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Kultur Dialogmuseum sucht neue Räume

Das privat geführte Dialogmuseum im Frankfurter Ostend leidet unter der hohen Miete. Das Sozialunternehmen, in dem viele Blinde arbeiten, sucht einen neuen Standort.

Frankfurter Dialog-Museum
Museumsleiterin Klara Kletzka auf einer Tour durch die Ausstellung Blinder Passagier. Foto: epd

Die Besucher des Dialogmuseums lassen sich darauf ein, mindestens eine Stunde lang blind zu sein. Zu Beginn der Ausstellung „Blinder Passagier“ bekommen sie einen Blindenstock in die Hand gedrückt. Die Ausstellung führt in ein fremdes Land. Die Objekte, die den Besuchern begegnen – eine Statue, ein Brunnen – nehmen sie durch Tasten wahr. Es wird viel gesprochen, damit niemand sich verläuft.

Auf einem Marktplatz gibt es Waren, zu erkennen mit Tasten und Riechen. In einer nachtdunklen Bar gibt es Getränke und Snacks zu kaufen. Zum Schluss müssen die Besucher erraten, in welchem Land sie waren.

Das Dialogmuseum zieht jedes Jahr rund 60 000 Besucher an. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres seien es allerdings nur 25 000 Menschen gewesen, sagte die Museumsleiterin Klara Kletzka. Den Besuchereinbruch und die damit verbundenen Einbußen führt sie auf die „politische in Entwicklung in Frankfurt“ zurück.

Seit Anfang des Jahres haben Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren freien Eintritt in städtischen Museen. Schüler machten gut zwei Drittel der Besucher des Dialogmuseums aus, sagte Kletzka. Allerdings entschieden sich Lehrer nun häufiger dafür, die für die Schüler kostenlosen Museen zu besuchen. Das Dialogmuseum bekomme das zu spüren.

Die Museumsleiterin drückt eine weitere Sorge: die steigenden Mieten im Ostend. Derzeit zahle das Museum rund 17.50 Euro pro Quadratmeter an den Vermieter. Das sei für ein Sozialunternehmen zu viel. Wenn der Mietvertrag 2020 auslaufe, würde eine Mieterhöhung ins Haus stehen. Das könne sich das Dialogmuseum nicht leisten.

„Wir sind auf der Suche nach neuen Räumen“, sagte sie. Eine Anzeige in eigener Sache hat sie auf der Internetseite des Museums veröffentlicht. Barrierefrei sollte die neue Liegenschaft sein, innenstadtnah gelegen, gut mit dem öffentlichen Nahverkehr zu erreichen. 1000 bis 1500 Quadratmeter sollte die Immobilie haben. „Die Suche wird aber nicht leicht“, weiß sie. Sie hofft darauf, dass die Stadt oder eine städtische Gesellschaft eine solche Liegenschaft zur Verfügung stellen könnte.

„Wir versuchen, das Dialogmuseum zu unterstützen, und sind auf der Suche nach einem geeigneten Standort“, sagte Jana Kremin, die Sprecherin von Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD). Einfach werde das nicht. Als Soforthilfe habe das Kulturamt dem Museum 12 500 Euro ausgezahlt. Das Geld sei Teil der städtischen Förderung in Höhe von rund 100 000 Euro im Jahr.

Das Dialogmuseum ist ein privat geführtes soziales Unternehmen. Es beschäftigt 43 Menschen, von denen 75 Prozent behindert oder benachteiligt sind. 13 Blinde oder Sehbehinderte gehören zum Team. Sie bieten Führungen in acht Sprachen.

Die Besucher kommen zur Hälfte aus dem Rhein-Main-Gebiet. 20 Prozent kommen aus Frankfurt, 25 aus dem restlichen Bundesgebiet, fünf Prozent aus dem Ausland. Das Museum wurde 2005 eröffnet und hat seitdem 820 000 Besucher gezählt. Die Ausstellung „Dialog im Dunkeln“ wurde 1989 erstmals in Frankfurt gezeigt. Seitdem ist sie durch 30 Länder getourt und hat 6,5 Millionen Menschen erreicht.

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