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Kultur Bäppi, immer weiter in Bewegung

Das Theatrallala macht Schluss. Sein Betreiber noch lange nicht – der geht auf Tour.

Theatrallalla
Thomas Bäppler-Wolf bleibt voll aktiv, auch wenn sein Theatrallalla schließt. Foto: Rolf Oeser

Ich bin Graf Solms und die Mutter von Ben Hur.“ Würde einem das irgendwer anders sagen, man dürfte ihn mit Recht einen Hochstapler schimpfen. Wenn einem das aber Thomas Bäppler-Wolf aka Bäppi La Belle sagt, dann weiß man: Das ist höchstens die halbe Wahrheit. Und selbstverständlich spricht er über zwei seiner Rollen in seinem neuen Stück „Ben Hur und die Ratten der Rennbahn oder Des Grafen bestes Stück“, das sich um einen lokalen Hochadeligen und ein künftiges DFB-Leistungszentrum dreht.

Wenn aber unsere Handkäs-Drag & Drama-Queen ihre Einladung zur Pressekonferenz mit „Das Theatrallala schließt seine Pforten und präsentiert die letzte Spielzeit“ betitelt und auch noch fettgedruckt Sinatra zitiert („… and now the end is near, and so I face the final curtain“), dann kann man sich gewiss sein: Der Bäppi tut nix. Der will spielen.

Fakt ist zumindest, dass die Tage des Theatrallala gezählt sind. Im Mai 2019 fällt auf Bäppi La Belles Showbühne in der Friedberger Landstraße der letzte Vorhang. Zum einen wird das Haus, das einst eine Essigfabrik war, ohnehin abgerissen, um den Günthersburghöfen Platz zu machen. Zum anderen ist das Theater schlicht zu groß, oder der Sommer war zu heiß oder beides. „Das war ein Theatersommer, wie man sich ihn nicht wünscht.“

Bäppi La Belle stöhnt nicht nur über die Hitze, sondern auch über eine „Auslastung von 50 oder 60 Prozent“, das sei schlicht zu wenig für „Frankfurts einziges nichtsubventioniertes Theater“, und Subventionen wolle er als SPD-Stadtverordneter jetzt erst recht nicht mehr haben, dann fordere die AfD am Ende einen Untersuchungsausschuss, „daran will ich nicht schuld sein“.

Also muss ein neues Theater her. Bäppler-Wolf sucht noch. Zusammen mit seinem Pianisten Gabriel Groh. Irgendwas für bis zu 50 Gäste, gerne eine Katakombe, nicht schon wieder direkt unterm Dach so wie jetzt in der Essigfabrik, nicht bei diesen Theatersommern.

Bis er was gefunden hat, hält er natürlich nicht still, das wäre nicht seine Art. Wie ein rastloser Geist ohne Flasche will er von August 2019 an durch die Stadtteile ziehen, in den Räumen der Saalbau und in Kneipen Gastspiele geben, es gibt schon einen Tournee-Plan, gespielt wird vor allem das aktuelle Stück „Miss Moppel: 16.50 nach Offenbach“, das laufe wie Bolle, sagt la Belle, aber auch das brandneue Opus „Ja ja der Äppelwoi“, Premiere August 2019, Darmstädter Hof.

Sei ja auch nicht so, dass er nichts zu tun habe. „Lisbet Windsors Hochzeitsservice“ laufe königlich, auch seine Altstadtführungen seien bestens besucht, ein Buch in Vorbereitung, aber bald sei mal kurz Altstadtpause: Weihnachtsmarkt zu laut.

Da wäre dann noch die Premiere von La Belles neuestem Bond-Film „Specktre“ im Kinopolis. Zur Handlung verrät der Regisseur, der Titelsong „Sinnlos“ umschreibe den Film ganz gut. Das Drehen, sagt La Belle, habe ihm solchen Spaß gemacht, dass weitere Kinofilme folgen sollen. Eine „Miss Moppel“-Verfilmung in Schwarz-Weiß. Und ein Film mit dem Titel „Die Rückkehr der Bembel-Ritter“, ganz im Ernst. „Das werden keine Arthouse-Filme“, tut la Belle sein Dogma18 kund.

Sonst will er es demnächst vielleicht ein bisschen ruhiger angehen lassen. „Man ist schließlich keine 20 mehr“, sagt Thomas Bäppler-Wolf (56). Und dann gebe es ja noch seine Tanzschule in Bad Vilbel. Möglicherweise kann der umtriebige Multi-Künstler nach den nächsten Kommunalwahlen ja als SPD-Stadtverordneter ein wenig kürzer treten; die Partei arbeitet dran, aber Bäppler-Wolf scheint keinesfalls amtsmüde.

Eine Kleinkunstbühne, 50 Leute, barrierefrei, das wäre schön. Vermieter gesucht! „Schreibt das“, trägt La Belle den Pressevertretern auf. Ben Hurs Mutter ist eine solvente Mieterin, und notfalls bürgt der Graf.

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