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Kultur in Frankfurt Ein neues Theater für Kinder

Heute soll das Frankfurter Stadtparlament den Bau eines neuen Kinder- und Jugendtheaters beschließen. Kulturdezernentin Ina Hartwig erklärt im FR-Interview, was sie sich davon verspricht.

Ina Hartwig
Frau mit vielen Vorhaben: Ina Hartwig im Wandelgang vor dem städtischen Kulturdezernat in Sachsenhausen. Foto: peter-juelich.com

Am heutigen Donnerstagabend wollen die Stadtverordneten den Bau eines städtischen Kinder- und Jugendtheaters im Zoo-Gesellschaftshaus auf den Weg bringen. Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) erklärt, was sie sich davon verspricht.


Frau Hartwig, es gibt ein Kinder- und Jugendtheater in der Schützenstraße zusätzlich zum Angebot der freien Theater. Wozu braucht Frankfurt ein städtisches Kinder- und Jugendtheater im Zoo-Gesellschaftshaus?
Den Wunsch der Koalition, ein Kinder- und Jugendtheater in Frankfurt zu gründen, begrüße ich sehr. Es sollte ein eigenständiges Theater sein, mit einem kleinen Ensemble, das auf der Höhe der Zeit spielt.

Wie sollte das Theater aufgestellt sein?
Es herrscht Konsens, spartenübergreifend zu arbeiten, Tanz und Musik mit einzubeziehen, Workshops anzubieten. Kinder und Jugendliche sollen den Prozess des Theatermachens kennenlernen, damit sie eigene Talente ausprobieren und im Umgang mit Theater ihr Selbstbewusstsein schulen können. Der gesellschaftspolitische Aspekt in der Gründung des neuen Theaters ist mir sehr wichtig.

Wollen Sie die Pluralität der zahlreichen Kinder- und Jugendtheater erhalten oder diese Theaterlandschaft in dem neuen Haus zentrieren?
Ein fertiges Konzept gibt es noch nicht. Aber ich kann mir vorstellen, dass es eine eigene Intendanz geben wird, und ein kleines Ensemble. Ich würde mir wünschen, dass es eine künstlerische Handschrift gibt, die mit einer Intendanz immer verbunden ist. Das schließt wiederum nicht aus, dass man andere Gruppen mit ins Haus holt und Kooperationen realisiert.

Holt sich die Stadt externen Rat?
Wir haben mit der Koalition im Kulturausschuss einen Ausflug nach Stuttgart gemacht und uns das dortige Kinder- und Jugendtheater angesehen, das uns sehr beeindruckt hat. Weitere Ausflüge stehen noch aus.

Mit Platz für 900 Menschen wirkt das Zoo-Gesellschaftshaus für ein Kindertheater etwas überdimensioniert ...
Der Saal wird in seiner derzeitigen Form nicht erhalten bleiben, sondern im Zuge der Sanierung neu gegliedert. Im Zoo-Gesellschaftshaus bleiben sollen die Zoo-Verwaltung, die Zoologische Gesellschaft und das Fritz-Rémond-Theater. Neu hinzukommen werden eine Gastronomie und das Theater, mit einer Werkstatt, einer Probe- und einer Hauptbühne und und und.

Die Sanierung des denkmalgeschützten, klassizistischen Gebäudes wird sicher kostspielig. Kosten von 60 Millionen Euro stehen im Raum.
Das Zoo-Gesellschaftshaus ist ein städtisches Gebäude und muss ohnehin erneuert werden. Und der Zoo ist eine der wichtigsten bildungspolitischen Begegnungsstätten der Stadt. Wenn er sich weiterentwickelt, ist es enorm reizvoll, auf dem Gelände einen Ort der Kultur für Kinder zu schaffen. Gerade in einer Einwanderungsstadt wie Frankfurt, mit den Aufgaben, die uns in den nächsten Jahren bevorstehen, ist das eine sehr nachhaltige Investition. Ein Wellnesshotel dort unterzubringen wäre kontraproduktiv.

Wie sieht der Zeitplan aus?
Leider muss man etwas Geduld haben. Es wird wohl zwei Jahre dauern, das Haus zu untersuchen, ein Konzept zu erarbeiten und die Bau- und Finanzierungsvorlage zu erstellen.
Zwei Jahre bis der Umbau beginnt. In dieser Wahlperiode wird es nichts mit der Eröffnung?
Der Umbau muss in dieser Wahlperiode auf den Weg gebracht werden. Das ist das Ziel.

Es gibt noch andere Millionenprojekte, die auf die Stadt zukommen, allen voran die Sanierung beziehungsweise Abriss und Neubau der Städtischen Bühnen. Wann veröffentlichen Sie die entsprechende Machbarkeitsstudie?
Die Machbarkeitsstudie ist noch nicht abgeschlossen, aber wir rechnen damit, sie noch vor der Sommerpause der Öffentlichkeit vorstellen zu können. Es ist die größte Sanierung, die der Stadt bevorsteht. Vor diesem Hintergrund muss man realistisch sein, was andere Projekte angeht. Das Kinder- und Jugendtheater darf aber nicht in Frage gestellt werden.

Wollen Sie auch den Bau des neuen Museumsdepots und des neuen Film- und Festivalzentrums in die Wege leiten und einen Standort für die Erweiterung des Weltkulturenmuseums präsentieren?
Beim Museumsdepot suchen wir noch nach dem Standort und müssen die Finanzierung klären. Einen Standort für den Erweiterungsbau des Weltkulturenmuseums wollen wir möglichst noch in dieser Wahlperiode finden. Wenn wir im Kulturamt in der zweiten Jahreshälfte eine neue Stelle für Film geschaffen haben werden, sollten wir über das Film- und Festivalzentrum sprechen.

Wo könnte das Weltkulturenmuseum erweitert werden?
Zunächst stehen Überlegungen an, was die künftige Aufgabe des Museums sein könnte. Wie verhält sich seine Sammlung zu den Vorstellungen, die auf dem Museum lasten? Das Museum ist eine große Projektionsfläche: ein Ort, an dem die multikulturelle Gesellschaft sich versöhnen soll, ein Ort, an dem die ethnologische Sammlung wissenschaftlich präsentiert werden kann. In einem Zwischenbereich muss man eine zukunftsweisende, zeitgemäße Lösung finden. Man darf aber nicht in politischen Kitsch abdriften und dem Museum zu viele Erwartungen aufbürden.

Sollte die Leitung eher ein Künstler oder ein Wissenschaftler übernehmen?
Es muss jemand mit ethnologischer Expertise sein. Der- oder diejenige muss nicht aus Deutschland stammen, muss und sollte nicht zu alt sein, damit sich dort wirklich etwas entwickelt.

Wollen Sie den freien Eintritt für unter 18-Jährige in städtische Museen auch auf die nichtstädtischen Museen ausweiten?
Ja, aber nicht in diesem Jahr. Zunächst werden die Erfahrungen gesammelt, um belastbare Zahlen zu bekommen und auszurechnen, wie sich das auf die nichtstädtischen Häuser auswirken könnte.

Ist schon klar, wie Sie die zwei Millionen Euro mehr im Haushalt für die Freie Kulturszene, etwa für bildende Künste, verteilen wollen?
Wir entwickeln gerade das Frankfurter Künstlerprogramm, das wir mit diesen Mitteln auf den Weg bringen werden. Künstler, die in Frankfurt leben, sollen mit Kindern und Jugendlichen, vor allem geflüchteten Kindern und Kindern aus sozial benachteiligten Verhältnissen, nach der Schule, am Nachmittag, zusammenarbeiten. Es wird ein nachhaltiges Programm, das zur Marke werden soll.

Die Künstler nutzen städtische Ateliers?
Ja, wir organisieren die Infrastruktur und bezahlen die Künstler ordentlich. Die wiederum sollen sich für ein halbes Jahr oder ein Jahr verpflichten, damit sich zwischen den Kunstschaffenden und den Kindern ein Vertrauensverhältnis ausbilden kann.

In Ihrer Antrittsrede vor sieben Monaten haben sie den Wunsch geäußert, einen kritischen Diskurs in der Öffentlichkeit anstoßen zu wollen und eine kritische Öffentlichkeit zu beleben. Was ist daraus geworden?
(lacht) Darauf springen viele Menschen an, das Bedürfnis scheint wirklich da zu sein.

Planen Sie eine Veranstaltungsreihe?
Wir haben verschiedene Partner für eine Reihe ins Auge gefasst, die an verschiedenen Orten stattfinden soll, so viel kann ich verraten. Ein erster, vergleichsweise einfacher Schritt könnte darin bestehen, alle Diskussionsveranstaltungen, die es auch jetzt schon gibt, auf einen Kalender zu packen und das zu plakatieren.

Eine ähnliche Reihe sind die Römerberggespräche ...
... die eher die 68er-Generation ansprechen. Mir ist es wichtig, die junge Generation mitzunehmen, auf Facebook und Twitter präsent zu sein, schnell auf Debattenbeiträge reagieren zu können und damit auch den Generationenwechsel zu moderieren.

Wollen Sie selbst zur kritischen Öffentlichkeit beitragen, mit eigenen Debattenanstößen?
Wieso nicht? Die Schwierigkeit bei der Konzeption dieser Reihe wird allerdings sein, das Verhältnis von kritischem Diskurs und Politik sensibel auszutarieren. Es darf nicht rein akademisch und nicht rein politisch zugehen. Aber die Intellektuellen dürfen sich gerne wieder an politischen Problemlösungen beteiligen.

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