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Kuchenpreise Café Laumer Die Frankfurter Bürgertorte ist da

Nach der Kritik an den gestiegenen Preisen präsentiert das Frankfurter Traditions-Café Laumer seine neue Frankfurter Bürgertorte: Ein Stück kostet deutlich weniger als die teuersten Kuchen im Café. Eins kann verraten werden: Für die Bürgertorte kam bester Ebbelwei zum Einsatz.

Frankfurter Bürgertorte, präsentiert von Monika Amthor, Nadine Westphal und Didier Esch (v.l.). Foto: Peter Jülich

Wie eine wohlig warme Decke umfängt das Laumer den Besucher schon kurz hinter der Eingangspforte. Die dunkle Holztäfelung, das langgestreckte, mit Milchglas verkleidete Oberlicht: Viele Interieurs stammen noch original aus den 60er Jahren, als Theodor W. Adorno und Max Horkheimer im Traditionscafé beim Rührei saßen. Jeder Tisch ist an diesem frühen Nachmittag besetzt: Die Gäste schmausen und plaudern und lassen es sich gutgehen wie eh und je.

Doch der Friede schien unlängst nachhaltig gestört. Langjährige Gäste beklagten sich darüber, dass der neue Pächter Jorge Huberman die Torten-Preise kräftig erhöht habe. Und da das Laumer in einem städtischen Gebäude liegt (Bockenheimer Landstraße 67), schrieben sie gleich an den Oberbürgermeister: Peter, hilf!

Am Mittwoch nun reagiert Inhaber Huberman. Und lädt zu einem konspirativen Treffen, es geht die geflieste Wendeltreppe hinab in einen kühlen Keller. Dort beugt sich Konditormeisterin Monika Amthor liebevoll über ein süßes Geheimnis: die erste Frankfurter Bürgertorte.

Frische Äpfel

Die Gäste sind höchst angetan, auch Alfred Gangel, der Leiter des städtischen Liegenschaftsamtes. Er hatte die Idee für die preiswerte Torte, wehrt aber nun bescheiden ab: „Ich will kein Urheberrecht!“ Gangel hat sogar dafür gesorgt, dass das Laumer das städtische Wappen auf der Torte kostenlos drapieren darf – normalerweise wäre hier eine Nutzungsgebühr an die Kommune fällig, der es ja bekanntlich finanziell immer schlechter geht.

Konditormeisterin Amthor zerbrach sich den Kopf gemeinsam mit ihrem Kollegen Didier Esch, der schon „in besten Häusern“ (Huberman) gearbeitet hat. Und da ihre neue Kreation nun mal mit Frankfurt zu tun haben sollte, lag der Schritt nahe, besten Ebbelwei aus heimischer Kelterei zu verarbeiten.

Gesagt, getan. Ansonsten kam Mürbeteig zum Einsatz, frische Vanilleschoten spielen eine Rolle und frische Äpfel auch. Soweit darf an dieser Stelle gegangen werden, ohne das Geheimnis der Bürgertorte ganz zu lüften.

Das Ganze wird eine Stunde lang gebacken bei 180 Grad und muss dann fünf Stunden auskühlen. Es duftet intensiv nach Ebbelwei. Das Schönste aber an der Bürgertorte ist ihr Preis. Ein Stück kostet im Café drei Euro, zum Mitnehmen gar nur 2,70 Euro. Und hebt sich damit deutlich ab von den französischen Spezialitäten wie Obst-Tartelettes, Trüffelschnitte aus Valrhona-Schokolade und Himbeer-Joghurt-Schnitte. Diese teuersten Kuchen kosten am Tisch fünf Euro pro Stück (und 50 Cent weniger zum Mitnehmen).

"Demokratie-Torte"

Die spanische Vanilleschnitte gehört – anders als von der FR kürzlich gemeldet – nicht in diese Gruppe. Sie schlägt im Café mit vier Euro zu Buche und zum Mitnehmen mit 3,50 Euro.

„Wir machen alles selbst“, sagt Pächter Huberman. Und gibt klar zu, dass die Bürgertorte ein subventioniertes Angebot ist. Schließlich gilt es, 25 Mitarbeiter samt Aushilfen zu bezahlen. Und steigende Energiepreise auch.

Oben im Café sitzt die ehrenamtliche Stadträtin Cornelia-Katrin von Plottnitz (Grüne), die ihr langjähriges Verhältnis zum Laumer mit dem schlichten Satz beschreibt: „Ich bin hier aufgewachsen.“ Sie kann die ganze Aufregung über teure Torten nicht verstehen. „Qualitätvolle Ware kostet nun mal Geld“, sagt die Grüne der ersten Stunde. Eine Bürgertorte zu entwickeln gleiche einer „Realsatire“.

Von Plottnitz schlägt ironisch vor, doch nur einen Tortenboden anzubieten, der von jedem selbst belegt werden könne und den dann „Demokratie-Torte“ zu nennen. Amtsleiter Gangel versichert derweil, dass es „keine großen Beschwerden“ über hohe Preise im Laumer gegeben habe.

Gangel plant im Übrigen, das traditionsreiche Café, das im Jahr 1919 gegründet worden war, im Sommer gründlich renovieren zu lassen. Bei dieser Gelegenheit werde auch ein behindertengerechter Zugang „mit Aufzug“ geschaffen. Hoffentlich schlägt sich diese Aufwertung nicht bei den Tortenpreisen nieder …

Und dann wird die Bürgertorte feierlich nach oben getragen. Und die Gäste reagieren mit einem langgezogenen „Aaah!“

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