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Kultur Ein Fries für die Götter

Beim Umbau der Senckenberg-Gebäude sind jetzt die Denkmalpfleger am Werk.

Senckenberg
Detail für Detail: Restauratorin Silvia Engel arbeitet an dem fast 200 Jahre alten Fries. Foto: Renate Hoyer

Man hätte ja sagen können: Schaut – das haben die alten Griechen ganz in Weiß gemacht. Schön, gell? Und dann hätte man jede Menge Geld und Arbeit gespart. Nein, hätte man natürlich nicht, alle Welt kennt ja den berühmten Fries am Athener Akropolis-Parthenon. Der ist im Original nicht strahlend weiß, und ebenso wenig war es die ehrenwerte Frankfurter Kopie aus dem Jahr 1830.

Beziehungsweise: Doch, sie war weiß, die Kopie. Viele Jahrzehnte lang. Man konnte sie gar nicht weiß genug haben, malte Leimfarbe drüber und am Ende Dispersionsfarbe, wie jene, mit der wir unsere Raufasertapeten weißen. Aber das ist Geschichte – dank Thomas Salveter.

Montagvormittag auf dem alten Uni-Campus Bockenheim. Der Umbau für die Senckenberg-Forscher geht seinen Gang, und ganz oben im sogenannten Teil C des Jügelbaus steht ein Gerüst. Dort, auf diesem Gerüst, haben sich Thomas Salveter und seine Leute häuslich eingerichtet. Um sie herum verläuft an allen vier Wänden: der Fries – in steinernem Grau.

„Wir haben die Platten ausgebaut, stabilisiert und den Anstrich entfernt“, beschreibt der Chef. Seit 2014 hatte die Firma Salveter die insgesamt 32 Gipsplatten im bayerischen Bachhagel-Oberbechingen eingelagert, dann Schritt für Schritt aufbereitet, Lager- und Transportschäden repariert, vieles war gebrochen. Aber vor allem: die Farbschichten abgetragen.

Wie funktioniert das? „Wir haben die Platten nass gemacht und so die Farbe quellen lassen“, beschreibt der Stuckbildhauer und Restaurator Salveter. „Dann sind wir mit dem Mikrodampfstrahler drübergegangen und mit dem Pinsel.“ Was blieb? Der pure Gips? Nein: die Grundfarbe, die ursprünglich als erster Anstrich verwendet worden war. Um was für eine Substanz es sich genau handelte, können die Fachleute heute gar nicht mehr sagen. Das Wichtigste ist, dass die Urfarbe draufblieb. „Wir haben das vorher getestet, sie ging glücklicherweise nicht ab.“ Lücken und Kleinstschäden bessert das Team jetzt direkt an der Wand mit Paraloid- und Pigmentfarbe aus, während die kleine schwarze Hündin Donna alles von ihrem sicheren Platz aus beobachtet.

Der Parthenon-Fries, im Original 160 Meter lang, zeigt eine große Prozession während der einst üblichen Feierlichkeiten zu Ehren der Göttin Athene mit vielen, vielen Pferden. Zum Fest sind alle möglichen wichtigen Götter erschienen, und das ganz Besondere an dieser Darstellung, sagt Senckenberg-Umbauleiter Gerd Mangel, sei dies: „Erstmals sind Götter und Menschen hier auf Augenhöhe, also ebenbürtig – das ist die große Bedeutung des Frieses.“

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