischen Museums ist ein Reiseführer durch die Zeitgeschichte Frankfurts, von 1945 bis heute. Im Fokus stehen Migrationsgeschichten von Juden, aber auch von Spaniern, Griechen, Italienern, Türken.

Beim Museumsuferfest organisiert Fröhberg mit der App einen kleinen Stadtrundgang. Vor dem Caritas-Gebäude in der Alten Mainzer Gasse macht sie Halt. Die App zeigt ein Schwarzweißfoto von italienischen Gastarbeiter und einen kurzen Text, der als Audiodatei erklingt.

Caritas als Anlaufstelle für Gastarbeiter

Die Caritas, heißt es, war Anlaufstelle für die sogenannten Gastarbeiter, die von 1955 bis 1973 nach Frankfurt kamen. Viele hofften, einen Arbeitsplatz in Frankfurt zu finden, verzweifelten aber an der deutschen Bürokratie. Die Caritas half, in dem sie Dokumente übersetzte oder Termine ausmachte. Vor allem Italiener und Spanier suchten bei der Caritas Rat. Mehr als 150 „unsichtbare Orte“ lassen sich auf diese Weise in der Stadt entdecken. Weil die App mit Instagram verknüpft ist, können die Nutzer Fotos und Kommentare von den Orten in der App und auf Insta-gram posten. Wer die App, die kostenlos ist, im Hintergrund laufen hat, wird beim Vorbeigehen per Push-Nachricht über einen „unbekannten Ort“ informiert.

Weiter geht es zum Boulevardtheater „Die Komödie“ an der Neuen Mainzer Straße. Wer hätte gewusst, dass es dort das erste italienische Restaurant der Stadt gab? 1948 machte der Wirt Pietro Samueli hier die „Isola Bella“ auf – in den 1970er betrieb Samueli dann das Lokal „Da Angelo“ am Frankfurter Berg. Das gibt es bis heute.

Als die Gruppe zum Jüdischen Museum am Untermainkai kommt, das im Sommer 2019 nach der Renovierung des Rothschildpalais und dem Bau des neuen Hauses eröffnet, spielt die App keine Geschichte des Museums ab, sondern die Biografie von Ernst Loewy. Der floh 1933 wegen seiner jüdischen Herkunft aus Deutschland, und kam in den 1950ern zurück, um in Frankfurt zu arbeiten, als Sammlungsleiter für Hebräische Handschriften in der Universitätsbibliothek. Die befand sich bis 1967 dort, wo heute das Jüdische Museum steht.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Museumsuferfest 2018

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